Die Seilbahnbranche auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Wie können Verbände und Betriebe gemeinsam die nachhaltige Entwicklung vorantreiben? In einem «Sustainable Tourism Talk» des Schweizer Tourismus-Verbands wurde am Beispiel der Schweizer Seilbahnbranche aufgezeigt, wie Nachhaltigkeit mit gezielten Programmen strukturiert vorangetrieben werden kann.

Der Tourismus lebt von einer intakten Natur – Nachhaltigkeitsmassnahmen sind daher unabdingbar. (Thomas Hablützel)

Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie des Branchenverbands Seilbahnen Schweiz ist es, Natur und Gästebedürfnisse zu allen Jahreszeiten in Einklang zu bringen. Um dieses Anliegen strukturiert anzugehen, wurde im Jahr 2024 als Basis eine Mitgliederbefragung zu allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Wirtschaft und Soziales) durchgeführt. Daraufhin wurden verschiedene Projekte lanciert. Dazu gehört unter anderem das Netzwerk Nachhaltigkeitsverantwortliche. «In zwei Workshops pro Jahr sollen sich die Nachhaltigkeitsverantwortlichen unterschiedlicher Betriebe zu einem bestimmten Thema austauschen und Lösungen erarbeiten», erklärte Laura Wyss, Leiterin Programm Nachhaltigkeit bei Seilbahnen Schweiz, beim Webinar. Im ersten Workshop wurde beispielsweise ein Stellen- und Kompetenzprofil für Nachhaltigkeitsverantwortliche erstellt, welches auf der Website heruntergeladen werden kann. Weitere Nachhaltigkeitsmassnahmen von Seilbahnen Schweiz sind die Bereitstellung von Hilfsmitteln wie eine Checkliste für Greenwashing, verschiedene Workshops, die Integration des Themas in der Aus- und Weiterbildung sowie ein Leitfaden für die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch für Betriebe, welche aufgrund ihrer Grösse zu einer solchen nicht verpflichtet sind. Letzterer soll im Sommer allen Mitgliedern zur Verfügung stehen.

Kopieren ist erlaubt

Urs Wohler, Geschäftsführer der Niesenbahn AG, gab ergänzend einen Einblick in die Nachhaltigkeitsmassnahmen eines Betriebs. Sein Rezept: Erst die Grundlagen und Daten bereitstellen, dann das Thema Schritt für Schritt anhand kleiner und grosser Hebel weiterentwickeln und nicht zuletzt: Netzwerken und Austauschen. «Kopieren ist erlaubt», gab er den Webinar-Teilnehmenden mit. Zu den kleineren Hebeln gehören bei der Niesenbahn unter anderem das Engagement bei der Klimaschutzinitiative «Cause we care», die Messung von Food Waste, ein Clean-up-Day oder die Mitgliedschaft beim Verband Swisscleantech. Ein grösserer Hebel sind beispielsweise Sanierungen wie der Umbau des Berghaus Niesen Kulm, bei welchem 16 Prozent in Energie- und Umweltmassnahmen investiert wurden.

Der Betrieb erstellt seit 2021 jährlich eine CO2-Bilanz. Seit 2024 wird darin auch die Gästemobilität gemessen – diese macht fast 80 Prozent der Emissionen aus. «Wir können uns diesem Thema nicht verschliessen», sagt Urs Wohler. Die Niesenbahn AG versuche nun, die Anreise mit dem ÖV attraktiver zu gestalten, indem beispielsweise die Parkplatzgebühren erhöht wurden. Von diesen fliessen zudem 25 Prozent in klimafreundliche Massnahmen. Zudem konzentriere man sich im Marketing fast ausschliesslich auf Gäste aus der Schweiz, um die potenziellen Anreise-Emissionen bereits dort zu begrenzen. Wohler ist überzeugt, dass sich Investitionen in die Nachhaltigkeit lohnen: «Das in Zahlen festzuhalten, ist leider schwierig. Aber ich bin mir sicher, dass ein Betrieb besser funktioniert, wenn sowohl Mitarbeitende wie auch Gäste wissen, für welche Werte er steht und dass diese konsequent umgesetzt werden.»

(ahü)


Nächste Veranstaltung

Das nächste Swisstainable-Webinar zum Thema «Inkludierte ÖV-Reise: Nachhaltige Mobilität in der Praxis mit Railaway und Luzern Tourismus» findet am 12. März von 14 bis 15 Uhr online statt. Weitere Informationen auf der Website des Schweizer Tourismus-Verbands.