Jedes Jahr verunfallen in der Schweiz rund 23'000 Lernende bei der Arbeit. Ihr Unfallrisiko ist doppelt so hoch wie das von erfahrenen Mitarbeitenden. Zum Beginn des neuen Lehrjahres macht die Suva daher auf ihre Kampagne «Sichere Lehrzeit» aufmerksam.
Damit Lernende – besonders jene, die ihre Ausbildung eben erst begonnen haben – sicher durch die Lehrzeit kommen, müssen sie konsequent begleitet, geschult und für Gefahren sensibilisiert werden.
Im Gast- und Bäckergewerbe gibt es zig Möglichkeiten, sich zu schneiden, zu stechen, zu klemmen, zu verbrühen, zu verbrennen, zu verätzen, zu stürzen, sich zu verheben, auszurutschen oder sich etwas schweres auf die Füsse fallen zu lassen.
Weil viele Abläufe, Werkzeuge und Gefahren neu für sie sind, haben Lernende ein viel grösseres Unfallrisiko als erfahrene Arbeitnehmende. «Eine Instruktion am ersten Arbeitstag reicht nicht aus. Sicherheit muss während der gesamten Lehrzeit thematisiert, vorgelebt und eingeübt werden», sagt Caroline Marfurt. Sie ist Kampagnenleiterin «Sichere Lehrzeit» bei der Suva. «Lernende orientieren sich stark daran, wie erfahrene Mitarbeitende – allen voran ihre Berufsbildnerin oder ihr Berufsbildner – mit Sicherheitsregeln umgehen.»
Konkret bedeutet das für Berufsbildende: Sie sind für eine regelmässige Instruktion verantwortlich. Das nicht nur zu Lehrbeginn, sondern auch bei jeder neuen Aufgabe und wiederkehrend über die ganze Lehrzeit.
Ebenso wichtig sind die aktive Begleitung und Beaufsichtigung der Lernenden, insbesondere bei gefährlichen Arbeiten. Berufsbildende müssen dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu gehört, die persönliche Schutzausrüstung selbst konsequent zu tragen, Schutzmassnahmen einzuhalten und sofort einzuschreiten, wenn Lernende und Mitarbeitende diese umgehen.
Wer Lernende für gefährliche Arbeiten einsetzt, muss sie nicht nur instruieren, sondern während der gesamten Lehrzeit eng begleiten und beaufsichtigen. Wie gross die Veranwortung von Berufsbildenden ist, zeigt ein aktuelles Bundesgerichtsurteil.
Im beurteilten Fall verletzte sich ein Lernender im ersten Lehrjahr bei der Arbeit an einer Fräsmaschine schwer. Er arbeitete ohne die notwendige Aufsicht. Das Bundesgericht bestätigte die Verurteilung des verantwortlichen Berufsbildners.
Der Entscheid macht deutlich: Auch wenn Lernende Sicherheitsregeln kennen, dürfen Berufsbildende nicht voraussetzen, dass sie diese in jeder Situation richtig anwenden. Fehlende Erfahrung führt dazu, dass Gefahren oft zu spät erkannt werden. Gerade bei gefährlichen Arbeiten bestehen klare Vorgaben. Berufsbildende müssen die entsprechenden Schutz- und Begleitmassnahmen kennen und konsequent umsetzen.
Mit der Kampagne «Sichere Lehrzeit» unterstützt die Suva alle Beteiligten – Lernende, Berufsbildner, Berufsschulen – dabei, Arbeitssicherheit von Anfang an in der Ausbildung zu verankern. Dazu stellt die Suva kostenlos das Arbeitsheft «10 Schritte für eine sichere Lehrzeit» zur Verfügung.
Unter anderem werden in diesem Arbeitsheft Themen behandelt wie: Sicherheitsregeln im Betrieb, persönliche Schutzausrüstung, systematisches und konzentriertes Arbeiten, ausgeruht und clean zur Arbeit kommen sowie sicheres, gesundes Verhalten in der Freizeit. Zu jedem der zehn Themen gibt es Hintergrundwissen, Lernziele, Anleitungen für die Umsetzung im Betrieb, Praxistipps für Gespräche und Instruktionen sowie Lösungen zu den Aufgaben im Arbeitsheft für Lernende.
2024 wurde zudem das «Netzwerk Prävention für Lernende» gegründet. Es ist eine Plattform zum Informationsaustausch, zur Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Organisationen und Fachleuten, welche die körperliche und psychische Gesundheit bei Jugendlichen fördern.
(RIF)