Medizin aus der Küche

 Man muss nicht gleich bei jedem Wehwehchen  zum Arzt rennen. Oft reicht schon ein Gang in die Küche, um sich Linderung zu verschaffen.

Illustration: Cynthia Kaufmann, Quellen: Landliebe, altes Wissen, rezeptfrei gesund mit Schweizer Hausmitteln (Beobachter-Verlag), CSS Krankenkasse, www.smarticular.net

Hippokrates, der griechische Arzt und Vater der Medizin, sagte: «Unsere Nahrungsmittel sollen Heil- und unsere Heilmittel Nahrungsmittel sein». Unzählige, über Generationen bewährte Hausmittelchen zeigen, dass der alte Grieche Recht hatte. Lebensmittel können mehr als nur satt machen. Die Wirkung der Hausmittel basiert oft auf Zutaten, die in jeder Küche zu finden und rasch anwendbar sind. Davon können Gastgewerbler, die sich mal nicht so wohl fühlen, profitieren (siehe Rezepte). Natürlich ersetzen Hausmittel den Arztbesuch nicht. Bei leichten Beschwerden und kleinen Blessuren kann die Medizin aus der Küche jedoch Linderung bringen, den Heilungsprozess unterstützen oder die Zeit bis zum Arztbesuch erträglicher machen.  

(Riccarda Frei)


Zahnfleischentzündung

Ein Blatt von Weisskabis, Wirz oder Spitzkohl zerquetschen. Die entzündete Stelle mit dem Saft einreiben und einwirken lassen. 


Rezept für Mundwasser

1 TL frische Pfefferminze
1 TL frischer Rosmarin
1 TL Sternanis

So wird’s gemacht
Alles zerkleinern und mit 0,5 l kochendem Wasser übergiessen. 20 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Abseihen und auskühlen lassen. Das Mundwasser zum Gurgeln und als Mundspülung verwenden. Der Sud wirkt antiseptisch und erfrischend. Er ist maximal zwei Tage haltbar.


Mundgeruch

Frischen Peterli gut zerkauen und nachwirken lassen. Peterli ist geruchsbindend. Seine ätherischen Öle neutralisieren den Mundgeruch. 

Täglich ein Naturjoghurt essen hilft, die Schwefelbakterien im Mund zu bändigen.

Fenchel-, Kümmel- oder Anissamen kauen. Diese Gewürze binden schlechte Gerüche, helfen der Verdauung und übertönen schlechten Atem.


Sodbrennen

Zwei Esslöffel Apfelessig in ein grosses Glas Wasser geben und einmal am Tag in kleinen Schlucken vor dem Essen trinken. Bei Bedarf mit etwas Honig süssen.


Sonnenbrand/Sonnenallergie

Quark kühlt die Haut und wirkt entzündungshemmend. Einfach den Quark auf die Haut auftragen und einwirken lassen. Abspülen bevor 
der Quark antrocknet.


Rezept für selbstgemachte Erkältungsbonbons

Je nach Wirkungswunsch den Kräutertee aus Thymian (Husten), Salbei (Halsschmerzen), Lindenblüten (Fieber) oder Pfefferminze (antiseptische und erfrischende Wirkung) zubereiten.

1 Tasse starker Kräuter-Aufguss (Tee)
3 Tassen Zucker
2 EL Zitronensaft

Kräutertee, Zucker und Zitronensaft zusammen aufkochen. Sobald die Masse kocht, ein bisschen des Suds in kaltes Wasser tropfen lassen. Erstarren die Tropfen sofort, ist die Bonbonmasse fertig. Die Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech giessen. Bevor die Zuckermasse ausgekühlt ist, mit einem gefetteten Messer mundgerechte Stücke schneiden oder die Bonbons zu kleinen Kugeln rollen. Trocknen lassen.  Die getrockneten Bonbons in Puderzucker wälzen. Kühl und trocken lagern.


Starkes Schwitzen

Zwei, drei Tassen warmen Salbeitee über den Tag verteilt trinken.


Schweissfüsse und Fussgeruch

Ein Fussbad mit naturtrübem Apfelsaft schafft Linderung bei Schweissfüssen. Dazu 250 ml Apfelessig in zwei, drei Liter 38 Grad warmes Wasser giessen. Die Füsse 10 bis 20 Minuten lang darin baden. Bei Bedarf zweimal täglich. Der Apfelessig wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und reguliert den ph-Wert der Haut.

Gegen Fussgeruch hilft ein Bad in Natronwasser. Dazu drei Teelöffel Natron ins 36 bis 40 Grad warme Wasser geben. Die Füsse 20 bis 30 Minuten lang baden. Dieses Bad ist auch eine Wohltat bei geschwollenen Beinen und brennenden Füssen. Es hilft auch gegen übermässige Hornhaut.


Bienen- und Wespenstiche

Zwiebel aufschneiden und ihren Saft sanft auf die Einstichstelle reiben. Damit es nicht zu einer Schwellung kommt, einen Löffel erhitzen und auf die Einstichstelle legen. Die Wärme zerstört das Insektengift.


Halsschmerzen, Husten, Rückenschmerzen:

500 g Kartoffeln kochen, zerdrücken und in ein Tuch wickeln. Den Wickel auf die betroffene Stelle legen und 30 Minuten bis zwei Stunden lang einwirken lassen. Wichtig: den Wickel nur bei fieberfreien Personen verwenden und vor dem Auflegen die Kartoffeln auf eine angenehm warme Temperatur abkühlen lassen.


Kopfschmerzen

Schwarzen Kaffee mit einem Schuss Zitronensaft trinken.


Husten

Eine Zitrone und eine Zwiebel in Scheiben schneiden. Die Scheiben abwechselnd mit Honig in ein hohes, schmales Glas schichten. Das Ganze ein paar Stunden stehen lassen und zwischendurch leicht ausquetschen. Den Saft kann man wie Hustensirup verwenden.

Einen kleinen Rettich von oben aushöhlen. Zucker und Honig in den Rettich füllen und das Ganze über Nacht ziehen lassen. Den Rettich unten aufstechen und den Saft in einem Glas auffangen. Dreimal täglich einen Esslöffel davon einnehmen.


Hexenschuss, Entzündungen, Gelenkschmerzen

Weisskabis und Wirz können Linderung bringen. Die Mittelrippen der Blätter mit dem Messer einschneiden. Die Blätter mit dem Wallholz quetschen und versetzt auf die betroffene Stelle auflegen. Mit einem Baumwolltuch umwickeln. Mindestens eine Stunde, noch besser über Nacht einwirken lassen.