Allen Hürden zum Trotz: Mohammad schliesst seine Lehre erfolgreich ab

Eine Flucht vor dem Krieg, fehlende Schulbildung, kein Wort Deutsch und dennoch ein erfolgreicher Lehrabschluss. Die Geschichte von Noor Mohammad Nek Mohammad zeigt, was möglich wird, wenn aussergewöhnliche Eigenmotivation auf Menschen trifft, die an einen glauben.

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Seine ersten Gerichte kochte Mohammad nach Videoanleitungen.

Sein Berufsweg begann bei null. Sein Lehrabschluss ist deshalb weit mehr als ein Diplom – er ist das Ergebnis von acht Jahren Beharrlichkeit, Mut und aussergewöhnlichem Durchhaltevermögen. Als Noor Mohammad Nek Mohammad vor acht Jahren allein aus Afghanistan in die Schweiz flüchtete, stand er vor einem Neuanfang. Als Analphabet ohne Schulbildung lernte er erstmals überhaupt lesen und schreiben und dies in der Fremdsprache Deutsch. Was für viele selbstverständlich ist, musste Mohammad, sich von Grund auf erarbeiten: das Alphabet, das Lesen und Schreiben, aber auch das Leben in einer völlig anderen Gesellschaft. Heute hält Mohammad seinen Lehrabschluss als Küchenangestellter EBA in den Händen. Der Weg dorthin war kein leichter. 

Lernen von Grund auf 

Nach seiner Ankunft in der Schweiz lebte Mohammad zunächst in Asylunterkünften und begann, sich die deutsche Sprache selbst anzueignen. Weil er lange keinen offiziellen Deutschkurs besuchen konnte, nutzte er jede Gelegenheit, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Er besuchte freiwillige Sprachangebote und suchte aktiv den Kontakt zur Schweizer Bevölkerung. Sein Ziel war klar: Bildung nachholen, einen Beruf erlernen und ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. 

Seine Leidenschaft fürs Kochen entstand zunächst aus der Notwendigkeit heraus. Weil er für sich selbst kochen musste, begann er mithilfe von Videos und Anleitungen einfache Gerichte zuzubereiten. Mit der Zeit wuchs daraus eine echte Begeisterung. Freunde lobten seine Kochkünste und Menschen aus seinem Umfeld ermutigten ihn, diesen Weg weiterzuverfolgen. 

Eine Lehre gegen die Statistik 

Da Mohammad in Luzern keinen Zugang zu einem Brückenangebot erhielt, absolvierte er eine einjährige Vorlehre im Gastronomiebetrieb Heitere Fahne in Bern. Kurz vor Beginn des neuen Lehrjahres erhielt er die Chance, eine Lehrstelle als Küchenangestellter EBA im Alterszentrum Meierhöfli in Sempach anzutreten. Die Ausbildung stellte ihn vor enorme Herausforderungen. Während andere Lernende auf jahrelange Schulbildung zurückgreifen konnten, musste Mohammad parallel zur beruflichen Ausbildung weiterhin Lesen und Schreiben üben. Besonders schriftliche Prüfungen bereiteten ihm grosse Schwierigkeiten. Nach den ersten Prüfungen zweifelte er sogar daran, die Ausbildung erfolgreich abschliessen zu können. Aufgeben kam für ihn dennoch nie infrage. «Ich wollte einfach weitermachen und versuchen, es zu schaffen», sagt Mohammad. 

Der Schlüssel zum Erfolg: Wille und Unterstützung 

Entscheidend für seinen Erfolg waren nicht nur sein aussergewöhnlicher Durchhaltewille, sondern auch Menschen, die ihn auf seinem Weg begleiteten. Sein Lehrbetrieb gewährte ihm wöchentlich einen Lernnachmittag. Als ehrenamtliche Lernbegleitung unterstützte ihn eine pensionierte Lehrerin während der gesamten Lehrzeit beim Lernen und bei Prüfungsvorbereitungen. Besonders das Lesen und Verstehen von Rezepten verlangte ihm enorme Anstrengungen ab. Während andere Lernende Rezepte routiniert erfassten, musste Mohammad jeden Schritt sorgfältig erarbeiten, verstehen und praktisch umsetzen. Trotzdem entwickelte er sich kontinuierlich weiter. Dank seines praktischen Geschicks übernahm er zunehmend anspruchsvollere Aufgaben in der Küche. 

Eine Geschichte, die Mut macht 

Mohammads Erfolgsgeschichte ist weit mehr als die Geschichte eines Lehrabschlusses. Sie zeigt, welche Kraft in Eigeninitiative, Ausdauer und Lernbereitschaft steckt. Sie macht sichtbar, welche Leistungen Menschen erbringen können, wenn sie trotz schwieriger Ausgangslage eine Chance erhalten und diese mit beiden Händen packen. Für sein Umfeld ist Mohammad deshalb weit mehr als ein erfolgreicher Lehrabgänger. Er ist ein Beispiel dafür, dass Integration gelingen kann, wenn Motivation, Unterstützung und Vertrauen zusammenkommen.

«Ich wünsche mir, dass mein Werdegang Vorurteile abbaut und Türen für weitere geflüchtete Menschen öffnet», sagt Mohammad und fügt an: «Wir bringen vielfältige Arbeitserfahrung, grosse Ausdauer und Resilienz mit.» Er ist überzeugt: «Durch die Chance einer Lehrstelle können wir zeigen, was in uns steckt. Als ausgebildete Arbeitskräfte leisten wir einen wertvollen Beitrag zur Schweizer Gesellschaft. » 

(mm/rif)

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