Köchinnen ins Rampenlicht

Die Gastkolumne von Silvana Lindt, Geschäftsleiterin von Cuisine sans frontières.

Ich bin nicht besonders sportlich, aber auf dem Fahrrad bin ich schnell. Man-chmal kommt’s vor, dass mir auf dem Arbeitsweg einer mit seinem nigelnagelneuen Gravel Bike vor der Nase rumschleicht. Ich überlege mir dann zweimal, ob ich überholen soll. Und wenn ich’s tue, mache ich mich auf ein Strassenrennen durch die engen Gassen von Zürich gefasst. Denn überhol mal als Frau einen Mann auf dem Velo. Ob auf dem Velo oder in der Küche: Oft habe ich den Eindruck, dass viele Männer Wettbewerb eher als Einladung verstehen, während viele Frauen sich zuerst fragen, ob sie den Erwartungen überhaupt gerecht werden. Tappe ich hier gerade in eine Gender-Klischee-Falle? Genau daran denke ich, wenn wir neue Teams für unsere Kitchen-Battle-Tour suchen. Anderes Setting, aber: Es geht wie beim Strassenrennen um die Wurst. Beim Kitchen Battle kochen zwei Restaurants um den Sieg. Drei Gänge, ein Amuse-Bouche und alles unter Zeitdruck vor Publikum mit einem zuvor unbekannten Warenkorb. Es gibt weder Preise noch Gagen, höchstens etwas fürs Karma-Konto. Der Kitchen Battle lebt vom guten Zweck und von der Freude am Sich-Messen vor Publikum. Konstant schwierig bleibt die Suche nach Köchinnen für den Kampf am Kochtopf. Für 300 geflüchtete Menschen im Asylzentrum kochen? Ohne lauten Applaus? Sofort. Aber am Kitchen Battle antreten, unter Zeitdruck und vor Publikum? Da werden die Zusagen plötzlich rar. Wo seid Ihr? Ihr coolen Köchinnen, die gerne um die Wette schnetzeln, brutzeln und zum nächsten Gang sprinten? Wetzt eure Messer und kommt zu uns ins Rampenlicht auf die Bühne – denn dorthin gehört ihr.