«‹The Taste› war die grösste emotionale Achterbahn meines Lebens»

Sie kochte vor einem Millionenpublikum bei der Fernsehshow «The Taste» und schaffte es bis ins Finale. Sandra Böhm erzählt, wie sie die Dreharbeiten erlebt hat und wie es ihr seither ergangen ist.

Sandra Böhm bei den Dreharbeiten in München. (Bilder ZVG)

Wie sind Sie dazu gekommen, bei «The Taste» mitzumachen?

2023 habe ich beim Goldenen Koch teilgenommen. Da habe ich die Begeisterung für Wettbewerbe entdeckt. Ich finde es in unserer Branche wichtig, dass man sich stetig weiterentwickelt und sich auch mit anderen misst. «The Taste» habe ich schon lange als Zuschauerin verfolgt. Ende 2024 hat es mich dann gereizt, es selbst zu versuchen.

Im vergangenen Mai fanden die Dreharbeiten statt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Die Show wurde in München gedreht. Für mich dauerten die Dreharbeiten ungefähr einen Monat. Diese Zeit war sehr intensiv, weil man doch unter grossem Druck steht und von morgens bis abends im Einsatz ist. Es war wohl bisher die grösste emotionale Achterbahn, die ich in meinem Leben mitgemacht habe. Geholfen hat der Austausch mit den anderen Kandidatinnen und Kandidaten. Wir haben uns gegenseitig gepusht und angefeuert. So eine Erfahrung schweisst zusammen, da sind Freundschaften entstanden, die weit über die Sendung hinausgehen.

Was haben Sie von den Coaches und den Gastjuroren und -jurorinnen mitnehmen können?

Ich habe in zwei Teams gekocht, zuerst bei Alexander Herrmann, wo ich auch viel Handwerkliches dazugelernt habe. Bei Steffen Henssler war es dann eher so, dass er mich hat kochen lassen, mir aber gezeigt hat, wie ich mit Stresssituationen umgehen und auch mal lockerlassen kann. Auch mit den anderen Coaches und den Gastjuroren in Kontakt zu kommen, war eine Bereicherung. Solche Gelegenheiten hat man nicht immer.

In dem Wettbewerbsformat haben die Teilnehmenden jeweils eine Stunde Zeit, um ein Gericht zuzubereiten, das auf einem Löffel angerichtet wird. Was war für Sie die grösste Herausforderung daran?

Am Anfang war es vor allem die Zeit, die für mich herausfordernd war. In 60 Minuten Geschmack auf diesen kleinen Löffel zu bringen, und das Gericht noch schön anzurichten, setzte mich am Anfang sehr unter Druck. Ausserdem muss man quasi auf Knopfdruck kreativ sein, da man das Thema der Sendungen wirklich erst erhält, bevor es mit Kochen losgeht. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür, was möglich ist.

Wie war es dann, die Fernseh-Ausstrahlung zu sehen? Haben Sie sich gut repräsentiert gefühlt?

Es war komplett wild, mich selbst in der Show zu sehen und alles noch einmal mitzuerleben. Ich wusste im Voraus nicht, was alles von mir reingeschnitten wird. Am Ende war ich aber mit der Art, wie mein Auftritt und meine Persönlichkeit dargestellt wurden, sehr zufrieden. Auch wenn ich manchmal etwas über mich selbst lachen musste.

Adreas Caminada war in einer Sendung als Gastjuror dabei. 

Am Ende haben Sie es ins Finale geschafft und den zweiten Platz geholt.

Dafür bin ich unglaublich dankbar. Relativ früh im Verlauf der Show stand ich einmal kurz davor, die Sendung verlassen zu müssen. Und das beim Thema französische Küche, wo ich mich sehr sicher gefühlt hatte. Da war ich am Boden zerstört. Als ich dann doch weitermachen konnte, hatte ich nie damit gerechnet, es ins Finale zu schaffen.

Haben Sie bei der Ausstrahlung und danach viele Rückmeldungen erhalten?

Ab Ende Oktober ist jeden Abend nach der Ausstrahlung mein Handy explodiert. Auch aus der Branche habe ich viele positive Rückmeldungen erhalten, was mich sehr gefreut hat. So ein Wettbewerb kann die Chance eröffnen, sich auch beruflich weiterzuentwickeln.

Würden Sie die TV-Show-Erfahrung anderen Köchinnen und Köchen weiterempfehlen?

Ich würde die Erfahrung definitiv weiterempfehlen, auch für die persönliche Entwicklung. Man kann nur dazugewinnen, sei es menschlich oder auch beruflich.

Haben Sie für die Zukunft weitere Wettbewerbsambitionen?

Es sind bereits andere Formate auf mich zugekommen. Im Moment bin ich aber bei der Arbeit sehr ausgelastet, und man muss schon Zeit in so einen Wettbewerb investieren können. Für die Zukunft schliesse ich es aber nicht aus, wenn die richtige Challenge auf mich zukommt.

Seit Dezember sind Sie als Executive Sous-Chef im Grand Hotel Les Trois Rois in Basel tätig. Wie haben Sie sich eingelebt?

Im «Les Trois Rois» fühle ich mich sehr wohl, auch wenn es eine anspruchsvolle Arbeit ist. Wenn es die Zeit erlaubt, bin nach wie vor ab und zu als private Chef tätig. Auch das mache ich sehr gerne.

(Alice Guldimann)


 Zur Person

Sandra Böhm ist gelernte Köchin, seit 2019 lebt und arbeitet die gebürtige Deutsche in der Schweiz. Ihre Stationen umfassen das «The Dolder Grand» und die Exer Bar in Zürich. Seit 2024 ist sie auch als Privatköchin unterwegs, bis heute übernimmt sie nach Möglichkeit Aufträge. Hauptberuflich arbeitet sie seit Ende 2025 als Executive Sous-Chef im Grand Hotel les Trois Rois in Basel.

The Taste

The Taste läuft seit 2013 im deutschen Fernsehen. In dem Kochwettbewerb treten sowohl Profis als auch Hobbyköchinnen- und köche an. Im Zentrum steht der Geschmack, die Gerichte werden auf Löffeln serviert und blind verkostet. Begleitet werden die Kandidatinnen und Kandidaten von prominenten Coaches. In der letzten Staffel war zum ersten Mal die Schweizer Spitzenköchin Elif Oskan mit von der Partie. Auch Andreas Caminada war als Gastjuror zu sehen.