In Österreich nehmen Junggastronomen die Nachwuchsförderung selbst in die Hand und weibeln für ihre Berufe.
Mit dem Fachkräftemangel hat nicht nur die Schweizer Gastronomie zu kämpfen. Auch Betriebe in Deutschland und Österreich können ein Lied davon singen. In Österreich sind die Folgen davon selbst für die Gäste sichtbar. Dann nämlich, wenn sie vor einem Wirtshaus stehen, dessen Tore für immer geschlossen wurden.
«Mit dem Wirtshaussterben in Österreich geht viel Familiäres verloren», sagt Johannes Wolfgang Egger (18) vom Verein Junggastronomen. Häufig handle es sich dabei um gutbürgerliche Wirtshäuser. Gründe dafür seien zum einen die fehlende Rentabilität der Speisen, zum anderen aber auch die fehlenden Fachkräfte. «Die meisten Fachkräfte gehen dorthin, wo die höchsten Löhne bezahlt werden. Der Konkurrenzdruck unter den verschiedenen Gasthäusern ist gross.»
Darauf zu warten, dass die Verbände der Branche etwas für den Nachwuchs und gegen den Fachkräftemangel tun, kam für Egger nicht in Frage. Er wollte selbst auf die bestehende Problematik aufmerksam machen und so zumindest indirekt etwas für den Nachwuchs tun. «Dazu war die Übernahme des Vereins die beste Gelegenheit», konstatiert Egger.
Seit zwei Jahren engagiert er sich nun schon mit Jung-Küchenchef Paul Rhomberg (18) für den Verein Junggastronomen. Dies neben dem Studium an der Tourismusschule Klessheim in der Nähe von Salzburg. «Von dort kommen auch praktisch alle Mitarbeitenden, die sich freiwillig an unseren Events engagieren», sagt Egger, der die Geschäftsleitung innehat und zudem als Schatzmeister (Buchhalter) amtet. Er ist froh, dass mit diesen Kontakten auch die Nachfolge im Verein gesichert ist, «wenn wir abschliessen und in den Wehrdienst müssen».
Bis es so weit ist, möchte er jedoch mindestens noch einen Event durchführen. Mit Events meint er die Pop-up-Restaurants, die er gemeinsam mit Rhomberg konzeptioniert, plant und umsetzt. «Wir haben dieses Format gewählt, um mit Aktivismus auf den fehlenden Nachwuchs aufmerksam zu machen. Wir wollen gesehen werden. Aber wir wollen auch zeigen, was in dieser Branche alles möglich ist, wenn man wirklich will.»
Dieser Wille sei essentiell, sagt Egger. Denn anders als viele andere Institutionen im Tourismusbereich erhalten Egger und Rhomberg mit ihrem Verein keine Fördergelder vom Staat. Zudem können sie, da sie ein Verein sind, keine fixen Menüpreise verlangen. «Mit den Preisen weisen wir aus, wie viel das Menü de facto kostet. Meist liegt dies so zwischen 80 und 120 Euro. Die Gäste entscheiden dann selbst, ob sie bereit sind, diesen Richtpreis zu zahlen.»
Bisher sei es nur einmal vorgekommen, dass ein Gast den Richtpreis nicht bezahlt habe. «Das war eine Journalistin von einer Tageszeitung, die anstelle der 120 Euro 20 Euro gegeben hat. Das hat mich schon ein wenig stutzig gemacht», sagt Egger. Klar, seien die Medien wichtig, damit die Bekanntheit des Vereins steige und auch die nachfolgenden Generationen von ihrem Verein erfahren, «aber das fand ich schon ziemlich daneben». Zumal die Bezahlung des Richtpreises ein Zeichen von Wertschätzung für die freiwilligen Mitarbeitenden sei. Den grössten Gewinn sieht er jedoch darin, hautnah mitzuerleben, wie viel Freude es bereitet, etwas von Beginn weg selbst auf die Beine zu stellen. «Man muss keine dreissig werden, um seinen eigenen Betrieb zu eröffnen», sagt Egger bestimmt.
(Désirée Klarer)