Kaufen oder stehlen – das ist hier die Frage

Gilles Ambühl ist Farmhouse-Manager in Kambodscha. In seiner Kolumne beschreibt der SHL-Absolvent den ganz normalen Wahnsinn bei seiner Tätigkeit fürs Hilfsprojekt «Smiling Gecko».

Gilles Ambühl machte sich in Kambodscha auf die Suche nach Rettungsringen. (ZVG)

Gewisse Sachen in Phnom Penh zu finden, ist nicht leicht. Es gibt viele kleine Läden, die allerlei anbieten – aber mit Sicherheit ist das Gesuchte nicht darunter. So war es auch, als wir unser Pool-Equipment gesucht haben. Schwimmwesten, Rettungsringe und vieles mehr stand auf unserer Einkaufsliste.

Mit Abstand am schwierigsten zu finden waren die Rettungsringe! Mit unserem Tuk-Tuk-Fahrer von «Smiling Gecko» kämpfte ich mich durch grosse lokale Märkte, führte unzählige Telefonate und liess mich von einem freundlichen, aber ahnungslosen Passanten in die Irre führen.

Die Sonne brannte gnadenlos auf uns herab und unsere Laune verschlechterte sich von Stunde zu Stunde drastisch. Woher nehmen und nicht stehlen, fragte ich mich. Wobei ich ehrlich gesagt nicht mal gewusst hätte, wo man dieses Zeugs stehlen könnte. Es schien, als wären hier in Phnom Penh Sicherheitsartikel für den Pool Mangelware.

Als wir schon fast aufgegeben hatten, fuhren wir per Zufall an einem Anlegesteg für Boote vorbei. Eine Vollbremsung folgte und kurz darauf befanden wir uns auf einem der Touristen-Boote und verhandelten mit dem Kapitän über den Preis seiner Rettungsringe. Ohne zu zögern überliess er uns zwei. Einige Dollar wechselten die Hand und der Deal schien perfekt. Der Kapitän war offensichtlich froh über das schnelle Geld.  

Zufrieden und doch etwas nachdenklich verliessen wir das Schiff. Ich hoffe für alle Kambodscha-Touristen, dass nicht jeder Kapitän solche Geschäfte mit seinen Rettungsringe abschliesst. Ansonsten würde ich auf dem Mekong lieber keine Bootstouren mehr empfehlen.

Liebe Grüsse, Gilles Ambühl
SHL-Absolvent und Farmhouse-Manager in Kambodscha