Functional Food: Gerichte mit gesundheitlichem Mehrwert

Natalie Seifert ist Head of Marketing bei Orderbird. Sie weiss, welche Trends das Gastgewerbe 2026 bewegen. Einer davon ist Functional Food.

(Bild ZVG)

Frau Seifert, was ist unter dem Begriff Functional Food zu verstehen?

Functional Food sind Lebensmittel oder Gerichte, die mehr können als nur satt machen und gut schmecken. Sie liefern einen zusätzlichen gesundheitlichen Effekt, etwa durch zugesetzte Vitamine, Mineralstoffe, Pflanzenstoffe oder probiotische Kulturen.

Inwiefern unterscheidet sich Funcitional Food Ihrer Meinung nach von klassischer gesunder Küche?

Klassische gesunde Küche setzt vor allem auf frische Zutaten, Vielfalt und eine ausgewogene Zubereitung. Der gesundheitliche Effekt entsteht dabei aus der Kombination natürlicher Lebensmittel und Kochhandwerk. Beim Functional Food wird ein Gericht gezielt mit einem zusätzlichen Nutzen versehen. Zum Beispiel mit mehr Protein, probiotischen Kulturen oder bestimmten Vitaminen. Vereinfacht gesagt: Klassische gesunde Küche setzt auf Zutaten und Zubereitung, Functional Food setzt dazu noch auf eine funktionale Aufwertung der Gerichte.

Warum ist Functional Food auf einmal trendy?

Functional Food trifft den aktuellen Zeitgeist und ist damit eine Antwort auf das veränderte Konsumverhalten. Vor allem junge Generationen legen immer mehr Wert auf Gesundheit, Performance und Wohlbefinden – nicht zuletzt wegen Social Media, wo ein gesunder Lifestyle mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist. Gastronomische Angebote bieten dabei eine zeitgemässe Alternative mit echtem Mehrwert zur Selbstoptimierung in der eigenen Küche.

Warum sollten Restaurants und Bäckereien sich mit dem Thema Functional Food beschäftigen?

Betriebe, die sich mit Functional Food beschäftigen, können sich so vom Wettbewerb abheben, neue Zielgruppen gewinnen und bestehende Gäste stärker binden. Ausserdem eröffnet Functional Food kreative Möglichkeiten durch neue Zutaten oder Rezepturen. Wichtig ist, dass Restaurants Functional Food nicht nur als Antwort auf einen weiteren Trend aufgreifen, sondern als Reaktion auf eine steigende Nachfrage nach bewusstem Genuss mit funktionalem Nutzen.

Gibt es Erfahrungszahlen oder statistische Erhebungen, wie gross der Markt für Functional Food ist?

Der globale Functional Foods Markt wurde 2023 auf 329,65 Milliarden USD geschätzt und soll bis 2030 auf 586,06 Milliarden USD wachsen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,6%. Dass dieser Trend auch in Deutschland angekommen ist, zeigen aktuelle Zahlen aus der Gastronomie: Im Rahmen des orderbird Gastro-Stimmungsbarometer 2025 berichteten fast 60 Prozent der befragten Gastronomen und Gastronominnen von steigender Nachfrage nach veganen und vegetarischen Optionen. Über ein Drittel setzt mittlerweile verstärkt auf gesunde Gerichte. Damit haben gesundheitsorientierte Angebote klassisches Comfort Food wie Burger oder Pommes bereits überholt. Interessant ist auch: Über 93 Prozent der Befragten reagieren bereits aktiv auf diese veränderten Gästewünsche. Sie tun dies durch angepasste Menüs, regionale Zutaten oder transparentere Informationen zur Herkunft der Speisen.

Welche wirtschaftlichen Vorteile sehen Sie für Restaurants und Bäckereien, die Functional Food anbieten?

Diese Gerichte bieten Restaurants und Bäckereien echte Chancen fürs Geschäft. Neben dem Abheben von anderen Marktteilnehmern und dem Ansprechen neuer Gäste lässt sich durch hochwertige Zutaten auch ein etwas höherer Preis rechtfertigen.

Welche Gästegruppen sprechen besonders gut auf Functional Food an?

Vor allem Gäste, die bewusst auf ihr Wohlbefinden achten. Dazu zählen Gesundheitsbewusste, Fitnessbegeisterte, Leistungssportler- und -sportlerinnen sowie Menschen, die Ernährung als Teil ihres Lifestyles verstehen. Gerade für diese Zielgruppen bieten entsprechende Angebote in der Gastronomie eine Möglichkeit, neue Produkte und Trends auszuprobieren, die sie aus Social Media oder dem Fitness-Umfeld kennen, ohne sie selbst zubereiten zu müssen. Aber auch ältere Gäste oder Kurgäste reagieren positiv auf Functional Food, wenn deren Zusatznutzen klar kommuniziert ist: etwa für Verdauung, Herzgesundheit oder das Immunsystem. Grundsätzlich gilt: Wer eine Ernährung mit Mehrwert sucht, ist offen für Functional-Food-Angebote.

Wie muss Functional Food angeboten und deklariert werden, damit die Gäste positiv auf das Angebot reagieren?

Functional Food wird gut angenommen, wenn sein Mehrwert klar, verständlich und transparent kommuniziert wird. Statt reiner Marketing-Claims sollten die Gäste konkret erfahren, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, woher sie stammen und welchen Nutzen sie bieten: etwa «extra Protein», «unterstützt die Verdauung» oder «reich an Ballaststoffen». Kurze, gut platzierte Hinweise auf der Karte oder am Produkt sowie eine ansprechende Präsentation erleichtern die Entscheidung und schaffen Vertrauen. Je nachvollziehbarer der Nutzen ist, desto eher sind Gäste bereit, das Angebot auszuprobieren.

Welche organisatorischen Herausforderungen bringt Functional Food im Küchenalltag mit sich?

Betriebe müssen sich vorher gut vorbereiten. Beim Einkauf müssen sie wissen, worauf es ankommt: Herkunft, Qualität und die richtige Menge, damit der gewünschte Nutzen tatsächlich spürbar ist. Auch die Zubereitung kann Besonderheiten haben: zum Beispiel schonende Verarbeitung, um Inhaltsstoffe zu erhalten. Wichtig ist ausserdem, dass Küchen- und Service-Teams geschult sind, damit sie den Gästen erklären können, was im Produkt steckt und welchen Mehrwert es bietet. Ein Beispiel: Bei proteinreichen Bowls oder fermentierten Zutaten muss klar sein, wie sie verarbeitet werden, damit der funktionale Effekt erhalten bleibt. Mit klaren Abläufen und Wissen im Team gelingt der reibungslose Einsatz von Functional Food im Arbeitsalltag.

Genuss und Functional Food – geht das zusammen?

Genuss und Functional Food schliessen sich keineswegs aus. Functional Food kann sogar spannend sein, weil es neue Zutaten oder Zubereitungen ins Spiel bringt. Es geht also darum, Gesundheit und Geschmack zu verbinden, statt dass eines auf Kosten des anderen geht.

Wie kommuniziert man das Functional Food-Angebot idealerweise. Welche Begriffe und Formulierungen sprechen die Gäste an, welche schrecken sie eher ab?

Functional Food sollte klar, ehrlich und positiv kommuniziert werden. Begriffe wie «reich an Ballaststoffen», «mit extra Protein», «probiotisch» oder «unterstützt die Verdauung» kommen gut an. Auch Formulierungen, die Genuss betonen, wie «lecker & gesund» oder «bewusst geniessen», funktionieren. Ungeeignet sind dagegen zu technische, medizinische oder zu werbliche Begriffe, wie beispielsweise «funktionelles Präparat» oder «gesundheitsförderndes Superfood». Das wirkt oft zu abstrakt oder übertrieben und kann Gäste eher abschrecken.

Kennen Sie Gastronomiebetriebe, die Functional Food erfolgreich im grossen Stil anbieten?

Reine Functional-Food-Restaurants im klassischen Sinne, also mit gezielt angereicherten Lebensmitteln, sind tatsächlich noch selten. Es gibt aber Betriebe, die funktionale Elemente sehr erfolgreich in ihre Konzepte integrieren. Gute Beispiele sind Bowl-Ketten, wie Maloa Poke Bowl in Leipzig, die mittlerweile deutschlandweit präsent sind. Sie setzen auf nährstoffreiche, ausgewogene Gerichte und bedienen damit genau die gesundheitsbewusste Zielgruppe, die auch Functional Food nachfragt.

Zudem beobachten wir: Viele Betriebe integrieren funktionale Elemente punktuell, etwa Smoothies mit Superfoods oder proteinreiche Bowls. Die Nachfrage ist klar da, wird aber eher als Teil eines breiteren, gesundheitsbewussten Angebots bedient und nicht als eigenständiges Konzept.

Kollagen-Kaffee, High-Protein-Brötchen… gibt es noch weitere Beispiele für Funcional Food?

Ja, es gibt noch viele weitere Beispiele für Functional Food in Bäckereien und Gastronomiebetrieben. Dazu zählen protein- oder ballaststoffreiche Backwaren, Low-Carb-Optionen, angereicherte Smoothies oder Shots mit Vitaminen, Probiotika oder Superfoods wie Matcha und Gerstengras sowie fermentierte Getränke wie Kombucha. Auch proteinreiche Bowls, Joghurts oder Snacks mit gesunden Zusätzen sind Functional Food.

(Riccarda Frei)


Zur Person

Seit Januar 2025 ist Natalie Seifert als Head of Marketing bei der Orderbird GmbH in Berlin (D) tätig. Orderbird ist einer der führenden Anbieter von Cloud-Kassensystemen für die Gastronomie.  Zu Natalie Seiferts Fachgebieten zählen «Strategy & Leadership» sowie «Performance & Growth». Sie hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin besucht und einen Abschluss als Bachelor of Arts - BA, Economics.