Bocuse d’Or Europe: Dänemark siegt, die Schweiz auf Rang 15

Dänemark gewinnt die Ausgabe 2026 des Bocuse d’Or Europe vor Norwegen und Italien. Die Solothurnerin Karina Fruman erreicht den 15. Rang. Lausanne kriegt den Zuschlag für die Austragung der nächsten Ausgabe.

(Nicolas Reynaud)

Unter der Sonne von Marseille (FR), unweit des Stade Vélodrome, trafen sich am 15. und 16. März die Köche und Commis aus zwanzig Ländern zum Bocuse d’Or Europe. Nach einem Wettbewerb auf höchstem Niveau setzte sich Dänemark durch. Das Podium komplettierten Norwegen und Italien. Der Preis für den besten Commis ging ebenfalls an Dänemark, der Preis für das beste mediterrane Thema an Finnland und der Preis für das beste Fischgericht an Schweden.

Eine ausgezeichnete Leistung

Die Schweizer Finalistin Karina Fruman, begleitet von ihrem Commis Niklas Erb und zudem eine der beiden einzigen Frauen im Wettbewerb, belegte den 15. Rang. Dieses Resultat reicht leider nicht für die Teilnahme am Finale in Lyon. Nach Einschätzung der Schweizer Bocuse-d’Or-Akademie und ihres Umfelds zeigte sie jedoch eine hervorragende Leistung.

Die Solothurnerin Karina Fruman zeigte beim Bocuse d’Or Europe in Marseille eine starke Leistung.

Bereits am Donnerstag vor dem Wettbewerb war sie in Marseille angereist und hatte ihr Quartier in Cassis eingerichtet, nur wenige Kilometer vom Parc Chanot entfernt, wo der Bocuse d’Or Europe im Rahmen der Fachmesse Sirha Méditerranée stattfand.

In ihrer Wettbewerbsbox wirkte sie souverän und auf jedes Detail bedacht. Selbst als ihr Siphon während der «On Stage»-Prüfung den Dienst versagte, blieb sie ruhig. Bei dieser Aufgabe musste vor einem eigenen Jurygremium und vor laufenden Kameras eine Aioli-ähnliche Emulsion zubereitet werden, die eine Zutat als Hommage an das Herkunftsland der Kandidatinnen und Kandidaten integrierte. Die Solothurnerin kann zudem für sich beanspruchen, die erste Frau zu sein, die die Schweiz auf dieser Wettbewerbsstufe vertreten hat.

Teammanager Beat Weibel zeigt sich zufrieden: «Sie hat die Gerichte, die sie sich ausgedacht und insgesamt zehnmal vollständig geübt hatte, innerhalb der vorgegebenen Zeit serviert – und das mit einem Lächeln und einer bemerkenswerten Einstellung. Die Bilanz dieser Reise ist positiv.»

Ein Wettbewerb auf höchstem Niveau

Auch bei der Schweizer Bocuse-d’Or-Akademie ist man zufrieden. Präsident Franck Giovannini würdigt die Qualität der Arbeit von Karina Fruman und ihre Fähigkeit, ihre Kreationen fristgerecht fertigzustellen. Gleichzeitig bedauert er, dass sie während des Wettbewerbs mit einer widerspenstigen Siphon-Kartusche kämpfen musste.

«Die Schwierigkeit bei solchen Wettbewerben besteht auch darin, dass die Arbeit von einer Vielzahl von Jurys beurteilt wird», erklärt der Patron des Restaurants de l’Hôtel de Ville in Crissier/VD. «Bewertet werden Geschmack, Technik, visuelle Qualität und die Architektur der Gerichte – und in diesem Jahr zusätzlich die rhetorische Gewandtheit und die manuelle Geschicklichkeit während der Sonderprüfung.»

Für Lucien Mosimann, eine prägende Persönlichkeit der Schweizer Bocuse-d’Or-Akademie und langjähriger Koordinator, zeigt die Leistung von Karina Fruman vor allem, wie hoch das Niveau des Wettbewerbs inzwischen ist. «Man sieht, dass das Niveau nochmals gestiegen ist», stellt er fest. Zugleich betont er, dass Länder, die früher als Aussenseiter galten, heute mit den traditionell dominierenden Nationen konkurrieren. Seiner Ansicht nach hat die Schweizer Kandidatin das umgesetzt, was sie sich vorgenommen hatte, «innerhalb der vorgegebenen Zeit und so, wie sie es wollte». Die europäische Teilnahme der Solothurnerin werde nun innerhalb der Akademie umfassend analysiert.

Rendezvous in Lausanne

Während der Preisverleihung gaben die Organisatoren ausserdem bekannt, dass Lausanne den Bocuse d’Or Europe 2028 ausrichten wird. Eine grosse Delegation aus dem Kanton Waadt und aus der ganzen Schweiz war vor Ort, um diesen Entscheid zu feiern.

Für Franck Giovannini ist dies zugleich Ehre und Verantwortung. «Einen Wettbewerb dieses Kalibers in Lausanne auszurichten, ist ein aussergewöhnliches Ereignis. Wir werden die Gelegenheit haben, die Region – und insbesondere ihre Produkte sowie ihre Hotellerie und Gastronomie – ins Rampenlicht zu stellen. Dass die lokalen Akteure uns dabei unterstützen, ist eine grosse Genugtuung», sagt der bislang einzige Schweizer, der beim Bocuse d’Or auf dem Podium stand.

Die Austragung der Ausgabe 2028 des Bocuse d’Or Europe wurde der waadtländischen Hauptstadt Lausanne anvertraut.

Für Lucien Mosimann bedeutet die Austragung des Bocuse d’Or Europe in Lausanne «einen fantastischen Scheinwerfer» für die Schweizer Gastronomie. «Es ist das Ergebnis eines zweijährigen Prozesses, der in Trondheim in Norwegen begann. Damals konnten die Teams von GL Events die Infrastruktur von Beaulieu Lausanne besichtigen, wo der Wettbewerb stattfinden wird», erklärt er.

Dass rund zwanzig Länder am Wettbewerb teilnehmen werden – dazu kommen die Delegationen des Coupe du Monde de la Pâtisserie – verspreche eine aussergewöhnliche internationale Sichtbarkeit für das Schweizer Können. Mosimann hofft vor allem, dass der Anlass junge Menschen inspirieren und das Interesse an gastronomischen Berufen stärken wird. «Wenn wir damit auch nur einige wenige Berufungen wecken können, wäre das bereits ein grosser Erfolg.»

Der Kanton Waadt in der ersten Reihe

Auch die Vertreter des Kantons Waadt, die in Marseille anwesend waren – darunter Gilles Meystre, Präsident von Gastrovaud und Vizepräsident von Gastrosuisse – zeigten sich begeistert. Für Christophe Leyvraz, Direktor von Vaud Promotion, ist die Entscheidung die Anerkennung einer langjährigen Arbeit vieler Akteure aus dem Kanton und aus der ganzen Schweiz.

Die Lausanner Bewerbung konnte sich insbesondere auf die Infrastruktur von Beaulieu Lausanne, eine grosse Beherbergungskapazität sowie ein Netzwerk von Fachkompetenzen stützen, das bereits seit Monaten am Projekt arbeitet. Hinzu kommen die intensiven Vorbereitungen der Schweizer Bocuse-d’Or-Akademie. «Wir verfügen über die passenden Veranstaltungsorte, die Teams und das nötige Know-how», fasst der Direktor von Vaud Promotion zusammen, der bei der Bekanntgabe des Entscheids gemeinsam mit Jérôme Bocuse auf der Bühne stand.

(Patrick Claudet)


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