«Die Hotelfachschule Thun begleitet mich seit bald 30 Jahren»

Die HFT richtet ihre Weiterbildung neu aus und engagiert Samuel Menti als Leiter Programme Weiterbildung.

Samuel Menti will die Weiterbildung strategisch weiterzuentwickeln und die HF Thun noch stärker als Kompetenzzentrum für Aus- und Weiterbildung in der Branche positionieren. (ZVG)

Samuel Menti, Sie verantworten neu den Ausbau, die strategische Weiterentwicklung und die Qualität der Weiterbildungsprogramme. Hatten Sie einen guten Start in Thun?

Ja, ich bin gut gestartet. Die Hotelfachschule Thun begleitet mich tatsächlich seit bald 30 Jahren – in unterschiedlichen Rollen und Intensitäten. In den letzten drei Jahren war ich bereits in der Co-Leitung des Nachdiplomstudiums engagiert, nun folgt mit der Verantwortung für alle Weiterbildungsprogramme der nächste logische Schritt. Dieses erweiterte Engagement an der HF ergänzt nun mein Portfolio mit Hospitality Cockpit und den Beratungsmandaten optimal.

Was hat Sie an Ihrer neuen Aufgabe gereizt, und was werden Sie in Ihrer neuen Rolle konkret anpacken?

Gereizt hat mich insbesondere die Möglichkeit, die Weiterbildung nicht nur operativ zu führen, sondern strategisch weiterzuentwickeln. Die Branche befindet sich in einem Wandel, und Weiterbildung muss darauf systematisch reagieren. Konkret geht es darum, ein durchgängiges System im Sinne des Lifelong Learning aufzubauen – also Angebote, die unterschiedliche Bedürfnisse und Karrierestufen abdecken, von kompakten, praxisnahen Formaten bis hin zum Nachdiplomstudium.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, die Hotelfachschule Thun als Kompetenzzentrum für Weiterbildung in der Branche klarer zu positionieren. Das betrifft sowohl die inhaltliche Schärfung der Programme als auch die Wahrnehmung nach aussen. Ziel ist, dass die Angebote nicht nur qualitativ überzeugen, sondern auch als relevant und wirksam wahrgenommen werden.

Sie sprechen die Praxisnähe in der Ausbildung an. Wo passiert sie aus Ihrer Sicht wirklich – und wo bleibt sie ein Schlagwort?

Praxisnähe entsteht dort, wo reale Fragestellungen im Zentrum stehen und die Studierenden aktiv Verantwortung übernehmen. Das kann in konkreten Projekten, in Fallstudien mit echten Daten oder im direkten Transfer in den eigenen Betrieb geschehen. Entscheidend ist, dass Inhalte nicht nur verstanden, sondern angewendet und reflektiert werden.

Zum Schlagwort wird Praxisnähe dann, wenn sie zwar kommuniziert, aber nicht konsequent umgesetzt wird – etwa wenn Inhalte theoretisch bleiben oder der Bezug zum eigenen Betrieb fehlt. Letztlich zeigt sich echte Praxisnähe daran, ob das Gelernte zu konkretem Handeln führt und im Betrieb eine messbare Wirkung entfalten kann.

Wo bildet die Branche heute noch an der Realität vorbei?

Dort, wo Komplexität zu stark vereinfacht wird und die tatsächlichen Herausforderungen im Betrieb nicht ausreichend abgebildet sind. In der Realität bewegen sich Führungskräfte im Spannungsfeld von Markt, Mitarbeitenden, Wirtschaftlichkeit und zunehmender Unsicherheit. Diese Wechselwirkungen sind anspruchsvoll und lassen sich nicht isoliert betrachten.

Ausbildung greift zu kurz, wenn sie diese Zusammenhänge zu wenig integriert oder zu stark idealisierte Szenarien vermittelt. Realität bedeutet, unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu übernehmen. Genau diese Fähigkeiten sollten konsequent trainiert werden – nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel der relevanten Faktoren.

(Andrea Decker)