Die teuerste Kartoffel

Für Kartoffelstock zu schade: Bis zu 500 Euro pro Kilo zahlen Kenner für die «La Bonnotte». Diese schmeckt zwar sehr gut, den hohen Preis verdankt sie aber vor allem ihrer Exklusivität.

Kartoffeln sind gemeinhin nicht als besonders teures Gewächs bekannt. Doch es gibt Ausnahmen. Als teuerste Kartoffel der Welt gilt die Sorte La Bonnotte – für sie werden Preise von bis zu 500 Euro pro Kilogramm bezahlt. Die Luxusknollen stammen von der französischen Atlantikinsel Noirmoutier und profitieren dort von einem besonders milden Klima und der salzigen Luft. Ihr besonderer Geschmack stammt vom sandigen Boden, in dem sie wachsen. Dieser wird mit Seetang als Dünger angereichert. Zudem wird der Boden mit Meerwasser befeuchtet, was ihnen ein leicht salziges Aroma verleiht. Die teuersten Kartoffeln der Welt werden traditionell an Mariä Lichtmess, dem 2. Februar, gepflanzt und 90 Tage später, Anfang Mai, in aufwendiger Handarbeit geerntet. Letzteres ist notwendig, da die Sorte sehr empfindlich ist.

Die «La Bonnotte» ist nicht die einzige Kartoffelsorte, die auf der kleinen Insel in Westfrankreich angebaut wird. Sie macht nur 100 Tonnen der insgesamt 10 000 Tonnen Kartoffeln aus, die auf Noirmoutier geerntet werden. Ihr Preis entsteht nicht zuletzt durch Exklusivität – besonders Spitzenköche sind bereit, tief in die Tasche zu greifen, um ihren Gästen diese Spezialität anbieten zu können.

Ohne Story funktioniert es nicht

Entsprechend schwierig ist, die Luxuskartoffel zu ergattern. Beim Zürcher Obst- und Gemüsehändler Marinello ist dann auch nicht die «La Bonnotte» im Angebot, sondern die «Sirtema», welche ebenfalls auf Noirmoutier angebaut wird. Auch diese weist mit 15 Franken pro Kilo einen stolzen Preis auf – ist von der teuersten Kartoffel der Welt aber doch weit entfernt. Hätte er die Chance gehabt, hätte Co-Geschäftsführer Max Marinello gerne ein bis zwei Kilogramm «La Bonnotte» bestellt – um den Hype selbst zu testen und seinen Kunden etwas ganz Besonderes zu bieten. «Noirmoutier-Kartoffeln sind etwas für exklusive Restaurants», so Marinello. «Wer so teure Produkte verkauft, muss eine Geschichte dazu erzählen und das entsprechende Setting bieten – sonst funktioniert es nicht.» Ob der Preis der «La Bonnotte» gerechtfertigt ist? Marinello hat seine Zweifel. «Der aufwendige Anbau und die Handarbeit machen sie natürlich teuer. Geschicktes Marketing spielt aber ebenfalls eine Rolle.»

Geschmacklich überzeugt ihn die «Sirtema»: «Sie hat ein sehr feines Fruchtfleisch, welches einen leicht salzigen Geschmack aufweist.» Aromatischer als die klassischen Schweizer Kartoffeln seien diejenigen aus Noirmoutier auf jeden Fall. Max Marinello rät, die exklusiven Kartoffeln so pur wie möglich zuzubereiten: «Am besten schmecken sie mir als klassische Gschwellti mit ein bisschen Butter und Salz.» Für den hohen Preis wäre es auch definitiv schade, die Kartoffeln zu Pommes weiterzuverarbeiten.

(Angela Hüppi)


Mehr Informationen unter:

ile-noirmoutier.com