Nächstes Jahr wird alles anders. Dieses Gefühl entsteht zumindest beim Lesen der Voraussagen der Foodtrendprognostiker. Auch Hanni Rützler unterstreicht diese Tendenz in ihrem neuesten Report.
Snackification, Urban Food, Beyond Plastic, Glokalfood, Qualitätsfood, Genussfood oder Nachhaltigkeitsfood: Wer im Internet auf Recherche nach den Foodtrends des nächsten Jahres geht, wird mit einem Reigen von neuartigen Essensrichtungen konfrontiert. Dazu passt die kürzliche Meldung in verschiedenen Tageszeitungen, dass unsere Menü-Klassiker wie Älplermagronen langfristig bedroht seien, da alteingesessene Lebensmittel wie die Kartoffel wegen der Klimaerwärmung nicht mehr angebaut werden könnten. Auch wenn dies zum Teil sehr futuristisch anmutet und an das in den 1980er-Jahren proklamierte Waldsterbeszenario erinnert, ist eines klar: Die Welt verändert sich, auch wenn vieles nur schleichend wahrnehmbar ist.
Die Mehrheit der Gastronomiebetriebe, vor allem in ländlichen Regionen, bietet ihren Gästen noch immer die gleiche Auswahl der meistbestellten Gerichte an: Cordon bleu mit Pommes frites, Kalbsbratwurst mit Rösti, serviert mit einem Salat als Einstieg und einem Dessert zum Abschluss. Doch glaubt man den Trendprognosen von Hanni Rützler in ihrem kürzlich erschienenen Trendreport 2020 ist dieses Szenario bald Vergangenheit.
Im Zeitalter der Digitalisierung verdrängt der Trend Snackification die klassischen Mahlzeiten. Der seit dem neunten Jahrhundert bekannte Imbiss als kleine Mahlzeit zwischendurch wird zum Standard. Diese kleinen Essenseinheiten sollen frisch und gesund sein. Sie sind die Antwort auf das schnellere, mobilere und flexiblere Leben, wie wir es heute gewohnt sind. In der Gastronomie ist das bereits deutlich spürbar: Immer öfter werden Mezze, Tapas und Bowl-Gerichte serviert. «Die klassische Gastronomie kann sich schon heute damit auseinandersetzen, sich weitere neue Gastrokonzepte rund ums gesunde und hochwertige Snacking zu überlegen», so Hanni Rützler.
Weiter an Terrain wird auch «Urban Food» gewinnen. Nicht zu verwechseln mit Urban Gardening, dem Gärtnern auf brachliegenden städtischen Flächen. Sondern die Tatsache, dass unser Essen immer mehr aus vertikalen Farmen oder schwimmenden Ställen kommen wird. «Urban Food» steht für ein neues Bewusstsein und für eine neue Bewegung, die Alternativen zum traditionellen Ernährungssystem vorantreiben möchten.
Ein Beispiel dafür ist ein französisches Start-up-Unternehmen. Mitten im Zentrum von Paris wachsen auf nur 30 Quadratmeter grossen Containern – so genannten Cooltainer – das ganze Jahr über frische Erdbeeren. Dabei wird auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet. Zudem kommen die Cooltainer dank Hydrokultur bei minimalem Wasser- und Energieverbrauch völlig ohne Erde aus.
(Ruth Marending)