Schlitteln statt Skifahren

Während in Braunwald die Skilifte stillstehen, kämpft das Schneesportgebiet Fideriser Heuberge um seine Zukunft. Der Fall zeigt exemplarisch, wie der Schweizer Wintertourismus mit Schneemangel, steigenden Temperaturen und fehlenden Gästen zu kämpfen hat.

Einzig die Bahn zur Bergstation Grotzenbüel wird im kommenden Winter in Braunwald/GL betrieben. (Keystone-SDA)

Kleinaktionäre wehrten sich bis zuletzt. Doch der Verwaltungsrat der Sportbahnen Braunwald setzte sich durch. Die vier Skilifte stehen still. Gemäss den Verantwortlichen rentiert der Betrieb in Braunwald nicht mehr. Grund seien unter anderem der Schneemangel und fehlende Gäste. Die Sportbahnen kämpfen seit Längerem mit finanziellen Problemen. In der letzten Saison betrug das Defizit laut Jahresbericht 1,6 Millionen Franken. Ganz auf den Wintertourismus wollen die Sportbahnen Braunwald nicht verzichten. Die Gondelbahn auf den Grotzenbüel fährt weiterhin. Dies als Ausgangspunkt für Skitouren, Schneeschuhtouren oder Schlittelabfahrten.

Gemäss dem Newsportal Watson hat mit den Skiliften in Braunwald mittlerweile die 169. Anlage in der Schweiz den Betrieb eingestellt. Dass Skigebiete ihren Betrieb aufgeben, ist nicht neu. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machten viele Anlagen zu. Der Fall Braunwald zeigt auf, vor welchen Herausforderungen der Schweizer Wintertourismus steht: Die Temperaturen steigen, die Winter werden kürzer, vielerorts fehlt zunehmend der Schnee und damit auch der Wintersportgast.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: Das Schneesportgebiet Fideriser Heuberge, gelegen auf einer sonnigen Hochebene im Prättigau/GR, macht vorerst weiter. Die 70 Saisonangestellten werden auch im kommenden Winter ihre Stelle «am Bärg» antreten können. Dies, obwohl die finanzielle Situation wie in Braunwald auch in Fideris angespannt ist.

Die Fideriser Heuberge verstehen sich als wichtigen Impulsgeber für zukünftige Skifahrer im Kanton Graubünden. Die Besitzerfamilie Vetsch hält in einer Mitteilung fest: «Die rund 1500 Kinder, welche in den jährlichen Skilagern in den Heubergen das Skifahren lernen und mehr als 6000 Logiernächte generieren, reisen begeistert nach Hause.»

(Ruth Marending)