Der teuerste Wein

In New York wurde im Oktober 2018 eine Flasche Romanée-Conti des Jahrgangs 1945 für umgerechnet rund 490 000 Franken verkauft. Sie gilt als die teuerste jemals versteigerte Flasche Wein.

Ora et labora – bete und arbeite –, so lautet die Kurzformel für die benediktinische Lebensweise. Darauf basieren die noch strenger ausgelegten Zisterzienserregeln: Einfachheit, Armut und Schweigen. Was aus heutiger Sicht nicht zu den exklusivsten und teuersten Weinen der Welt zu passen scheint, hat sehr wohl einen Zusammenhang. So gründeten Benediktiner-Mönche im Jahr 910 das Kloster Cluny im Maconnais. In 1089 legten Zisterzienser den Grundstein für das Kloster Cîteaux östlich von Nuits-St-Georges (FR). Beide Orden brachten die nach dem Niedergang des Römischen Reichs verwilderten Rebberge im Burgund wieder in Ordnung. Auch hatten die Mönche Zeit, das Wetter, das Wachstum einzelner Rebsorten und die daraus gekelterten Weine zu beobachten. Sie begannen, einfache, gute (Premier Cru) und beste Lagen (Grand Cru) zu unterscheiden. Diese Klassierung wurde in den 1930er-Jahren in das System der Appellation d’Origine Contrôlée übernommen. Das hatte auch zur Folge, dass sich Pinot Noir als alleinige Rebsorte für Rotwein durchsetzte und dessen Tochter Gamay aus der Côte d’Or ins Beaujolais verbannt wurde. Die Pinot-Tochter Chardonnay hingegen behauptete sich für edle Weissweine.

Das Teuerste … soll aufzeigen, weshalb exklusive Dinge ihren Preis haben und wie viel Aufwand – häufig gutes Handwerk – in diesen steckt.
 

Während Cluny durch Stiftungen in den Besitz aller Rebberge von Gevrey kam, schenkte die Herzogin von Burgund dem Kloster St-Vivant im Jahr 1232 die heute als Romanée-Conti, La Romanée, La Tâche, Richebourg und Romanée-St-Vivant bekannten Lagen. Nach dem Verkauf des damaligen Le Cloux des Cinq Journaux durch die Mönche im Jahr 1512 erlebte das Gut einige Handänderungen, bevor es 1911 als Domaine de la Romanée-Conti, kurz DRC, in den Besitz der Familie de Villaine gelangte. Im Jahr 1942 wurde die Hälfte an die befreundete Familie Henri Leroy verkauft. Seine Tochter Lalou Bize-Leroy setzte mit fast unwirtschaftlich geringen Erträgen die Qualität über alles. DRC-Weine waren schon immer teuer. Internationale Investoren und Sammler trieben die Preise in astronomische Höhen. Der Schweizer Importeur ist darüber wenig erfreut. «Bei Martel vermitteln wir einige der begehrtesten Weine der Welt. Darunter auch die der Domaine de la Romanée-Conti», sagt Jan Martel, Weinhändler in St. Gallen. «Diese Weine haben ihren Preis. Eine einzige Flasche kann so viel kosten wie eine Woche Ferien in einem guten Schweizer Hotel.» Auf dem Weltmarkt werden sie oft noch deutlich höher gehandelt. Martel verzichtet jedoch bewusst darauf, bei hoher Nachfrage die Preise weiter nach oben zu treiben. «Stattdessen setzen wir einen fairen, vernünftigen Preis fest und teilen die Flaschen möglichst gerecht unter jenen Weinfans auf, welche diese Kostbarkeiten selbst lagern und trinken, statt sie mit Gewinn weiterzuverkaufen.» So unterbindet Martel die Spekulation, was ganz im Sinn der Produzenten ist.

(gab)


Mehr Informationen unter:

romanee-conti.frmartel.ch