Die geplante Übergabe von Knorr und Aromat an den US-Konzern McCormick sorgt in der Schweiz für Emotionen. Zwischen Kultgewürz, Kindheitserinnerung und Küchenstreit stellt sich plötzlich eine heikle Frage: Wem gehört Aromat eigentlich?
Letzte Woche wurde bekannt, dass Unilever seine Lebensmittelmarken wie Knorr, Maizena oder Streu mi an den US-Gewürzhersteller McCormick übergibt und künftig auf Körperpflege und Reinigung setzt. Die Tatsache, dass das Nationalgewürz Aromat dereinst amerikanisch werden könnte, bringt viele in Rage. Auch wenn Knorr schon seit geraumer Zeit dem britischniederländischen Konzern Unilever gehört. «Aromat gehört der Schweiz»: Unter diesem Titel werden zurzeit mittels einer Petition Unterschriften gesammelt gegen eine mögliche Verlagerung der Aromat-Produktion ins Ausland. Aromat sei zu einem Bestandteil des nationalen Kulturguts geworden. «Aromat ist für mich kein Gewürz, sondern eine Kindheitserinnerung», sagt der Basler Jungunternehmer Michael Oehl gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Er ist einer der Initianten der Petition. Auch der Schaffhauser Wirtschaftsförderer Christoph Schärrer will sich dafür einsetzen, dass die Produktion von Aromat weiterhin in Thayngen/SH bleibt. Gegenüber dem Regionaljournal Zürich Schaffhausen sagte er, dass die Behörden bereits mit dem neuen Eigentümer im Gespräch waren. Schärrer schwebt auf dem Gelände der Firma Knorr ein Food-Hub vor, in dem sich verschiedene Lebensmittelfirmen ansiedeln. «Das Engagement für Aromat zeigt, wie sehr Aromat mit der Schweiz und der Bevölkerung verbunden ist», sagt Bernhard Schober, General Manager Unilever Schweiz. Der Unilever Food-Bereich umfasse beliebte lokale Marken, die für viele von besonderer Bedeutung sind. Solche Lieblingsmarken seien ein wichtiger Teil dessen, was den Lebensmittelbereich von Unilever für McCormick so attraktiv mache. Da gerade erst die Vereinbarung zur Zusammenführung bekanntgegeben wurde, sei es zu früh, um zu sagen, was das konkret für einzelne Marken bedeuten könnte.

Auch wenn es viele nur ungern zugeben, die Streuwürze Aromat ist nach wie vor beliebt und in vielen privaten und Restaurantküchen zu finden. (Keystone-SDA)
Aromat wurde vom Schweizer Koch Walter Obrist für Knorr in Thayngen/SH erfunden und hat sich zu einem Schweizer Kulturgut entwickelt. Unilever Schweiz produziert etwa 2000 Tonnen Aromat pro Jahr, von denen die Hälfte in der Schweiz verbleibt, während die andere Hälfte im Ausland, vor allem in europäischen Ländern, vertrieben wird. Bei Frau und Herrn Schweizer ist Aromat sehr beliebt. Bei einer Umfrage in Restaurants und Heimen möchten sich jedoch viele nicht dazu äussern. Man braucht es zwar, aber gibt es nicht gerne zu. Gelegentlich frage jemand von den Bewohnenden im Alters- und Pflegeheim Nauengut in Dürnten/ZH nach Aromat, jedoch sehr selten, wie Gesamtleiterin Annemarie Corrodi sagt. Sie servierten ihnen dann jeweils in einem kleinen Töpfli etwas davon. «In der Küche gibt es Aromat, doch ist dies einfach eine Alternative zu anderen Gewürzen.» Warum diese Gewürzmischung bei Köchinnen und Köchen Unbehagen auslöst, ist schwierig zu sagen. Eine pointierte Meinung dazu hat Marcel Wissmann, Küchenchef und Inhaber der Beratungsfirma Food & Technic GmbH in Wabern/BE: «Wir gelernten Köche sollen uns nicht heiliger machen, als wir sind. Ich schätze, dass 60 bis 70 Prozent der Gastrobetriebe regelmässig Aromat einsetzen.» Sollte seine Rezeptur verändert und es im Ausland hergestellt werden, dürfe es seiner Meinung nach nicht mehr Aromat heissen.
Dass Aromat trotz einer gewissen Abneigung fast niemanden kaltlässt, beweist auch die Aussage von Sonja Gmür, Mitglied im Berufsverband Service/Restauration und Restaurantleiterin im Restaurant Stäubis in Flaach/ZH: «Die Petition das Aromat betreffend wurde mir ebenfalls zugestellt, aber ich habe mich dazu entschieden, diese nicht zu unterschreiben.» Obwohl sie Aromat als Kind liebte, habe dieses Gewürz in der heutigen Zeit in der Gastronomie keine Berechtigung mehr. «Diese Aromen, welche bei vielen beliebt sind, kann eine gelernte Köchin oder ein gelernter Koch mit anderen Zutaten und Gewürzen erreichen. Ich finde, Aromat gehört in keine Restaurantküche.»
(Daniela Oegerli)