Das teuerste Geschirr

Exklusive Teller aus weissem Porzellan – mit Reliefs oder dezenten Dekors – sind die Stars auf gediegenen Tafeln. Älteres Geschirr traditioneller Marken kann zudem äusserst wertvoll sein.

Eine mehr als 500 Jahre alte Tasse aus der chinesischen Ming-Dynastie wurde im Jahr 2014 in Hongkong (CN) für 36 Millionen Dollar versteigert. Zum damaligen Wechselkurs entsprach dies 47 Millionen Schweizer Franken. Die kleine Tasse ist als «Hühnertasse» bekannt, weil sie mit einem Hahn, einer Henne und deren Küken dekoriert ist. Das Gefäss wurde während der Herrschaft des Kaisers Chenghua angefertigt, der von 1465 bis 1487 regierte. Teure Objekte aus Porzellan sind Sammlerstücke und werden in Museen ausgestellt. Doch auch modernes Porzellan schafft es mitunter in Ausstellungen. Museen für zeitgenössisches Design und Spitzenköche schätzen beispielsweise die Arbeiten von Stefanie Hering. Ihr Tafelgeschirr der Linie Cielo zählt aktuell zum teuersten. So kostet ein «Coupeteller» mit 310 Millimeter Durchmesser 360 Franken. Der gleich grosse, tiefe Zwischengangteller ist mit 399 Franken sogar noch teurer. Gefertigt ist die Linie Cielo aus Biskuitporzellan. «Die breite Fahne, so wird der Tellerrand in der Fachsprache bezeichnet, ist von Hand perforiert», sagt Sandra Roth von der Berndorf Luzern AG in Sempach Station/LU, dem Schweizer Importeur. «Das macht jedes Stück zu einem Unikat.» Glasiert sind nur die Spiegel genannten Anrichteflächen, was den Tellern eine edle Haptik verleiht. Neben Hering Berlin bietet auch Rosenthal mit der Linie Zauberflöte exklusives Tafelgeschirr an. Die Fahne zieren Motive aus der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Speiseteller aus weissem Biskuitporzellan mit glasiertem Spiegel kostet 260 Euro. Die Version Sarastro mit vergoldeter Fahne ist für 765 Euro erhältlich. Kostspielig ist auch von Hand bemaltes und mit 23-karätigem Gold opulent dekoriertes Porzellan von Meissen. Doch Vorsicht: Porzellan mit Aufglasur-Golddekor ist sehr empfindlich und gehört nicht in die Spülmaschine. Nur Dekore, die in die Glasur eingeschmolzen sind (Inglasur) oder darunter liegen (Unterglasur), sind auf die Dauer spülmaschinenfest.

Streifzug durch die Geschichte

Frühformen von Keramik aus einem Gemisch aus Kaolin, Quarz und Feldspat werden auf 1600 vor unserer Zeitrechnung datiert. Ums Jahr 800 begannen die Chinesen mit dem Brennen von hartem Porzellan bei hohen Temperaturen um 1350 Grad Celsius. Seit dem 14. Jahrhundert wird in China Porzellan mit kobaltblauer Unterglasurbemalung hergestellt. Dieses wurde nach Europa exportiert, wo es hohes Ansehen genoss.

Anders als es der Name vermuten lässt, ist Bone China Porzellan eine britische Erfindung. Thomas Frye fügte der Mineralienmasse Knochenasche bei und meldete im Jahr 1748 ein entsprechendes Patent an. Aufgrund des Farbtons sollte auf einem Tisch hochweisses Porzellan nie mit cremig weissem Bone China gemischt werden.

(Gabriel Tinguely)


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