Resilienz: So bietet man dem Corona-Blues die Stirn

Betriebsschliessungen lösen Existenzängste aus. Zuhause-bleiben-müssen führt zu Lagerkoller oder Beziehungsstress. Wer über hohe Resilienz verfügt, übersteht die Krise leichter.

Wie stärkt man das seelische Immunsystem? Wie trainiert man die mentale Widerstandskraft, die so genannte Resilienz? (Unsplash)

Je länger die Corona-Krise anhält, desto schwieriger fällt es, hoffnungsvoll und guten Mutes zu bleiben. Gerade das wäre jetzt aber wichtig. Denn die körperliche und die seelische Gesundheit hängen eng zusammen. Wie man den Körper gegen das Covid-19-Virus schützt, sollten inzwischen alle wissen. Doch wie stärkt man das seelische Immunsystem? Wie trainiert man die mentale Widerstandskraft, die so genannte Resilienz?  

Zum Beispiel, indem man mit den folgenden sieben Übungen seine Resilienzfaktoren stärkt:

Faktor Akzeptanz: Für Menschen mit hoher Resilienz sind Krisen überwindbare Phasen und Veränderungen Teil des Lebens. Sie wissen, dass es nicht für jedes Problem eine Lösung  gibt. Übung: Hören Sie auf zu jammern und zu hadern. Suchen Sie die Vorteile, welche die neue Situation Ihnen bringt oder bringen kann.

Faktor positive Emotionen: Resiliente Menschen schenken angenehmen Gefühlen und Erlebnissen mehr Aufmerksamkeit als den unangenehmen. Übung: Führen Sie ein Glückstagebuch. Schreiben Sie täglich mindestens drei positive Ereignisse auf. Auch Kleinigkeiten zählen wie etwa: «Heute den ersten Schmetterling der Saison gesehen.»

Faktor Optimismus: Menschen mit hoher mentaler Widerstandskraft gehen davon aus, dass sie schwierige Zeiten gut überstehen. Durch diese Überzeugung haben sie mehr Ausdauer, Lösungen zu finden. Übung: Überprüfen Sie Ihre Glaubenssätze. Das sind Überzeugungen, die Ihr Handeln beeinflussen. Negative Glaubenssätze schränken die Handlungsfreiheit ein, positive erweitern den Spielraum.

Faktor positive Selbstwahrnehmung: Resiliente Menschen sind sich ihrer Fähigkeiten bewusst. Sie wertschätzen sich und sind weniger abhängig von der 
Anerkennung durch ihr Umfeld. Übung: Wählen Sie eine Eigenschaft aus, die Sie an sich nicht mögen und deuten Sie diese um. Zum Beispiel: «Ich bin der Depp vom Dienst, was andere nicht erledigen wollen, landet bei mir» wird zu «Ich bin der Spezialist für Aufgaben, die für andere zu schwierig sind.» Dieses Umdeuten stärkt die Selbstwertschätzung.

Faktor Kontrollüberzeugung:  Menschen mit psychischer Widerstandskraft übernehmen Verantwortung für ihr Tun. Sie wissen, dass sie nicht jede Situation kontrollieren können, aber dass sie immer selber darüber entscheiden, wie sie mit der jeweiligen Gegebenheit umgehen. Übung: Wählen Sie ein Ereignis aus Ihrem Umfeld aus. Überlegen Sie, was Sie hätten tun können, um das Ereignis anders enden zu lassen. Worauf legen Sie den Fokus? Welche Bedeutung ordnen Sie dem Ereignis zu? Welche Schritte hätten Sie gehen können? 

Faktor Selbstwirksamkeitserwartung: Menschen mit mentaler Widerstandskraft vertrauen auf ihre Kompetenz und packen Herausforderungen optimistisch an. Übung: Erinnern Sie sich an frühere Situationen, die Sie erfolgreich gemeistert haben. Wie haben Sie das gemacht, welche Fähigkeiten setzten Sie dazu ein?

Faktor Soziales Netzwerk: Allein die Aussicht, dass man im Notfall auf die Hilfe und Unterstützung von Freunden und Kollegen zählen kann, stärkt die psychische Widerstandskraft. Übung: Machen Sie «Einzahlungen» auf Ihr Sozialkonto, indem Sie selber freundlich, hilfsbereit, respektvoll und wertschätzend mit anderen umgehen. Nur so können Sie später auf allfällige «Rückzahlungen» hoffen.

(Riccarda Frei)