Fast 100 Franken für nicht mal ein Kilogramm Reis: die Kinmemai-Premium-Mischung gilt als teuerster Reis der Welt. Sie kommt allerdings eher als Geschenk als in Spitzenküchen zum Einsatz.

Klein, blass, unscheinbar – so ein Reiskorn würde man nicht auf den ersten Blick als Luxusprodukt einstufen. Aber es gibt durchaus Reissorten, für die man tief in die Tasche greifen muss. Als aktuell teuerster Reis der Welt gilt der Kinmemai Premium. Eine Schachtel à 840 Gramm kostet aktuell fast 100 Franken. Verkauft wird der Reis vom japanischen Unternehmen Toyo Rice Corporation. Ihr Präsident Keiji Saika betont, dass der Reis weniger ein Geschäftsmodell als eine Hommage an die Kultur des Reises sei. Gegenüber «CNN Travel» sagte er 2025: «Wenn man die Kosten berechnet, machen wir wahrscheinlich Verluste. Obwohl wir den Reis zu einem hohen Preis verkaufen, ist er nicht rentabel.»
Doch was macht den Kinmemai Premium so teuer? Für die limitierte Mischung werden jedes Jahr vier bis sechs preisgekrönte Reissorten ausgewählt und vom japanischen Verband der Reisgeschmacksexperten geprüft. Es folgt ein Reifeprozess von einem halben Jahr, um den Geschmack zu intensivieren. Verwendet werden nur Körner mit besonders hoher Keimfähigkeit, die in einem aufwendigen Verfahren geschält werden, um Nährstoffe und Geschmack zu bewahren. Das Ergebnis gilt als Prestigeprodukt, welches jeweils schnell ausverkauft ist und vor allem als Geschenk zum Einsatz kommt.
Entsprechend selten kommt der Reis in Restaurantküchen zum Einsatz. So verwendet beispielsweise Tsutomu Kugota, Chefkoch und Sushi-Meister im Restaurant Megu in Gstaad/BE, Akitakomachi-Reis. Dabei handelt es sich um einen Premium-Rundkornreis mit mildem, fein-süsslichem Umami-Geschmack. «Kinmemai-Reis müssten wir teuer aus Japan importieren – wir ziehen es vor, köstlichen Reis von Händlern in der Schweiz zu beziehen.»
Im «The Japanese» in Andermatt/ UR arbeiten die Executive Chefs Dominik Sato und Fabio Toffolon mit Koshihikari-Reis. Dieser ist auch Teil der Kinmemai-Premium-Mischung, kostet separat 16 Franken pro Kilogramm und begeistert die beiden Spitzenköche. «Koshihikari ist nicht einfach nur Reis, er ist die Seele unserer Gerichte und besitzt die perfekte Balance aus Stärke und Feuchtigkeit», sagt Dominik Sato. Die Textur des Reises sei einzigartig: «Das Korn behält einen klaren Biss, ist cremig und klebt so perfekt, dass das Sushi im Mund quasi schmilzt.» Geschmacklich bringe der Reis eine feine, natürliche Süsse und ein tiefes Umami mit. «Und das Geniale ist, dass er diese Qualitäten auch nach dem Abkühlen beibehält.» Auch sein Zwillingsbruder Fabio Toffolon kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: «Als wir sahen, wie dieser Reis unsere Saucen und Säure aufnimmt, ohne matschig zu werden, stand fest: Das ist das einzige Fundament, das unserem Anspruch gerecht wird.»
(Angela Hüppi)