«Wein begeistert und ist nicht ersetzbar»

Ein Strukturwandel ist immer auch mit Chancen verbunden. Der Mövenpick-Wein-CEO hat spannende Projekte in Arbeit.

Seit zwei Jahren ist Nikolas von Haugwitz CEO bei Mövenpick Wein. (ZVG)

Nikolas von Haugwitz, seit zwei Wochen ist das Wetter hochsommerlich warm. Welches sind Ihre liebsten Sommerweine?

Im Sommer trinke ich sehr gerne Rosé. Ein Beispiel ist von Château St-Maur aus Cogolin bei St-Tropez (FR). Dieser Wein aus der Provence gefällt zum Aperitif, passt aber auch zu Gemüsegerichten, Fisch, hellem Fleisch und sogar zu Grilladen.

Zu welcher Gelegenheit geniessen Sie ein Glas Wein?

Am liebsten geniesse ich Wein zum Essen. Denn Wein ergänzt jedes Gericht. Wenn ich für Gäste koche, biete ich mehrere Weine an. Wir vergleichen und schauen, welche Geschmackserlebnisse sich ergeben. Wenn ich ausgehe, wähle ich das Restaurant nach dem Weinangebot. Dann suche ich einen Wein aus und erst dann bestelle ich das Essen.

Welche Trends sehen Sie?

Wein ist ein faszinierendes Produkt. Man kann immer wieder Neues entdecken. Zudem passen sich die Vorlieben den Jahreszeiten an. Wie gesagt: Im Sommer ist Rosé aktuell. Im Winter dürfen es kräftige Weine sein. Der Trend geht in Richtung frischer, lebendiger Wein mit weniger Holzfassreife und weniger Alkohol. Entalkoholisierter Wein hat seine Nische gefüllt. 2025 verkauften wir eine gute Menge davon. Für 2026 haben wir das Angebot ausgebaut. Doch der Absatz in dieser Warengruppe ist nicht weiter angewachsen. Persönlich finde ich alkoholfreie Alternativen interessanter. Da gibt es einige spannende Produkte. Ein vielversprechendes eigenes ist in der Testphase.

Der Weinkonsum sinkt. Wie reagiert Mövenpick Wein darauf?

Auch wenn der Konsumrückgang die Talsohle noch nicht erreicht hat, wird immer Wein getrunken werden. Weniger, dafür bewusster und in besserer Qualität – was nicht zwangsläufig auch teurer bedeuten muss. Die aktuelle Situation zwingt uns, innovativ zu bleiben, neue Weingüter noch besser anzuschauen und unsere Dienstleistungen für die Gastronomie auszubauen.

Welchen Stellenwert hat das Kundensegment Gastronomie?

Die Gastronomie ist sehr wichtig für Mövenpick Wein. Wer in einem Restaurant einen guten Wein trinkt, fragt nach dem Händler. So können wir Kunden abholen und in unsere schweizweit 40 Weinläden führen. Dank der Präsenz in allen Landesteilen können wir in kürzester Zeit ausliefern. Da viele Gastronomen aus Kostengründen ihre Weinlager klein halten, ist dies ein Vorteil. Nicht zuletzt wollen die Produzenten mit ihren besten Crus in guten Restaurants vertreten sein.

«Die Gastronomie muss mit Wein und auch mit dem Essen Geld verdienen.»

Wie begeistern Sie junge Kunden für Wein?

Da machen wir eine spannende Beobachtung: Junge Leute sind neugierig und interessieren sich für sogenannte Naturweine. Viele davon haben eine Ähnlichkeit mit Craft Bier. Sie sind eine Brücke, die junge Leute vom Biertrinken zum Weingenuss bewegen.

Spielt künstliche Intelligenz KI eine Rolle im Weinhandel?

Ja, zunehmend. Im Juli lancieren wir ein Programm, das Mövenpick Wein zusammen mit der ETH Zürich entwickelt. Damit können Kunden ihr Weinlager verwalten, eine digitale Weinkarte gestalten sowie Weinbeschriebe wählen und sich Pairings anzeigen lassen. Ein weiteres Angebot ist «Liquid Grape». Damit bieten wir ein Investment in Wein an. Die ausgewählten Weine lagern in einem Zollfreilager. Mittels App kann der Wertzuwachs überwacht werden. Sollten die Flaschen nicht performen, bleibt der Genuss.

Die Weinpreise sind unter Druck. Lohnt es sich, heute noch in Wein zu investieren?

Ja, auf jeden Fall. Die Preise werden wieder ansteigen. Wer zu hohen Preisen eingekaufte Crus im Keller hat, braucht nur ein bisschen Geduld.

Wie sollte eine gute Weinkarte aufgebaut sein?

(lacht) Am liebsten mit möglichst vielen der 3000 Positionen, die Mövenpick Wein anbietet. Eine Weinkarte muss nicht riesig sein. Wichtig ist vielmehr eine gute Kuratierung. Zu jedem Gericht auf der Speisekarte sollten mindestens vier passende Weine in unterschiedlichen Preisklassen angeboten werden.

Die Preisberechnung in der Gastronomie ist ein viel diskutiertes Thema. Was empfehlen Sie?

In der Mövenpick-Gastronomie rechnen wir mit einem Kostendeckungsbeitrag von 30 bis 40 Fraken pro Flasche. Bei sehr exklusiven Crus dürfen es auch 100 Franken sein. Das akzeptieren selbst die weinaffinsten Gäste. Mit dem sinkenden Konsum ist es wichtig, dass Gäste interessante Weine glasweise bestellen können. Das hat der Mövenpick-Gründer Ueli Prager in den 1960er-Jahren eingeführt und ist heute aktueller denn je.

(Gabriel Tinguely)


Zur Person

Nikolas von Haugwitz wurde in Kenia geboren. Seine Ausbildung genoss er in Deutschland. Seit 35 Jahren arbeitet der Vater von vier Söhnen – der älteste ist Sommelier in einem Gourmetrestaurant – in der Weinbranche.

moevenpick-wein.ch