Von Argentinien ins Berner Oberland, von Buenos Aires nach Grindelwald – Ramiro Smith lässt sich für seine Cocktailkreationen sowohl von seiner alten als auch von seiner neuen Heimat inspirieren. Seinem Weg in die Schweiz widmet er drei ganz besondere Drinks.

Sein Vater führte einst eine Bar, heute arbeitet Ramiro Smith selbst als Bar Manager und ist ein aktiver Teil der Barszene. (Bilder Jakob Ineichen)
Von seinem Arbeitsplatz blickt Ramiro Smith auf die imposante Eigernordwand. Die Kulisse, die er im «Bergwelt Grindelwald – Alpine Design Resort» täglich sieht, inspiriert ihn. Die aktuelle Signature-Cocktailkarte der Seven Spirits Bar erzählt die Geschichte des Aufstiegs, die Drinks sind nach berühmten Stationen benannt: vom Eigergletscher über das Schwalbennest und den Todesbiwak bis zum Gipfelgrat. Letzterer kommt als Cocktail im asiatischen Stil daher, mit erfrischenden und floralen Noten von Yuzu und Jasmin. «Der Cocktail soll das belebende Gefühl des vollen Atemzugs widerspiegeln, den man erlebt, wenn man den Gipfel erreicht», sagt Ramiro Smith. Bestellt ein Gast einen Old Fashioned, empfiehlt er den Drink Todesbiwak.
Die Signature-Karte umfasst neben sieben Cocktails mit Alkohol auch sieben ohne – diese unter dem Titel «Die sanfte Route». Da gibt es zum Beispiel den Jasminfluss, den Pfirsichgrat oder die Weisse Kurve. «Wir stecken gleichviel Herzblut in die alkoholfreien Drinks», sagt der Barchef. «Mir ist wichtig, dass beide Kategorien denselben Stellenwert haben.» Smith arbeitet seit Dezember 2022 in der Seven Spirits Bar. Er fing als Bar-Mitarbeiter an, stieg zum Chef de bar auf und wurde jüngst zum Bar und Restaurant Manager befördert. «Wir haben vieles neu aufgebaut und konnten das Level von Jahr zu Jahr steigern», erzählt er. Besonders freut ihn die Auszeichnung von Falstaff zur Hotelbar des Jahres 2026.
«Wir stecken gleich viel Herzblut in die Cocktails mit und ohne Alkohol.»
Ramiro Smith, Restaurant und Bar Manager
Ramiro Smith wuchs in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires auf. Als er noch klein war, führte sein Vater eine Bar. Seine eigenen ersten Versuche als Barkeeper machte er während seines Studiums zum Grafikdesigner. Nachdem er zwei Jahre als Grafiker gearbeitet hatte, reiste er 2020 nach Schweden, wo er das Land entdeckte und in verschiedenen Hotels arbeitete. Dort lernte er auch seine heutige Frau – eine Schweizerin – kennen. Mit ihr und dem gemeinsamen Sohn lebt Ramiro Smith heute in Interlaken.
Die Schweiz als Mittelpunkt seiner jungen Familie, Argentinien als Heimatland, viele tausend Kilometer entfernt. Die beiden Pole und die Reise dazwischen hat Ramiro Smith für die Hotellerie Gastronomie Zeitung als Cocktails umgesetzt. Als Erstes repräsentiert der Drink Andes Südamerika. Ein eher leichter Cocktail, der sich zum Beispiel als Aperitif eignet. «Die Säure-Note, die im Vordergrund steht, erinnert mich an die peruanische Küche», sagt Smith. Dagegen hält die Süsse von Agavensirup. Als Bitter verwendet Smith Amargo Chuncho aus Peru, der speziell für Pisco Sour entworfen wurde.
Der zweite Cocktail mit dem Namen Atlántico steht für das verbindende Element, die Reise zwischen den Kulturen. Der Drink wird warm serviert und Ramiro Smith füllt ihn in zwei kleine Sake-Becher ab. «Mir gefällt das Ritual des Teilens», sagt er. «Es erinnert mich an die Mate-Kultur in Argentinien, wo die Becher unter vielen herumgereicht werden.» Statt Mate serviert er einen Drink, der an alkoholfreien Glühwein erinnert – mit Trauben- und Apfelsaft, ergänzt mit Aromen von Schwarztee und Hibiskus sowie winterlichen Gewürzen.
Mit Cocktail Nummer drei kommen wir in den Alpen an. Ramiro Smith zeigt in «Alpes», was mit lokalen Zutaten alles möglich ist. Der Star des Drinks ist der Swiss Mountain Single Malt Whisky mit dem Ice Label, der auf dem Jungfraujoch in einer Eisgrotte reift (mehr dazu siehe Box rechts). Dazu kommt Honig von den hoteleigenen Bienen und Gingerwald Ingwerlikör, handgemacht direkt in Grindelwald. Als Garnitur nutzt er eine weitere Schweizer Spezialität, die er selbst sehr gerne isst: ein Stück Ovo-Schokolade. Die sollte man essen, bevor man den Drink zu sich nimmt. Dieser gehört in die After-Dinner-Kategorie, zum Beispiel in die Cigar Lounge der Seven Spirits Bar.
Als Barchef probiert Ramiro Smith gerne Neues aus. Von einer Bar in London übernahm er beispielsweise das Konzept, Cocktails aus exklusiven Spirituosen zu kreieren. So gibt es einen Very Old Fashioned mit 25-jährigem Glenlivet für 110 Franken oder einen Rob Roy mit 38-jährigem Royal Salute Whisky für 140 Franken. «Vor allem amerikanische Gäste schätzen diese Möglichkeit, etwas Neues zu probieren.»
Der Bar Manager selbst trinkt am liebsten einen Old Fashioned, wenn er einen Cocktail bestellt. Seine Leidenschaft gilt aber dem Wein. Er hat die WSET-Qualifikation Level 3 absolviert und will die Kursreihe fortsetzen, ausserdem hat er den ersten Sommelier-Kurs bei Court of Master Sommeliers Europe abgeschlossen. «Ich stehe gerne hinter der Bar, meine Zukunft sehe ich aber eher im Restaurant- und Weinbereich.»
Dass der Weinliebhaber aktuell zu den Besten der Schweizer Barszene gehört, zeigen seine Wettbewerbserfolge: Anfang Jahr gewann er die Null-Promille-Trophy in der Kategorie Sparkling Cocktails. Vor kurzem folgte die Nomination auf der Shortlist der Swiss Bar Awards für den Titel Barkeeper of the Year. Die Barszene kann hoffen, dass ihr Ramiro Smith noch möglichst lange erhalten bleibt.
(Alice Guldimann)



Der Swiss Mountain Single Malt Whisky lagert sechs Jahre lang in einer Eisgrotte auf dem Jungfraujoch bei –4 Grad. Die Rugen Distillery, die den Ice Label Whisky herstellt, hat auch schon zwei Jahre lang ein 500-Liter-Whiskyfass im Hinterstockensee im Berner Simmental versenkt. Ungewöhnliche Lagerorte für besondere Spirituosen gibt es in der Schweiz einige. Die Whiskys der Swiss Alpine Label AG werden in einem Stollen der Engadiner Kraftwerke unter dem Schweizerischen Nationalpark gelagert. Die Sonnenbräu AG lagert ein Bourbon-Fass für acht Jahre in der bekannten Kristallhöhle Kobelwald in Oberriet/SG. 2029 soll der Swisslander Höhlenwhisky auf den Markt kommen. Die Lagerung in Höhlen und Stollen ist für Whisky ideal. Durch konstante Kälte reift das Destillat langsam und schonend, was komplexe Aromen fördert. Da durch den Felsen kein Sonnenlicht dringt, ist der Whisky vor schädlichen UV-Strahlen geschützt. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass Wasser und Alkohol in ausgewogenem Verhältnis verdunsten. Und natürlich haben besondere Lagerorte und seltene Editionen einen positiven Marketing-Effekt und schaffen Verbindung zur Region.