Manche Teesorten sind wegen ihrer speziellen Kultivierung und der Pflege der Pflanzen sehr aufwendig herzustellen. Teeliebhaber bezahlen dafür vierstellige Summen – pro 100 Gramm.

Tee gehört in vielen Ländern zum Kulturgut. Beispiele dafür sind China, Japan, Indien oder Sri Lanka. Sehr teure Tees stammen unter anderem aus Japan und China. «Einer der teuersten Tees aus unserem Sortiment ist der Gyokuro. Er gilt als die edelste japanische Teesorte», erklärt Toby Hurschler von Länggass-Tee in Bern. Der Name bedeutet «Jadetropfen». Dafür werden Blätter von beschatteten Teebüschen verwendet. Durch die Beschattung verlangsamt sich das Wachstum und die Teeblätter erhalten feinere Aromen und Geschmacksstoffe, was den Tee vielschichtig, gehaltvoll und aromatisch macht. Normalerweise werden für die Beschattung Schilf- oder Plastikblachen verwendet. Der Dento Hon Gyokuro wird mit einem Strohdach beschattet, was den Tee besonders sanft und komplex macht.
Es werden nur die zartesten und weichsten Blätter für den Gyokuro verwendet. So bilden sich weniger Bitter- und Gerbstoffe, was dem Tee einen süsslichen Geschmack und einen hohen Koffeingehalt verleiht. In Japan gibt es Wettbewerbe für Gyokuro-Tees. «Wir führen auch solche Tees in unserem Sortiment», erklärt der Teeexperte. Tees, die an solchen Wettbewerben eine Goldmedaille gewonnen haben, sind sehr teuer und kosten rund 1000 Franken pro 100 Gramm. «Der Goldmedaillen-Gyokuro aus dem Jahr 2025, den wir bald im Sortiment führen werden, kostet sogar 1600 pro 100 Gramm», ergänzt Toby Hurschler. Verarbeitet werden die Teeblätter wie bei anderen Grüntees. Man pflückt die Blätter von Hand und zieht sie danach durch einen Dampfwirbel. Der Dampf erhitzt die Teeblätter, dadurch behalten sie ihre grüne Farbe. «Der Gyokuro ist so etwas wie der Grand Cru unter den japanischen Grünteesorten.» Diese Teepflanzen gedeihen in guten Lagen. Für die hohe Qualität spielt zudem das Wetter eine entscheidende Rolle. Das sensorische Profil dieser Tees muss perfekt ausbalanciert sein, damit sie eine gute Auszeichnung erhalten.
Der chinesische Pu Erh Sheng Cha aus berühmten Lagen kann ebenfalls sehr teuer sein. Aktuell kostet der teuerste bei Länggass-Tee 1800 Franken pro 100 Gramm. Dieser stammt aus Mansong, einem sehr kleinen und extrem gefragten Gebiet im südwestlichen Yunnan. Beim Pu-Erh-Tee werden die frischen Blätter nicht im Dampf, sondern im Wok erhitzt. Teilweise presst man die Blätter, der Mansong-Tee wird jedoch in losen Blättern verkauft. «Mansong-Tee ist in der Welt des Pu Erh mit nichts zu verglei-chen. Er ist leicht würzig, hellblumig, weich und kristallklar», schwärmt Toby Hurschler. Da früher aus Rivalität viele Teebäume vernichtet wurden, gibt es nur noch wenige davon. Sie sind teilweise mehrere hundert Jahre alt und befinden sich zwischen anderen Bäumen in einem Wald. Bei Auktionen kann Tee noch höhere Preise erreichen als die genannten.
(Daniela Oegerli)