«Ein Knochenjob – aber ein wunderschöner»

Heute tritt Reto Walther seine Stelle als neuer Geschäftsführer des Schweizer Kochverbands an. Er will verhärtete Fronten aufweichen und den Verband bekannter machen.

Der neue skv-Geschäftsführer Reto Walther will den Kochberuf fördern, ohne Augenwischerei zu betreiben. (ZVG)

Hotellerie Gastronomie Zeitung: Reto Walther, welches Traktandum werden Sie als neuer skv-Geschäftsführer als Erstes angehen?
Reto Walther: Derzeit ist die Kochakademie in aller Munde. Ich will mithelfen, die bestmögliche Lösung für dieses grosse und wichtige Projekt umzusetzen. Ebenfalls hohe Priorität hat, dass die Kochnationalmannschaften bereit sind für die Weltmeisterschaft in Luxemburg. 

Wieso ist die geplante Kochakademie so wichtig für die Branche?
Die Kochakademie liegt mir sehr am Herzen, weil wir damit etwas fürs Handwerk tun können. Weiterbildungen in den Bereichen Management und Administration gibt es mehr als genug. Aber es muss unbedingt auch eine handwerkliche Weiterbildung geben. Deshalb werde ich alles daransetzen, dass die geplante Kochakademie ein Erfolg wird. 

Sie haben über 15 Jahre bei der Schweizer Armee gearbeitet. Was reizt Sie an der Position des skv-Geschäftsführers? 
Eigentlich habe ich gar keine Veränderung gesucht. Mein Job gefiel mir, ich machte ihn schon lange und ich glaube, auch gut (lacht). Eigentlich wäre es «grad gäbig» gewesen dazubleiben. Aber «grad gäbig» ist halt nicht so meins. Ich kannte den bisherigen skv-Geschäftsführer Andreas Fleischlin bereits und seine Tätigkeit hat mich immer fasziniert. Und als ich dann die Stellenausschreibung sah, war die Verlockung zu gross, um mich nicht zu bewerben. 

Was wollen Sie als skv-Geschäftsführer in den nächsten Jahren bewirken? 
Wir müssen das Nachwuchsproblem angehen. Das habe ich auch in der Armee gesehen: Der Bedarf an Nachwuchskräften ist sehr schwer zu decken. Überspitzt gesagt, mussten wir letztlich jeden nehmen, der schon einmal ein Spiegelei gebraten hatte. 

Wie lässt sich das ändern?
Ich höre immer, man müsse den Kochberuf attraktiver verkaufen. Aber wenn du von morgens bis abends Stress hast, kannst du das nicht schönreden. Koch ist ein Knochenjob. Entweder bist du dafür gemacht oder nicht. Aber wenn, dann ist es ein wunderschöner Job. Und man hat Entwicklungsmöglichkeiten in alle Richtungen. Ich bin das beste Beispiel dafür: Ich habe Koch gelernt, ging dann zur Armee und nun bin ich Geschäftsführer des Schweizer Kochverbands. Diese positiven Seiten muss man hervorheben, ohne Augenwischerei zu betreiben. Man kann den Leuten kein X für ein U vormachen.

Welche konkreten Massnahmen schweben Ihnen vor? 
Diese auszuarbeiten, wird in den nächsten Monaten mein Job sein. Ich glaube, dass wir vor allem das Netzwerk des Verbands nützen müssen. Wir haben ja viele sehr gute und auch bekannte Mitglieder. Dieses Potenzial müssen wir noch besser ausschöpfen. 

Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger? 
Ich trete diesen Job nicht an, um alles umzukrempeln. Andreas Fleischlin hat einen sehr guten Job gemacht, hier gilt es anzuknüpfen. Gewisse verhärtete Fronten zwischen den Verbänden müssen wieder aufgeweicht werden. Letztlich wollen wir alle dasselbe: eine starke Branche mit starken Leuten. Da macht es keinen Sinn, sich gegenseitig zu bekämpfen und uns selbst das Leben schwer zu machen. Stecken wir diese Energie doch stattdessen in den Nachwuchs und in die Weiterbildung. 

Wo soll der Kochverband in fünf Jahren stehen?
Der Kochverband muss unbedingt bekannter werden. Auch die Kochnationalmannschaften werden noch zu wenig wahrgenommen. Und die Mitglieder sollten sich stärker mit dem Verband identifizieren. Wieso sieht man beispielsweise nicht bereits an der Kochbluse, dass ein Koch Mitglied bei uns ist? Die Armee ist da ein extremes Beispiel, hier sind alle angeschrieben. Aber ich habe gelernt, dass der Korpsgeist etwas vom Wichtigsten ist. Wenn einer kein Zugehörigkeitsgefühl hat, hat er auch keinen Erfolg. Das Gemeinschaftsgefühl kommt meiner Meinung nach beim skv noch zu kurz. 

Welchen Stellenwert hat das Kochen in Ihrem Leben?
Das Kochen ist nach wie vor meine grosse Leidenschaft. Gerade war ich für ein Wochenende im Piemont. Meine Familie ging Kleider shoppen – ich ging auf den Markt und schaute mir Gemüse, Käse und Salami an. 

(Interview Angela Hüppi)


Zur Person

Reto Walther ist eidgenössisch diplomierter Küchenchef und diplomierter Betriebswirtschafter NDS HF. Er arbeitete über 15 Jahre bei der Schweizer Armee und war dort zuletzt Chef Fachbereich Verpflegung bei der Logistikbasis der Armee in Bern. Der 40-Jährige war acht Jahre Mitglied des Swiss Armed Forces Culinary Teams (SACT). Er ist nebenamtlicher Ausbildner und Prüfungsexperte im Bereich der höheren Berufsbildung in der Hotel & Gastro Formation in Weggis.

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