Die Schweiz ist stark von der Erderwärmung betroffen. Das hat auch im Tourismus Auswirkungen. Frage ist, wie man diesen begegnet.

Vor allem tiefer gelegene Skigebiete müssen Alternativen finden. Keystone-SDA
Am 13. Tourismus Forum Schweiz, welches Ende des letzten Jahres im Zentrum Paul Klee in Bern stattfand, trafen sich 165 Fachleute aus dem Tourismus, der Politik, Wirtschaft, Forschung und Verwaltung. Organisiert wurde dieser Anlass vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. Die zentrale Botschaft war: Der Klimawandel stellt den Tourismus in der Schweiz vor grosse Herausforderungen – er bietet aber auch Chancen. Monika Bandi Tanner, Leiterin der Forschungsstelle Tourismus an der Universität Bern, führte durch die Tagung.
Der Klimatologe Erich Fischer von der ETH Zürich zeigte auf, wie stark Alpen- und Mittellandregionen vom Klimawandel betroffen sind und dass Klimaschutz, Innovation und regionale Wertschöpfung Hand in Hand gehen müssen. Er erklärte zum Beispiel, dass man die Touristinnen und Touristen dazu animieren soll, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen. Denn der Tourismus gehöre zu einem Treiber des Klimawandels. Zudem erläuterte er, dass die Schweiz wegen ihrer Lage stärker von der Erderwärmung betroffen ist als etwa Länder, die sich in Meeresnähe befinden. Er zeigte auf, wie sich die Schneefallgrenze in den letzten Jahren nach oben bewegt hat. «Das Klima, welches früher an einer Talstation in einem Skigebiet herrschte, ist heute an der Mittelstation anzutreffen. Die Frage stellt sich, wie hoch diese Grenze in den kommenden Jahren ansteigen wird.» Für Skigebiete in tiefen Lagen werde es schwierig.
Auf Stnet, der B2B Plattform von Schweiz Tourismus, ist seit kurzem das Projekt «Kompass Schnee» aufgeschaltet. Diese Plattform stellt Winterdestinationen, Seilbahnunternehmen und Behörden Daten zur Verfügung, die Entscheidungen zu geeigneten Anpassungsmassnahmen erleichtern. Sie soll helfen, die Schneesituation realistisch einzuschätzen und Angebote sowie Investitionen darauf auszurichten.
Monika BandiI, Universität Bern
Martina Hollenstein, Geschäftsführerin von Mounteco und Projektleiterin des Innotour-Projekts «Klimafitte Destinationen Graubünden» gab zu bedenken, dass die Tourismusorte mehr in alternative Angebote investieren müssten. Denn weltweit gäbe es viele Tourismusangebote ohne Winter und hier hätten vor allem die Bergregionen Nachholbedarf.
In vier Workshops wurde unter anderem das Förderprogramm «Adapt+» des Bundesamtes für Umwelt vorgestellt. Damit fördert der Bund seit 2025 Massnahmen und Projekte, welche die Risiken infolge des Klimawandels minimieren. Auch die Bedeutung wirksamer Klimakommunikation wurde diskutiert. Dabei kam heraus, dass sich viele Destinationen schwer damit tun, die Gäste emotional zu erreichen, zu motivieren und zu aktivem Handeln zu bewegen. So spricht man in Lenzerheide zum Beispiel nicht mehr von Nachhaltigkeit, sondern von der Zukunft. Dave Spielmann, Stellvertretender CEO der Lenzerheide Marketing und Support AG, erklärte, dass sie die Gäste und die Einheimischen damit eher auf der emotionalen Ebene abholen.
Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion zur Frage, wie die Politik den Tourismus unterstützen kann, um Chancen des Klimawandels zu nutzen und Herausforderungen zu bewältigen. Die Ergebnisse des Tourismus Forum Schweiz fliessen in die Arbeiten des Seco zur neuen Tourismusstrategie des Bundes ein. Sie soll Anfang 2027 vom Bundesrat verabschiedet werden. Ziel ist, Klimaanpassung und Emissionsreduktion als zentrale Bestandteile in der Strategie zu verankern.
(Daniela Oegerli)
Das Tourismus Forum Schweiz ist eine Dialog- und Koordinationsplattform, die das Ziel hat, die Zusammenarbeit in der Tourismuspolitik zu stärken. Es setzt sich aus der jährlichen Tagung sowie themenspezifischen Arbeitsgruppen sowie Workshops und Webinaren zusammen.