Die digitale Lerndokumention im neuen Berufsbild Köchin/Koch EFZ schafft die Basis für den Erfolg über das Qualifikationsverfahren hinaus.
Nach 14 Jahren wurde 2024 das Berufsbild «Koch 2010» durch ein neues ersetzt. Was ist zentral bei der von den Lernenden zu erstellenden Lerndokumentation? Die HGZ fragte bei Reto Walther, Geschäftsführer des Schweizer Kochverbands, nach.
Reto Walther: Die neue Lerndokumentation orientiert sich viel stärker an der betrieblichen Praxis. Die Lernenden werden durch ihre Berufsbildner mit Praxisaufträgen geleitet. Diese sind in sämtlichen Betriebsarten mit den dort zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzbar. Für die Betriebe ist das also ein Mehrwert, da keine ausserordentlichen Bestellungen und Anschaffungen notwendig sind. Bei der Revision wurde speziell auch darauf geachtet, dass die Durchlässigkeit aller drei Lernorte zwischen EBA und EFZ gewährleistet ist.
Bei «Koch 2024» wird eine klare Ausgangslage mit der Handlungssituation vorgegeben. Das heisst, jeder Betrieb kann nach seinem Angebot die verlangten «Fähigkeiten und Fertigkeiten» aus dem Bildungsplan ausbilden. Eine Aufgabe kann zum Beispiel sein, ein Gericht von der Angebotsplanung bis zum fertigen Ergebnis mit eigenen Rezepten und entsprechender Arbeits- und Zeitplanung zu erstellen. Alle Praxisaufträge zielen darauf ab, dass sich die Lernenden eine Rezeptsammlung anlegen. Rezepte sind das Kapital unseres Berufs, und die Lernenden sollen dies erkennen. So sind auch am Qualifikationsverfahren QV sämtliche erarbeiteten Rezepturen die Basis für die praktische Arbeit. In dieser Form bekommt die Lerndokumentation mit der Rezeptsammlung ein viel grösseres Gewicht.
Die Fähigkeit, situativ zu reagieren und sich rasch neuen Gegebenheiten anzupassen, ist genau das, was einen Koch ausmacht. Ein riesiges Fachwissen ohne Praxisbezug ist heute nicht mehr gefragt. Auch eine mit KI generierte Theorie muss durch Profis in die Praxis umgesetzt werden.
Reto Walther, Geschäftsführer Schweizer Kochverband
Generell verfügen wir landesweit über sehr gute und engagierte Ausbildungsbetriebe und Berufsbildner. Der Start mit der neuen Bildungsverordnung ist allgemein ruhig verlaufen. Selbstverständlich mussten einige Stolpersteine überwunden werden – wie bei jeder Neueinführung. Aus Rückmeldungen von ÜK-Standorten und Schulen stelle ich jedoch fest, dass die neue Lerndokumentation noch nicht in allen Betrieben angekommen ist.
Man kann nicht genug in die Ausund Weiterbildung investieren. Viele regionale Hotel & Gastro Formationen bieten Schulungen und Refresh-Kurse an. Grundsätzlich wären auch Wiederholungskurse sinnvoll. Und ich würde mir Sanktionen wünschen für diejenigen, die es nicht für nötig halten, sich auf dem Laufenden zu halten.
(Jörg Ruppelt)