Noch nie war der Ansturm auf den Berufswettbewerb des bvr so gross wie dieses Jahr. Die Leistungen der Kandidaten waren top. Gesiegt haben Adélie Chatton und Jacob Schümperli.
Egal, ob in der Königsdisziplin, dem Flambieren von Krevetten, in der Überraschungsdisziplin Mystery oder beim Erkennen von Käsesorten: Die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Servicemeisterschaft 2019 absolvierten den Wettbewerb des Berufsverbandes Restauration bvr souverän und mit viel Freude. Auch wenn Hände zitterten, Wein verschüttet wurde oder man zu spät zur Disziplin erschien – die angehenden oder ausgelernten Restaurationsfachfrauen und -fachmänner überzeugten die Juroren durch Fachwissen und Professionalität. «Die Kandidaten liessen sich nicht erschüttern und präsentierten sich als professionelle Gastgeber. Solche Personen brauchen wir im Beruf», so Christoph Muggli, Präsident bvr und der Wettbewerbskommission (Weko). Alle Teilnehmer erhielten eine Tasche voller Sachpreise. Am meisten überzeugten Adélie Chatton und Jacob Schümperli. Die Restaurationsfachfrau vom Café des Avenues in Lausanne/VD darf sich Servicemeisterin 2020 nennen. Unter Tränen nahm sie an der feierlichen Siegerehrung durch die Hotel & Gastro Union am Ende der Igeho den Pokal von der abtretenden Servicemeisterin Tamara Haab entgegen. «Danke, vielen Dank. Ich bin superglücklich, hier als Vertreterin der Westschweiz gewinnen zu dürfen», waren ihre ersten Worte. Die 31-Jährige war eine von sechs Goldmedaillengewinnern und zitterte bis zuletzt mit der ebenfalls ausgelernten Lisa Schmid vom Restaurant Schützen in Steffisburg/BE um den Titel.
In der Kategorie Junior-Servicemeister erzielte Jacob Schümperli am meisten Punkte. «Ich hatte ein gutes Gefühl nach meinem Einsatz und freue mich sehr, wirklich sehr über den Sieg. Einen grossen Dank an meinen Coach und an meine Arbeitgeberin, die Swiss Re Management in Zürich, für die Unterstützung.»
Laut Weko-Präsident Christoph Muggli überzeugten die Sieger die Jury vor allem wegen ihres professionellen Auftretens sowie ihrer überzeugenden Kommunikation in allen Disziplinen. «Sie konnten ihr Niveau während des ganzen Wettbewerbs konstant hoch halten.»
Erstmals in der elfjährigen Geschichte der Servicemeisterschaft hatte der bvr-Vorstand die Qual der Wahl. 38 Restaurationsfachfrauen und -fachmänner aus der ganzen Schweiz wollten an der Servicemeisterschaft 2019 an der Igeho Basel teilnehmen. Darunter fünf aus der Romandie, was dem Einsatz des neuen Geschäftsführers des bvr Roman Helfer zu verdanken ist. Er lebt in der Westschweiz. Ausgewählt wurden diejenigen mit den besten Bewerbungsschreiben. Do Dinh Dong, ein Absolvent der Swiss Hotel Management School in Leysin/VD, brachte internationales Flair an die Meisterschaft. Er spricht nur Englisch.
Do Dinh Dong übertrug das Motto für die Erlebnistische in die Disziplin Barista und stellte seine Eigenkreation eines Kaffeegetränks in den Farben der fünf Elemente dar. Cheyenne Gut servierte einen Capl: eine Kreation aus Kaffee und Apfel in verschiedenen Temperaturen. Sie brachte alle benötigten Bar-Utensilien selbst mit und liess eigens für die Servicemeisterschaft eine hölzerne Unterlage schreinern, um sie herbstlich zu verzieren. «Die Präsentation dieses Kaffeegetränks wird mir am Qualifikationsverfahren als Verkaufsgespräch dienen.»
Auch Sarah Sommer scheute keinen Aufwand. «Ich liess meinen Bruder fünf Stühle aus Eschenholz für den Erlebnistisch schreinern», verriet die Lernende. Die ganze Familie half mit. Während die Schwester – eine Floristin – ihr half, Krone und Blumen für die Tischdekoration aufzutreiben, hat der Vater Brotteller aus Holz aus dem eigenen Wald hergestellt. Verdienterweise ging der Tagessieg für den schönsten Erlebnistisch am Montag an sie.
Viel Action gab es beim Flambieren von Riesenkrevetten. Die Flamme schoss meterhoch in die Luft. «Gut aufpassen!», lautete dann auch der Rat der Stellvertreterin des Präsidenten der Weko Daniela Jaun. Das bvr-Mitglied gewann die Servicemeisterschaft 2012 und führt heute erfolgreich das Restaurant Wein und Sein in der Altstadt von Bern. Nachdem die Krevetten flambiert worden waren, mussten die Kandidaten eine Sauce zubereiten und das Gericht fachgerecht anrichten. Um die Teilnehmer auf ihre Reaktion auf Unvorhergesehenes zu testen, gab es täglich eine andere Mystery-Aufgabe zu lösen. «Gute Gastgeber benötigen eine gewisse Persönlichkeit, das gewisse Etwas», so Daniela Jaun. Am Montag hatten die Kandidaten mit einem Zuckerguss überzogene Torten in zwölf Stücke zu zerteilen. Einfacher gesagt als getan, klebte doch der Tortenguss am Messer. Tortenbäckerin und sbkpv-Mitglied Isabelle Gubser verriet den Geheimtipp: Messer erhitzen.
Auch das Erkennen von Käsesorten und deren Verkauf, die fachgerechte Zubereitung eines klassischen Cocktails und eines Beefsteak Tatars sowie das saubere Dekantieren von Wein wurden benotet. Einzig das Zubereiten von Mocktails – Mixgetränken ohne Alkohol – überliess man anderen. Jeden Tag präsentierte ein Barkeeper seine Kreation und verteilte sie an das Publikum. «Das nächste Jahresthema des bvr ist Null-Promille-Drinks», verrät Jason-Candid Knüsel. Das Vorstandsmitglied des bvr und Barkeeper im Savoy Hotel in London freut sich schon sehr darauf, interessierte Gastronomen in die Welt der modernen Mischgetränke einzuführen.
Unter den zahlreichen Besuchern befanden sich ehemalige Sieger wie die abtretende Servicemeisterin Tamara Haab und der scheidende Junior-Servicemeister Fabian Müller. «Es kommen viele Emotionen hoch», so Tamara Haab. Für seinen steten Einsatz erhielt Fabian Müller den Preis für herausragende Leistungen der Weko. Derselbe ging an die Service-Weltmeisterin Martina Wick. Sie erhielt einen Gutschein für ein Wochenende in einem Schweizer Viersternehotel für zwei Personen geschenkt.
(Sarah Sidler)
Jacob Schümperli
«MIT DEM ERLANGEN DES TITELS HABE ICH MEIN ZIEL ERREICHT»
Herzliche Gratulation, Jacob Schümperli! Haben Sie damit gerechnet, Junior-Servicemeister 2020 zu werden?
JacobSchümperli: Nein, ich habe nicht mit dem Sieg gerechnet. Ich habe aber gehofft, den Titel zu holen und erhielt von verschiedenen Seiten ermutigenden Zuspruch.
Haben Sie viel in die Vorbereitung der Servicemeisterschaft investiert?
Ich habe sehr viel investiert und hatte das Glück, dabei sehr viel Unterstützung von meiner Arbeitgeberin, der Schweizer Rückversicherung, zu erhalten. Ein grosses Dankeschön deshalb an sie und an meinen Coach Andy Kühni, der mich auf alle Disziplinen optimal vorbereitet hat.
Was freut Sie am meisten?
Dass es schlussendlich wirklich für den Titel gereicht hat. Dass ich mein Ziel, das ich in den vergangenen acht bis neun Wochen verfolgt habe – nämlich Junior-Servicemeister zu werden –, nun tatsächlich erreicht habe.
Unter anderem haben Sie eine fünftägige Reise nach New York gewonnen. Wissen Sie bereits, mit wem Sie diese Reise antreten werden?
Ja, ich werde bestimmt mit meinem Zwillingsbruder Maximilian in die Staaten reisen. Er hat ebenfalls an der diesjährigen Servicemeisterschaft teilgenommen. Dann werden wir sehr wahrscheinlich von Freunden begleitet, welche die Reise privat mitantreten werden. Darauf freue ich mich bereits sehr!
(Interview Sarah Sidler)
Der 17-Jährige aus Horgen/ZH absolviert seine Ausbildung zum Restaurationsfachmann bei Swiss Re Management in Zürich. Während seiner Vorbereitungen wurde er auch unterstützt von seinem Mitarbeiter Guy Estoppey – Mitglied der Schweizer Kochnationalmannschaft.
Adélie Chatton
«ICH BIN SUPERGLÜCKLICH, GEWONNEN ZU HABEN»
Bravo, Adélie Chatton, Sie sind Servicemeisterin 2020. Was sagen Sie zu Ihrem Sieg?
AdélieChatton: Ich bin sehr stolz und glücklich, das Rennen als Romande gewonnen zu haben. Ich freue mich, dass die französischsprachige Schweiz mit meinem Sieg auf nationaler Ebene nun präsenter ist. Umso mehr, weil die Romands meiner Meinung nach viel von den Deutschschweizern lernen können. Deshalb bin ich sehr froh, als Siegerin die Farben der Romandie tragen zu dürfen und zu zeigen, dass wir präsent und der Aufgabe gewachsen sind. Wir wollen gemeinsam etwas erreichen.
Weshalb, denken Sie, haben Sie gewonnen?
Ich war sehr gut vorbereitet. Ich hatte einen grossartigen Trainer, und wir haben viel geübt. Deswegen habe ich es an der Meisterschaft geschafft, gut mit dem Druck umzugehen und mir selbst zu sagen, dass mir die Teilnahme vor allem Freude bereiten soll. Ich denke, diese Freude war während des ganzen Tages spürbar.
Wie lange haben Sie denn für den Berufswettbewerb geübt?
Ich habe vier Monate lang intensiv für die Servicemeisterschaft trainiert.
Und welche Disziplin bereitete Ihnen am meisten Spass?
Diejenigen, bei denen wir mit einem Mikrofon hinter der Bar arbeiten und dabei mit dem Publikum sprechen konnten. Das war eine grossartige Erfahrung. Deshalb haben mir die Disziplinen Mixologie und Barista am besten gefallen.
(Interview Roman Helfer/ Sarah Sidler)
Adélie Chatton aus Lausanne/VD war mit ihren 31 Jahren die älteste Teilnehmerin der Servicemeisterschaft 2019. Sie arbeitet im Café des Avenues in
Lausanne und wurde am Berufswettbewerb von ihrem Coach Jacques Ballois unterstützt.