Die Familie Züllig hat die Übergabe der Geschäftsleitung ihres Hotels umsichtig und lange im Voraus geplant.

Claudia, Nico und Andreas Züllig haben für den Übergabeprozess im Hotel Schweizerhof einen Coach engagiert. (Bilder ZVG)
Der Wechsel in einem Familienbetrieb ist oft mit Emotionen und hohen Erwartungen verbunden. Claudia und Andreas Züllig hegten schon länger den Wunsch, das Hotel Schweizerhof in Lenzerheide/ GR, das sie seit über dreissig Jahren führen, an die nächste Generation weiterzugeben.
Vor etwa einem Jahr hat ihr Sohn Nico entschieden, in die Fussstapfen seiner Eltern zu treten. «Ich habe gespürt, dass die Zeit reif dafür ist und ich ebenfalls», sagt der 33-Jährige. Für ihn war wichtig, dass er die Verantwortung nicht allein übernimmt. Zu seinem Leitungsteam gehören Cara Schreiber, Leitung Restauration, Jo-Anne Meili, Personalverantwortliche und Marco Flüeler, er ist für die Beherbergung zuständig. Jeder sei für seinen Bereich verantwortlich und dennoch treffen sie viele Entscheidungen gemeinsam. «Und bei wichtigen Beschlüssen sind meine Eltern nach wie vor involviert», erklärt der Hotelfachmann.
«Weil in unserer Familie, wie in jeder anderen auch, gewisse Rollen eingespielt sind, haben wir einen Coach engagiert», erklärt Claudia Züllig. Auch sei ein solcher Übergabeprozess sehr komplex. Der Coach Stefan Heer habe mit ihnen Fragen besprochen, denen man als Familie gerne aus dem Weg gehe. Zudem habe er ihnen stets aufgezeigt, wenn sie in alte Rollenmuster zurückfielen. «Auch wenn wir davon überzeugt sind, dass es ein Glücksfall ist, dass Nico den Betrieb übernimmt, bleibt man doch Eltern und macht sich Sorgen», ergänzt Andreas Züllig. Vor allem sei ihnen bewusst, dass ein Hotel mit 120 Mitarbeitenden und 180 Betten auch eine grosse Belastung sei.

Die Familie Züllig hat in den letzten 30 Jahren viel investiert und ihr Hotel stets erneuert. Die gemütliche Lobby wurde vor ein paar Jahren umgestaltet.
Die Familie Züllig hat zusammen mit ihrem Coach Stefan Heer auch die Mitarbeitenden in den Prozess involviert. «Wir möchten nicht mehr die direkten Ansprechpersonen sein», erklärt Andreas Züllig. Die Mitarbeitenden müssen sich an die verantwortlichen Personen in der Geschäftsleitung wenden. Das funktioniere mittlerweile sehr gut. Seine Frau und er seien nur da, wenn das Leitungsteam einen Ratschlag benötige. Da Claudia, im Gegensatz zu ihm, das Pensionsalter noch nicht erreicht habe, sei sie jedoch nach wie vor als Gastgeberin tätig.
«Dass Nico den Betrieb übernimmt, ist ein Glücksfall.»
Andreas Züllig, Hotelier
Nico Züllig kennt den Betrieb von Kindsbeinen an. Nach seiner Ausbildung zum Hotelfachmann an der EHL Hotelfachschule Passugg war er einige Monate als Restaurantleiter im elterlichen Betrieb tätig. Und hat dort, wo es nötig war, ausgeholfen. «Da ich den Betrieb sehr gut kenne, fühle ich mich auch fähig, in die Fussstapfen meiner Eltern zu treten.» Er hat zudem seit drei Jahren Einsitz im Verwaltungsrat des Hotels Schweizerhof. Der studierte Betriebsökonom ist in weiteren Gremien ausserhalb des Betriebs tätig, etwa als Vorstandsmitglied der Schweizer Jugendherbergen oder politisch. «Der Blick über den Tellerrand ist für mich, den Betrieb und meine berufliche Entwicklung wichtig», so Nico Züllig.
Er freut sich aktuell am meisten auf die kommende Wintersaison und den Kontakt zu den Gästen: «Wenn das Hotel ausgelastet ist, werden mein Team und ich so richtig getestet.»
(Daniela Oegerli)