Lange war das Schloss Rued nur wenigen bekannt und zugänglich. Das ändert sich gerade.

Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde das Schloss 2018 frisch renoviert als Seminarzentrum eröffnet. Seit diesem Jahr wird es zusätzlich auch als Boutiquehotel, Hochzeitslocation mit offiziellem Trauzimmer und Ausflugsziel vermarktet.
Auf einem Felsvorsprung über dem Dorf Schlossrued/AG thront das Schloss Rued. Bis Januar war das denkmalgeschützte Anwesen ein Seminarzentrum, von dessen Existenz nur Eingeweihte wussten. Jetzt ist es ein Boutique-Hideaway-Hotel und Ausflugsziel mit Seminarräumen – ideal für erholsame Auszeiten und romantische Hochzeiten. Das sollen alle erfahren. Dafür sorgen die Hospitality-Profis Michael und Samuel Stutz. Die Geschäftspartner führen die Gastgeber 3.0 AG. Sie erstellen kreative, umsetzbare und hochstehende Gastronomiekonzepte, optimieren Konzepte und beraten in Umsetzungs-, Positionierungs- und Führungsfragen.
«Wir hatten den Auftrag, das Konzept des Schlosses Rued zu analysieren und zu überarbeiten», sagt Samuel Stutz. Obwohl er nur 20 Minuten entfernt wohnt, kannte er das Seminarzentrum nicht. Auch Michael Stutz hatte von diesem idealen Rückzugsort noch nie gehört. Dabei ist er von Olten, Aarau und Luzern in weniger als 30 Minuten erreichbar. «Wir haben das grosse Potenzial des Betriebes sofort erkannt und uns war klar: Wir wollen das neue Konzept hier selber umsetzen.» So haben die Herren Stutz im August spontan die Geschäftsführung übernommen und als Erstes den Betrieb bis Januar geschlossen, um ihn neu aufzustellen. Das Schloss wurde bis 2018 durchdacht renoviert. Daher waren nun an der Infrastruktur kaum Anpassungen nötig. Dafür arbeiteten die zwei an der Erlebnisqualität.

Die zwölf Hotelzimmer befinden sich im Knappen- und im Waschhaus.
Unter anderem wurde die Bar gemütlicher gemacht und mit hausgemachten Getränken bestückt. So gibt es nun einen hauseigenen fassgereiften Negroni und Biere aus der schlosseigenen Brauerei. Für Hochzeiten oder Firmenevents kann Braumeister André Chatton die Flaschen mit Sonderetiketten versehen oder sogar eine eigene Biersorte brauen.
Möglich sind solche individuellen Erlebnisse, weil den Geschäftsleitern ein kompetentes, motiviertes Gastgeberteam zur Seite steht. Während Claudia Schwarz sich um den Empfang der Hotel- und Seminargäste im Schloss kümmert, pendelt Restaurantleiterin Jussy Erkenek zwischen der grünen Bar und dem Bistro im Schloss sowie dem zum Anwesen gehörenden Gasthaus zum Storchen im Dorf. Die dortigen Gasträume im Erdgeschoss sind umfassend renoviert worden, so dass die Region nun quasi um ein neues Speiserestaurant reicher ist.
Einheimische und Passanten geniessen hier Patrick Borms gutbürgerliche Küche mit französischem Chic aus regionalen Produkten. Auf der übersichtlichen, abwechslungsreichen Karte sind Aargauer Originale wie «Schnitz und Drunder» mit Schweinebauch, Dörrpflaumen, Kartoffeln und Äpfeln zu finden wie auch Rindsentrecôte Café de Paris von Dieter Meier oder vegane Burger aus Pilzen und Bohnen. Zusätzlich gibt es jeweils zwei Tagesmenüs und natürlich das bereits erwähnte schlosseigene Bier.
Auch die Speisen für die Bankettgäste im Schloss werden im «Storchen» vorbereitet. Für die Endfertigung steht im Schloss eine Satellitenküche zur Verfügung. Diese kommt zudem bei den öffentlichen Brunch-Events zum Einsatz, die Gäste aus der Region aufs Schloss aufmerksam machen. Der nächste Brunch im Schlosssaal findet am Muttertag statt.
Das neue Konzept scheint aufzugehen. Samuel Stutz strahlt: «Wir haben fürs erste Halbjahr doppelt so viele gebuchte Logiernächte und Hochzeiten in den Büchern wie erwartet.»
(Riccarda Frei)