Exklusive Weine, edle Spirituosen und köstliche Cocktails – wer im klassischen Gastgewerbe arbeitet, kommt täglich mit Alkohol in Kontakt. Und das nicht immer nur als Verkäufer.
Während der Fasnacht wird in Sachen Alkohol nochmals richtig auf den Putz gehauen, bevor am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Die 40 Tage bis Ostern sind eine gute Gelegenheit, den eigenen Alkoholkonsum zu hinterfragen und sich in Enthaltsamkeit zu üben. Die Leber kann sich erholen, und man erkennt, wie leicht oder schwer einem der Verzicht auf alkoholische Getränke fällt.
Bier, Wein und Spirituosen sind in der Schweiz Kulturgut und angesehene, gesellschaftsfähige Genussmittel. Alkohol ist aber auch nach wie vor die Droge Nummer eins im Land. Gemäss der Organisation Suchtschweiz konsumiert die Schweizer Bevölkerung pro Kopf im Jahr 7,7 Liter reinen Alkohol. Dieser wird in Form von 55,6 Liter Bier, 32,3 Liter Wein, 3,6 Liter Spirituosen und 1,7 Liter Obstwein getrunken. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist zwar interessant, zeigt aber ein verzerrtes Bild der Realität. In der Tat wird die Hälfte der in der Schweiz konsumierten alkoholischen Getränke von nur gerade 11 Prozent der Bevölkerung getrunken. Wie die Statistik von Sucht Schweiz zeigt, neigen vor allem die unter 25-jährigen Männer zu Rauschtrinken. Täglich Alkohol konsumieren jedoch die älteren Semester; vor allem die über 60-jährigen Männer.
Besonders gefährdet, das richtige Mass in Bezug auf den Alkoholkonsum zu verlieren, sind Gastgewerbler. Gründe dafür sind unter anderem die leichte Verfügbarkeit von Alkoholika und die grosse Akzeptanz ihres Konsums sowie der hohe berufliche Stresslevel.
Gegen das Feierabendbier oder das Glas Wein in geselliger Runde ist nichts einzuwenden.Wem es jedoch schwerfällt, seinen Alltag ohne Alkohol zu meistern, der sollte sich eingestehen, dass er ein Suchtpotenzial hat oder bereits alkoholkrank ist.
Die Chance, das Problem alleine in den Griff zu bekommen, ist sehr klein. Zumal Betroffene sich ihre Suchterkrankung selbst lange nicht eingestehen. Hier kommen aufmerksame Freunde, Familienmitglieder, Arbeitskollegen und Vorgesetzte ins Spiel. Fällt ihnen auf, dass jemand schon morgens eine Alkoholfahne hat, oft zu spät kommt, unkonzentriert arbeitet, plötzlich ungewohnt viele Fehler macht oder aggressiv reagiert, sollten Sie diese Person darauf ansprechen.
Bitten Sie den Betroffenen um ein unverbindliches Gespräch unter vier Augen. Bei einem Spaziergang oder einem Kaffeeklatsch ausserhalb des Betriebs lässt es sich offener und leichter reden. Als Einstieg ins persönliche und daher vielen Menschen unangenehme Gespräch kann ein Satz hilfreich sein wie: «Du weisst, ich schätze dich als Menschen/Kollegen sehr. Seit einiger Zeit mache ich mir jedoch Sorgen um dich, denn mir ist aufgefallen, dass ....»
Manchmal will der Angesprochene einen mit Floskeln wie «Das geht dich nichts an» abwimmeln. Dann sollte man ihn darauf hinweisen, dass er in angetrunkenem Zustand sich und andere gefährden kann. Im Sinn der Arbeitssicherheit geht einen daher sein Alkoholkonsum sehr wohl etwas an. Überzeugen sie den Betroffenen, sich professionelle Hilfe zu holen. Die Adressen von regionalen Alkohol- und Suchtberatungsstellen sowie eine Online-Beratung als Chat gibt es unter safezone.ch.
(Riccarda Frei)