Speisefette und -öle in der Küche: mal geliebt, mal verhasst und dennoch unverzichtbar

Fettstoffe sind nicht einfach gut oder böse. Sie erfüllen wichtige Funktionen. Deshalb kommt es auf die Art und die Anwendung an.

Fettstoffe, Lipide in der Sprache der Biochemie, ist der Überbegriff für Fette und Öle. Fette sind bei Raumtemperatur fest. Öle sind flüssig, weil sie einen höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren und entsprechend weniger gesättigte Fettsäuren enthalten. Dadurch liegt ihr Schmelzpunkt unter der Raumtemperatur. (Adobe-Stock)

Wenn ein Gericht gut schmecken soll, braucht es reichlich Butter. Wenn es dann immer noch nicht schmeckt, gebe man noch mehr Butter dazu. Diese Antwort eines Lernenden sorgte im Rahmen einer Gusto-Preisverleihung für Lacher.  

Zum Pop-up The Golden Cabin schrieb das Cateringunternehmen Roh & Nobel: «Aufgrund der geplanten Flugstrecke ist ein ausreichender Butterkonsum zwingend erforderlich. Bitte achten Sie auf Ihren Butterkonsum, um möglichst entspannt am Ziel anzukommen.» Neben aufgeschlagener Trüffelbutter zu Sauerteigbrot wurden zu einigen Gerichten feinste Buttersaucen serviert.

Da stellt sich die Frage: Gibt es eine empfohlene Menge an Fettstoffen, die man täglich zu sich nehmen sollte? «Für gesunde Erwachsene gilt als Anhaltspunkt ein Gramm pro Kilo Körpergewicht», sagt die Ernährungsberaterin Beatrice Conrad von der Ernährungsberatung Oberaargau. «Wichtig ist dabei die Aufnahme von hochwertigen Fettsäuren wie sie in Raps- und Olivenöl sowie in Nüssen und Kernen zu finden sind.» Ganz ohne Fettstoffe geht es nicht. Denn sie sind notwendig für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K), weil diese Vitamine nur zusammen mit Nahrungsfetten im Darm richtig resorbiert werden können. Weitere Empfehlungen gibt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung.

Was ist gesünder: Fett oder Öl?

Fettstoffe sind mit neun Kilokalorien (kcal) pro Gramm sehr kalorienreich. Bei der modernen westlichen Lebensweise ist es deshalb angebracht, Mass zu halten. Hochwertige pflanzliche Öle wie Raps-, Oliven- oder Leinöl enthalten viele einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel und das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen können. Butter, Speck und Schmalz hingegen enthalten vor allem gesättigte Fettsäuren. Diese erhöhen in der Regel den LDL-Cholesterinspiegel, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. Die Wirkung variiert je nach Genetik, Gesamternährung, Body Mass Index BMI und Art der Fettsäure.

«Die Hälfte der mit Herzinfarkt hospitalisierten Patienten weist einen Normwert für Cholesterin gemäss Leitlinien auf. Auch lassen sich in der Hälfte der Infarktfälle gar keine Plaques in den Herzkranzarterien finden», zitiert Silvan Peter Brun, Gründer des EVOO Kompetenzzentrums für Olivenöl eine Studie.

Gefahren gehen von Transfetten aus – ein Begriff, der immer wieder auftaucht. Sie wirken sich sehr negativ auf die Gesundheit aus, indem sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Arteriosklerose durch ungünstige Blutfettwerte (erhöhtes LDL, gesenktes HDL) drastisch steigern. Sie fördern Entzündungen, können Diabetes mellitus Typ 2 begünstigen.

Epidemiologische Darstellungen der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit im 20. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von Amerika zeigen eine bemerkenswerte Parallelität: Die Phase des stark steigenden Konsums industriell hergestellter Pflanzenöle fällt zeitlich mit dem Anstieg kardiovaskulärer Erkrankungen in der Mitte des Jahrhunderts zusammen. «Eine solche Beobachtung erlaubt selbstverständlich keine einfache kausale Interpretation», erklärt Silvan Peter Brun. «Sie zeigt jedoch, dass die historische Entwicklung der Fettquellen in der Ernährung deutlich komplexer ist als es die lange verbreitete Gegenüberstellung tierische Fette schlecht – pflanzliche Öle gutvermuten lässt.»

Glücklicherweise ist die kardiovaskuläre Mortalität seit den 1960ern um 60 % gesunken, was mit der besseren medizinischen Versorgung zu tun hat, wohl aber nicht mit «Cholesterinsenkern». 

Dass tierische Fette wie Rindertalg oder Schweineschmalz «vor allem gesättigte Fettsäuren enthalten», ist nicht ganz korrekt. Schweineschmalz kann über 60 Prozent ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure und etwas Linolsäure) enthalten. Auch Rindertalg enthält oft zur Hälfte ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure, wenig Linolsäure und wenig alpha-Linolensäure). Selbst Butter kann zu über 40 Prozent ungesättigte Fettsäuren enthalten.

Ausnahmen

Kokosfett ist pflanzlich und dennoch fest. Gerade weil es einen sehr hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren hat.

Margarine ist emulgiertes Pflanzenöl. Bei teilweiser industrieller Härtung können Transfettsäuren entstehen. Moderne Margarinen sind meist transfreie Alternativen.

Weshalb braucht es Margarine? Diese ist meist günstiger als Butter. Margarine ohne Butteranteil ist rein pflanzlich und eignet sich für die vegane Ernährung. Und sie lässt sich einfacher streichen.

Margarine enthält kein Cholesterin und mehr ungesättigte Fettsäuren als Butter. Heute werden die klassischen Supermarktmargarinen meist aus fraktionierten Fettstoffen hergestellt. Je nach Margarine können Zusatzstoffe wie Vitamine oder Fettsäuren dazu gegeben werden.

Anders ist es in Bäckereifetten, hier kommen nach wie vor und oft teilgehärtete und ganzgehärtete Fette zum Einsatz. Weil diese Transfettsäuren enthalten, warnt die Ernährungsberaterin. «Wir sollten keine gehärteten Fetten konsumieren», sagt Beatrice Conrad.

Das als Lebertran bekannte Fischöl ist flüssig und reich an Omega-3-Fettsäuren sowie den Vitaminen A, D und E. Lebertran ist ein traditionelles Stärkungsmittel und wird in der Küche kaum verwendet. Zum Einsatz kommt es als Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Vitamin-A- und -D-Mangel (Rachitisprophylaxe) sowie zur Stärkung des Immunsystems.

Unterschiedliche Arten der Ölgewinnung?

Für kaltgepresste Öle gilt eine Temperaturobergrenze von 50 Grad Celsius. «Für natives Olivenöl extra gilt eine Temperaturobergrenze von 27 Grad Celsius. Sowohl für gepresste als auch durch mechanische Extraktion gewonnene Öle (SR 817.022.17)», erklärt Silvan Peter Brun. «Kaltgepresst und kaltextrahiert ist also nicht dasselbe.»

Für Öle aus Ölsaaten gilt für die Kaltpressung eine Temperaturobergrenze von 50 Grad Celsius. 

Sowohl 27 als auch 50 Grad Celsius haben nicht viel mit «kalt» zu tun. Dennoch: Im industriellen Raffinationsprozess entstehen Temperaturen von bis zu 250 Grad Celsius. «Da mutet es ironisch an, wenn das fertig verpackte Öl gemäss Etikett vor Licht und Wärme geschützt gelagert werden soll», ergänzt Silvan Peter Brun.

Warm gepresst wird zwischen Temperaturen von 80 bis 120 Grad Celsius. Das Warmpressen ergibt meist einen höheren Ertrag.

Der Prozess der Raffination erfolgt in zwei Stufen

Extraktions-/Auslöseverfahren:

  • Im Anschluss an das Pressen wird aus dem Ölpresskuchen das restliche Öl bei Temperaturen von 80 Grad Celsius und mit einem Fettlösungsmittel (Hexan oder Leichtbenzin) extrahiert.

  • Anschliessend wird diese Mischung aus Öl und Lösungsmittel erhitzt. Während des Erhitzungsprozesses verdampft das Lösungsmittel, und übrig bleibt das rohe Öl.

  • Die Saatenrückstände, die zurückbleiben, enthalten einen hohen Proteingehalt und dienen daher als Rohstoff für Tierfutter.

Raffination

  • Bei diesem Arbeitsschritt werden aus dem Fettstoff Pflanzenreste, Trüb- und Schleimstoffe entfernt.

  • Diese Prozesse werden auch Entschleimen, Entsäuern und Bleichen genannt.

  • Beim anschliessenden Dämpfen werden wasserlösliche Giftstoffe und unerwünschte Geschmacks- und Geruchsstoffe entfernt.

Geschmacksträger und andere Effekte

Zusammen mit Zucker und Alkohol sind Fettstoffe Geschmacksträger und sie wirken auch als Geschmacksverstärker. Wo Fettstoffe fehlen, braucht es mehr und intensivere Gewürze. «Salz wird in Kombination mit Fett salziger», sagt Marco Mehr, Senior Learning & Hospitality Experte bei Wigl (https://www.wigl.ch). «Das ist insbesondere mit frischem nativem Olivenöl extra besonders auffällig. Wohl deshalb, weil die sekundären Pflanzenstoffe die Rezeptoren an Zunge und Gaumen reizen.»

Zudem haben Fettstoffe haptische und physikalische Eigenschaften:

  • Geschmacksträger: Viele Speisen schmecken erst ausgewogen, wenn sie eine bestimmte Menge Fett enthalten, wie Farcen, Saucen, Teige und Massen.

  • Übertragungsmittel: Vergrösserung des Kontakts und der Wärmeübertragung zwischen Kochgeschirr und Lebensmitteln.

  • Erst bei Temperaturen ab ca. 140 bis 160 Grad Celsius entstehen viele Röst- und Aromastoffe.

  • Trennmittel: Fette verhindern ein Ansetzen der Speisen in Kochgeschirr und Backformen und trennen Stoffe voneinander wie beispielsweise die Teigschichten im Blätterteig.

  • Konsistenz-Verbesserer: Speisen mit ausreichendem Fettgehalt sind streichfähig (Leberwurst), saftig (Würste, Terrinen, Pasteten), sämig (Saucen, Suppen).

  • Feuchthaltemittel: Backwaren trocknen weniger rasch aus.

  • Konservierend: Sie schirmen Lebensmittel vor Luftsauerstoff und damit vor Austrocknung, Quellung, Oxidation, Enzymreaktionen oder Mikroorganismen wie Schimmelpilze, Hefepilze oder Fäulnisbakterien ab.

Was hat es mit Transfetten auf sich?

Öle und Fette bestehen aus verschiedenen gesättigten und/oder ungesättigten Fettsäuren. Als gesättigt werden diejenigen Fettsäuren bezeichnet, in denen alle theoretisch möglichen Bindungsstellen für Wasserstoffatome gesättigt sind. 

Als ungesättigte Fettsäuren werden Fettsäuren bezeichnet, in denen mindestens eine Kohlenstoff-zu-Kohlenstoff-Bindung nicht mit Wasserstoff gesättigt ist.

Transfette entstehen hauptsächlich bei der industriellen Fetthärtung und beim Erhitzen von Ölen. Sie können sich bereits bei niedrigeren Temperaturen bilden. Hohe Temperaturen katalysieren die Isomerisierung von der cis- zur trans-Konfiguration. Das findet vorwiegend bei mehrfach ungesättigten Fettsäuren statt, kann aber auch bei einfach ungesättigten Fettsäuren vorkommen. Deshalb sind Samenöle mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren besonders ungeeignet für Bratanwendungen, bei welchen ungleich höhere Temperaturen entstehen können als beim klassischen Frittieren.

Anwendung verschiedener Fettstoffe:

Für kalte Gerichte wie zum Beispiel in Salatsaucen empfehlen sich hochwertige Öle wie Lein-, Raps- oder Olivenöl.

Bei der heissen Anwendung muss zwischen dem Braten und dem Frittieren unterschieden werden. Grundsätzliche erfordert die hitzestabile Fettstoffe wie raffiniertes Rapsöl oder Butterschmalz. «Es gibt nicht nur raffinierte Fettstoffe. Ideal sind auch die High-Oleic-Öle, welche auf natürliche Züchtung der Rohstoffe basieren und die hohe Temperaturen vertragen», sagt Marco Mehr. Silvan Peter Brun ergänzt: «Raffiniertes Rapsöl eignet sich nicht für die Anwendung unter Hitze, da es praktisch frei von antioxidativ wirkenden Begleitstoffen ist und zu einem wesentlichen Anteil aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Linol- und alpha-Linolensäure) besteht. Letztere degradieren unter Hitze zu teils hochtoxischen Aldehyden (HHE und HNE).»

Butterschmalz eignet sich für das einmalige Ausbacken von Schnitzel und Cordon bleu, jedoch nicht zum kontinuierlichen Frittieren, da er relevante Mengen an mittelkettiger gesättigter Myristinsäure enthält, die beim Frittieren unter Einfluss von Wasser rasch hydrolysiert und aufschäumt.

«Natives Olivenöl extra enthält je nach Sorte (Terroir, Klima, Erntezeitpunkt) zwischen 55 und 85 Prozent einfach ungesättigte Ölsäure», sagt Silvan Peter Brun. «Dazu kommt, dass sich natives Olivenöl extra dank antioxidativ wirkender sekundärer Pflanzenstoffe und je nach Fettsäureprofil – es gibt 1500 verschiedene Olivensorten – sehr gut für die Anwendung unter Hitze eignet, sogar besser noch als Schweineschmalz.» Er hat dazu das Dossier «Frittieren mit Olivenöl» verfasst.

High Oleic / HOLL

Das High-Oleic Sonnenblumenöl wird aus Sonnenblumenkernen gewonnen, welche speziell gezüchtet wurden. Im Gegensatz zum normalen Sonnenblumenöl hat es einen hohen Anteil an Ölsäure. Die Ölsäure ist eine einfach ungesättigte Fettsäure, die als gesundheitsfördernd angesehen wird, da sie die sogenannten «guten» HDL-Cholesterinwerte im Blut erhöhen kann und als herzgesund gilt.

Unter dem Namen HOLL-Rapsöl wird das Öl einer speziell gezüchteten Rapssorte vermarktet. HOLL steht für «High Oleic – Low Linolenic», was bedeutet, dass es einen hohen Gehalt an Ölsäure aufweist und gleichzeitig einen niedrigen Anteil an Linolensäure hat.

Diese Öle haben den Vorteil, dass sie sich besonders gut für das Braten und Frittieren eignen, da sie einen höheren Rauchpunkt haben und weniger zur Bildung von Transfetten neigen als andere Ölsorten. Ausserdem eignen sie sich gut zur Herstellung von Shortings, da sie die gewünschten Eigenschaften für diese halbfesten Fettmischungen bieten. 

Wo liegt der Rauchpunkt?

Der Rauchpunkt ist die Temperatur, bei welcher ein Öl oder Fett zu rauchen und zu zerfallen beginnt. Dieser Punkt variiert je nach der Art des verwendeten Öls oder Fetts. Wenn ein Öl oder Fett über seinen Rauchpunkt erhitzt wird, kann es dazu führen, dass es sich zersetzt, unangenehme Gerüche und Dampfentwicklung erzeugt und schädliche Verbindungen freisetzt. Je mehr gesättigte Fettsäuren ein Fettstoff aufweist, desto höher liegt sein Rauchpunkt. Bei Butter liegt dieser bei 150 Grad Celsius, bei Olivenöl bei 190 Grad Celsius und bei Erdnussöl knapp unter 250 Grad Celsius.

Doch der Rauchpunkt ist kein verlässlicher Indikator für die thermische Stabilität eines Speiseöls. Oxidative Abbauprozesse beginnen bei raffinierten Samen- beziehungsweise Frittierölen in der Regel deutlich unterhalb jener Temperatur, bei der ein Öl sichtbar zu rauchen beginnt. Entscheidend für die Bewertung eines Öls, das zum Frittieren eingesetzt wird, sind daher andere Parameter, etwa die Bildung messbarer Abbauprodukte oder – in der Praxis – die Bestimmung polarer Anteile sowie die sensorische Analyse. (Evaluation of Chemical and Physical Changes in Different Commercial Oils during Heating, de Alzaa et al., 2018)

Wann verdirbt Öl?

Öl wird mit der Lagerung nicht besser. Im Gegenteil. Öl, das zu lange lagert oder mit Sauerstoff in Verbindung kommt, oxidiert und schmeckt ranzig.d

Fette und Öle werden beim Braten oder Frittieren vielfach zu hoch erhitzt. Bereits zwischen 140 und 160 Grad Celsius entstehen die begehrten Röstaromen. Überhitzen Fettstoffe und kommen zum Rauchpunkt, gelten sie als verdorben und dürfen nicht mehr verwendet werden. Diese Zersetzung der Fettstoffe ist gesundheitsschädigend.

Dabei können schädliche Stoffe entstehen, welche Krebs verursachen können.

Welche Brat- und Frittiertemperaturen werden heute empfohlen?

Frittieren: 130 °C bis 175 °C
Braten: 140 °C bis 220 °C
Sautieren: 130 °C bis 190 °C

Bei normalen Brat- und Frittiertemperaturen entstehen nur sehr geringe Mengen an Transfettsäuren.

(Gabriel Tinguely)


Buchtipp

Diese Lektüre lädt dazu ein, verbreitete Annahmen über das Frittieren im Allgemeinen und über die Eigenschaften verschiedener Speiseöle und deren Eignung zum Frittieren im Besonderen anhand von Fakten zu betrachten.

Silvan Peter Brun
Frittieren mit Olivenöl
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ISBN 978-3-033-12001-3
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