Ein Blick auf den Weinbaukanton Aargau und die Projekte der jungen Winzer lohnt sich.

Lukas Baumgartner (Mitte) und seine Söhne Michel und Noel schafften mit dem Kellerneubau Platz für die Projekte der nächsten Generation. (Bilder ZVG)
Der Aargau ist mit 383,24 Hektar Rebfläche der viertgrösste Weinbaukanton der Deutschschweiz – nach Zürich, Schaffhausen und Graubünden. Dennoch wird der Weinbau im Aargau häufig unterschätzt. Das rührt daher, dass ein grosser Teil der Produktion im eigenen Kanton getrunken wird. Doch Beliebtheit finden die spannenden Crus zunehmend in der ganzen Schweiz. Denn auf einem Mosaik an topografischer Vielfalt, unterschiedlichen Bodenverhältnissen entlang von Flüssen, Seen oder an den Jurahängen sowie in lokalen Mikroklimata gedeihen zahlreiche Rebsorten. Mit viel Präzision sorgen über 130 Winzer und Kelterbetriebe für eine breite Palette ausdrucksstarker Weine. Hier die jüngsten Entwicklungen.
Was vor einiger Zeit noch als Skizze auf dem Papier existierte, ist heute – ein Jahr nach dem 50-Jahr-Jubiläum – Realität. Mit dem Neubau erweitert Baumgartner Weinbau in Tegerfelden seine räumlichen und technischen Möglichkeiten. Für Lukas und Sandra Baumgartner, die das Familienweingut seit 2002 führen, geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. «Wir sind unglaublich glücklich, wie alles geworden ist. Nach der intensiven Bauphase die neuen Räumlichkeiten nun mit Leben zu füllen, ist für uns als Familie ein besonderer Moment», sagt Sandra Baumgartner. Gleichzeitig ist der Neubau eine Investition in die Zukunft des Familienbetriebs, in dem mittlerweile die Kinder Noel, Michel und Danielle mitarbeiten.
Vor allem in der Produktion schafft der Neubau mehr Platz und optimierte Arbeitsabläufe. Davon profitieren auch die Brüder Noel und Michel Baumgartner, die als dritte Generation zunehmend Verantwortung in Rebberg und Keller übernehmen.
«Gute Ideen sind wie Wein, beide müssen reifen.»
Lukas Baumgartner, Winzer
Während Noel bereits seit 2017 im Familienbetrieb tätig ist, stieg Michel 2024 ein. «Im neuen Keller können wir effizienter arbeiten und uns in der Weinbereitung weiterentwickeln», sagt Michel Baumgartner. Dass die beiden Brüder gerne experimentieren, haben sie mit ihren eigenen Weinen «Pinotivo» (Noel) und «Lekker» (Michel) sowie ihrer gemeinsamen Weinserie «Brüderwerk» gezeigt. Mit dieser erproben sie besondere Weinstile, neue Rebsorten und innovative Vinifikationsmethoden.
Der Neubau schafft auch neue Möglichkeiten für Degustationen und Eventformate. «Guter Wein allein reicht heute nicht mehr. Unsere Kundinnen und Kunden möchten erfahren, wer dahintersteht, wie der Wein entsteht und welche Geschichte damit verbunden ist», sagt Danielle Baumgartner, die seit 2020 für Marketing und Events zuständig ist.
Nach mehr als 40 Jahrgängen stellen Ruth und Bruno Hartmann vom gleichnamigen Weingut in Remigen die Weichen für die Zukunft. Mit Marc Monnerat und Lea Tanner übernimmt ab 2027 ein erfahrenes Duo den Betrieb. In den kommenden Monaten werden die beiden eingearbeitet. «Dafür bringen die zwei gute Voraussetzungen mit», sind die Hartmanns überzeugt. Marc Monnerat lernte den Weinbau im elterlichen Rebberg beim Schloss Wartenfels in Lostorf/SO kennen und bildete sich zum Winzer aus. Seit zehn Jahren ist der 31-Jährige in der Bündner Herrschaft bei der Firma Cottinelli in Malans als Rebmeister für 20 Hektar Reben und seit sechs Jahren als Kellermeister für die Vinifikation der Trauben verantwortlich. Lea Tanner ist ausgebildete Hotelfachfrau. Die 30-Jährige leitet zurzeit den Empfang einer Tierklinik in Regensdorf/ ZH. Das Weingut Hartmann mit seinen naturschonenden Anbaumethoden entspreche den Zielen des Paares. Ruth und Bruno Hartmann waren für mehrere Jahre Sponsoren des Berufsverbands Service/Restauration.

Bruno (links) und Ruth (rechts) Hartmann übergeben ihr Weingut im kommenden Jahr an Lea Tanner und Marc Monnerat.
Eben erst waren Mitglieder der Hotel & Gastro Union, Region Bern-Nordwestschweiz, zu Besuch auf dem Weingut Heuberger und im Gasthaus Post in Bözen. Dort haben Marco Heuberger und seine Partnerin Anfang 2025 die Verantwortung über sieben Hektar Reben übernommen. Sie fokussieren auf eine naturnahe Bewirtschaftung der Rebberge, einen puristischen Ansatz in der Vinifikation sowie auf die Kombination aus moderner Technik und sorgfältiger Handarbeit. Dies zeigt auch das neue Etikettenkonzept. Der ausgestanzte Kreis stellt den Wein in den Mittelpunkt. Er symbolisiert Marco Heubergers Überzeugung, dass der Wein für sich sprechen soll. Das tun die Neuheiten: ein unfiltrierter «Orange-Wine» sowie ein flaschenvergorener Schaumwein.
In Kürze starten Heubergers mit dem Bau eines neuen Fasskellers sowie einer Vinothek. «Der neue Keller ermöglicht es uns, unsere Rotweine während 18 Monaten optimal reifen zu lassen, bevor sie in den Verkauf gehen», sagt Marco Heuberger. «Dadurch können wir unseren Kundinnen und Kunden Weine anbieten, die bereits ein interessantes Reifestadium erreicht haben.» Die jungen Winzer sind überzeugt, dass Wein auch in Zukunft gemeinsame Erlebnisse, gutes Essen und inspirierende Gespräche begleiten wird. Dies nicht zuletzt im Gasthaus Post, das seine Schwester weiterführen wird. (GAB)