An der 22. Plattform von Hotelleriesuisse Zürich und Region ging es um die Frage: Sind Hotelberufe für Jugendliche eine gute Berufswahl? Geplant und durchgeführt wurde der Event von vier Lernenden.
Was geschieht, wenn man vier Lernenden aus der Hotellerie eine Plattform bietet? Eine Plattform, die sie selber mit Inhalt füllen, organisieren und präsentieren dürfen? Sie nehmen die Herausforderung an, krempeln die Ärmel hoch, arbeiten im Team, opfern dafür sogar ihre Freizeit und rocken das Ding mit Bravour. Und sie stellen kritische Fragen, schliesslich geht es um ihre berufliche Zukunft.
Colin Dudler (17), Marija Lilic (23), Chiara Notter und Gianna Tinner (17) machten eine Umfrage bei 200 Lernenden, was ihnen an der Hotellerie gefällt oder missfällt. Die Antworten decken sich mit dem Lehrlings-Barometer, eine Umfrage, welche die Hotel & Gastro Union jedes Jahr erhebt. Auf der Plusseite stehen: Kontakt zu Menschen aus aller Welt, Vielseitigkeit, die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten; auf der Minusseite: Arbeitszeiten, fehlende Wertschätzung, schlechtes Image. Colin Dudler ermahnt die über 100 anwesenden Hoteliers: «Sie müssen bessere Arbeitsbedingungen schaffen, damit Junge in die Branche kommen.»
Die vier jungen Berufsleute lieferten auch gleich Lösungsansätze. Sie schlugen vor, dass man Mitarbeitende einstellt, die explizit die Nacht- und Wochenenddienste übernehmen wollen. «Die Leute, die nachts und an Wochenenden arbeiten, sollten der Fairness wegen mehr Lohn erhalten, als die Mitarbeitenden, die zu normalen Bürozeiten arbeiten.» Ausserdem, fand Chiara Notter, müssten die Hoteliers in ihren eigenen Häusern mehr Werbung für die gastgewerblichen Berufe machen und die attraktiven Seiten der Branche mehr herausheben.
Ein grosses Anliegen des jungen Plattform-OKs betrifft den Umgang der Hoteliers mit den Lernenden. Die Führungskultur sei oft wenig wertschätzend. Ein Danke gehe im Alltag gerne vergessen und viele Lernende würden als billige Arbeitskräfte ausgenützt. Man solle sie fördern, aber nicht überfordern.
Die Jugendlichen stellten auch kritische Frage wie «Braucht es die Chefs überhaupt?». Sie luden Andrea Reinelt, Leiterin strategisches Personalmanagement Spitex Zürich Limmat AG, als Referentin ein. Diese berichtete über ihre positiven Erfahrungen mit «sich selbst organisierenden Teams» im Pflegebereich.
Im Podiumsgespräch, an dem auch Urs Masshardt, Geschäftsleiter Hotel & Gastro Union, teilnahm, wollte Marija Lilic von der Hôtelière Claudia Züllig-Landolt wissen: «Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Chefposition aufzugeben?» Diese antwortete: «Ich sehe mich als Gastgeberin und Coach, nicht als Chef. Wir müssen generell wegkommen vom Chef-Sein und vermehrt Coach werden.»
Auch Urs Masshardt plädierte für einen Führungsstilwandel. Die Zeiten der berühmten, militärischen 3Ks – Komandieren, Kontrollieren, Korrigieren – seien definitiv vorbei. «Jetzt gelten die weicheren drei Fs: Fordern, Fördern, Feedback geben. Der neue Massstab in Sachen Führungsstil müssten aber drei neue Ks sein: Konsens finden, Kultur schaffen und dann kommt die Kraft von ganz alleine.»
(Riccarda Frei)