Homeschooling: Lust statt Frust

Damit das Lernen im Selbststudium klappt, brauchen Lernende Organisationstalent, Selbstdisziplin und vor allem eines: Pausen.

Annette Pfizenmayer rät, nach 50 Minuten voller Konzentration zehn Minuten Pause zu machen. (Keystone-SDA)

Seit die Schulen geschlossen haben, müssen sich Jugendliche im Homeschooling arrangieren. Zoom und Microsoft Teams sind dabei ihre ständigen Begleiter. Dass diese neue Form zu lernen nicht bei allen gleich gut klappt, kann Josef Prenka, Berufsförderer der Hotel & Gastro Union, bestätigen. Er hat den Jugendlichen auf den Zahn gefühlt. «Die Lernenden erhalten klare Aufgaben von den Berufsschulen, die Kommunikation funktioniert gut. Das Problem ist eher die fehlende Gesellschaft: Den Lernenden fällt zeitweise die Decke auf den Kopf.»

Kommunikation auf Distanz

Für Corinne Wittwer (21), Lernende Fachfrau Hauswirtschaft im dritten Lehrjahr, ist das Lernen daheim schwieriger, weil die Ausbildner nicht vor Ort sind: «Ich kann mich gut motivieren, aber bei Unklarheiten muss ich beim Ausbildner nachfragen. Das ist daheim mit mehr Aufwand verbunden. Man hat das Gefühl, es dauert alles irgendwie länger.»  

Wiederholungen und Pausen

Amy Streit (19) wiederum hatte zu Beginn Mühe damit, sich zu konzentrieren: «In der Schule ist man mit anderen Lernenden in einem Raum. Daheim ist man schnell mal abgelenkt», berichtet die Kochlernende im dritten Lehrjahr. Ihre Lösung: Sie schliesst sich mit einer Flasche Wasser bis zum Mittagessen im Zimmer ein und lernt. «Bei schönem Wetter lerne ich draussen mit Kopfhörern und Musik. Das klappt auch ganz gut», sagt sie.

«Um zu lernen, schliesse ich mich manchmal im Zimmer ein.»
 

Laut Organisationspsychologin und Coach Manuela Roschi von der Firma Inflow ist es wichtig, dass Lernende herausfinden, welche Dinge für sie hinsichtlich  Selbststudium am besten funktionieren. Das könne der immer gleiche Ort zum Lernen sein, aber auch Rituale. Wie zum Beispiel das Ritual, sich vor dem Lernen stets eine Tasse Tee zu gönnen. 

Routine und innere Einstellung

«Unser Gehirn vollzieht bei vie-len Wiederholungen von Abläufen neue Verknüpfungen: Es verbindet in diesem Beispiel Teetrinken mit Lernen. Das kann helfen, leichter in den Lernmodus zu kommen»», sagt Manuela Roschi. Ebenso wichtig seien auch regelmässige und vor allem bewusste Pausen und kleinere Lerneinheiten. Das sagt auch Dozentin Annette Pfizenmayer von der ZHAW. 

«Stoff, den wir uns im Selbststudium aneignen, müssen wir in verdaubare Portionen aufteilen, um ‹Aufschieberitis› zu vermeiden. Was dabei helfen kann, sind Lernfenster.» Bei fehlender Motivation empfiehlt sie, die Situation anzunehmen: «Man sollte versuchen, dem nicht so viel Gewicht zu geben und den Abend dennoch mit einem schönen Erlebnis abzuschliessen.»

(Désirée Klarer)


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