«Hoteliers tricksen bei den Kurtaxen», berichtete die Hotel Revue (HTR). Das bedeutet aber auch, dass mehr Menschen in Hotels übernachten als die Zahlen belegen.
Gemäss einer Studie der Universität St. Gallen geben ein Viertel der Hoteliers in der Deutschschweiz zu wenig Logiernächte an. Die Studienautoren rechnen hoch, dass bis zu fünf Prozent der Logiernächte nicht angegeben werden. Das tönt nicht nach viel. Aber von Januar bis November 2019 weist das Bundesamt für Statistik über 36 Millionen Übernachtungen aus. Fünf Prozent davon sind 1,8 Millionen, die nicht angegeben werden. Inklusive Dunkelziffer könnten die Zahlen laut den Autoren noch höher sein. Denn obwohl die Befragung der Hoteliers anonym war, ist kaum wahrscheinlich, dass alle die tricksen, auch dazu stehen.
Stefan Unternährer, Leiter der Arbeitnehmer bei den L-GAV-Verhandlungen, ist entsetzt: «Die Logiernächtestatistik ist ein absolut zentrales Element bei den Verhandlungen des Landes-Gesamtarbeitsvertrages (L-GAV). Und zwar sowohl bei den jährlichen Lohnverhandlungen als auch bei Neuverhandlungen. Durch die Angabe von zu tiefen Zahlen scheint es der Branche schlechter zu gehen, als es effektiv der Fall ist.» Das habe natürlich Auswirkung auf die Löhne und Arbeitszeiten. Unternährer: «Das ist ein Affront gegenüber den 200 000 Mitarbeitenden im Gastgewerbe.»
Anders sieht dies Bettina Baltensperger, Leiterin Arbeitsmarkt und Sozialpartnerschaft bei Hotelleriesuisse. «Die Zahlen zu den Logiernächten sagen nichts darüber aus, was ein Hotelier an einer Übernachtung wirklich verdient.» Und für die Verhandlungen seien noch viel mehr Punkte wichtig als die Logiernächte. Da gehe es auch um die Teuerung und wie es der Branche insgesamt gehe. Bettina Baltensperger meint: «Ich verneine einen direkten Zusammenhang zwischen Logiernächtezahlen und Löhnen.» Zudem müsste man wissenschaftlich prüfen, ob die Zahlen zu den Tricksereien so wirklich stimmen.
(Mario Gsell)