Saubere Zimmer entscheiden über den ersten Eindruck eines Hotels. Doch wer reinigt effizienter: ein externer Dienstleister oder das eigene Housekeeping-Team? Hotelier Rolf Tinner aus Sursee/LU vertraut auf Outsourcing, Hotelière Renate Stocker aus Wilen/OW auf interne Mitarbeitende.

Inhaber und Direktor des Vier-Sterne-Businessund Stadthotels Focus in Sursee/LU
PRO: Ein entscheidender Faktor für zufriedene und wiederkehrende Gäste ist die Sauberkeit in den Zimmern. Das Outsourcing der Hotelzimmerreinigung bei mir im Hotel ist eine bewusst geplante und gut durchdachte unternehmerische Entscheidung. Der Hotelbetrieb wird komplexer, der Personalmarkt enger – und genau hier zeigt sich der Vorteil eines spezialisierten Reinigungspartners.
«Wer sich aufs Kerngeschäft konzentrieren will, lagert die Reinigung aus.»
Ein externer Dienstleister bringt Struktur, Effizienz und vor allem Verlässlichkeit in einen der sensibelsten Bereiche des Hotels. Die Zimmerreinigung ist zentral für die Gästezufriedenheit. Schwankende Leistungen kann man sich hier schlicht nicht erlauben. Wichtig sind stabile Abläufe, geschultes Personal und klare Verantwortlichkeiten. Das entlastet die eigene Organisation spürbar. Ein entscheidender Vorteil ist das Kostenmodell: ein Fixpreis pro verkauftem Zimmer. Damit werden die Reinigungskosten konsequent variabel und passen sich direkt der Auslastung an. Das schafft Transparenz und Planungssicherheit. Hinzu kommt ein Punkt, der intern oft unterschätzt wird: Fluktuation. Ein eigenes Housekeeping-Team bedeutet ständige Rekrutierung, Einarbeitung und Qualitätsrisiken. Mitarbeiterwechsel sind nicht nur teuer, sondern auch ein permanentes Ärgernis im Alltag. Mit einem externen Partner fällt dieses Problem weitgehend weg. Natürlich ist die Qualität nicht in jedem Moment perfekt – das wäre auch intern kaum realistisch. Entscheidend ist die Kontrolle. Deshalb setzen wir bewusst auf eine hauseigene Gouvernante, welche die Zimmer überprüft und den Qualitätsstandard sicherstellt. So kombinieren wir externe Effizienz mit interner Qualitätssicherung. Für mich ist klar: Wer sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren will, sollte die Zimmerreinigung auslagern. Richtig umgesetzt ist das kein Kompromiss, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Direktorin des Vier-Sterne-Seehotels Wilerbad in Wilen am Sarnersee/OW
CONTRA: Im Seehotel Wilerbad wird das gesamte Housekeeping seit vielen Jahren bewusst intern geführt. Bereits im Rahmen des Umbaus und der Spa-Eröffnung vor rund 14 Jahren wurde geprüft, ob dieser Bereich ausgelagert werden soll. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung entschieden sich klar dagegen. Ausschlaggebend waren folgende Punkte: Die Qualität und Sauberkeit können mit einem internen Team deutlich besser kontrolliert und sichergestellt werden. Mitarbeitende, die direkt für das Hotel arbeiten, identifizieren sich stärker mit dem Haus, seinen Standards und dem Qualitätsanspruch. Schäden oder technische Mängel werden unmittelbar gemeldet, so dass zeitnah reagiert werden kann. Die Hausdame kann ein Team einfacher und gezielter nach den internen Standards schulen. Auf individuelle Gästewünsche kann schnell eingegangen werden. Der direkte Gästekontakt auf der Etage ist relativ gross. Ausserdem: Stammgäste profitieren davon, dass Mitarbeitende ihre persönlichen Vorlieben kennen. Die Einsatzplanung bleibt beweglicher, insbesondere bei kurzfristigen Änderungen der Auslastung. Die Kommunikation innerhalb eines eingespielten Teams funktioniert effizienter, direkter und zuverlässiger. Und nicht zu unterschätzen: Das Vertrauen in eigene Mitarbeitende ist grösser als bei einem externen Partner.
«Das Vertrauen in eigene Mitarbeitende ist grösser als bei externen Partnern.»
Auch persönliche Erfahrungen haben diese Haltung bestätigt. In einem früheren Hotelbetrieb wurde ein Teil der Wäschelogistik ausgelagert. Die Zusammenarbeit verlief jedoch wiederholt unzuverlässig; es kam regelmässig zu Lieferproblemen. Besonders prägend war eine Situation an Silvester, als statt der bestellten 300 Servietten lediglich 60 geliefert wurden. Diese Erfahrung hat gezeigt, wie abhängig ein Hotelbetrieb von Partnern ist – und wie wichtig es sein kann, zentrale Bereiche wie das Housekeeping möglichst intern und eigenständig zu führen.