Weinbegleitung in perfekter Harmonie

Ein Terroirheld gerät in Bedrängnis. Weshalb also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?

Am 23. April werden Weinliebhaber und Winzer im Kur- und Festspielhaus in Badenweiler (DE) feiern. Den Anlass dazu liefert die Preisverleihung des 29. Gutedel-Cups. Prämiert werden Gutedel-/ Chasselas-Weine aus dem Markgräflerland, der Region Saale-Unstrut sowie ausgewählten Anbaugebieten in der Schweiz.

Unesco-Weltkulturerbe seit 2007: Auf den steilen Rebterrassen des Lavaux gedeihen Weine mit Reifepotenzial. (Bilder ZVG)

Während die einen Chasselas für seine Finesse und Eleganz lieben, verschmähen ihn andere als banal und ausdruckslos. Die Anbaufläche schrumpft. Dabei hätten wir Schweizer allen Grund, stolz zu sein. Denn die Rebsorte hat ihren Ursprung am Genfersee. Sie wird weltweit auf 20 000 Hektar als Tafeltraube angebaut. Dazu kommen über 5000 Hektar für die Produktion von Wein. Knapp 3700 Hektar davon liegen in der Schweiz. Im nördlich von Basel gelegenen Markgräflerland (DE) sind es rund 1100 Hektar und weitere 200 Hektar verteilen sich auf Frankreich, Ungarn und Kanada – Nationen, in denen Chasselas zu Wein wird.

«Chasselas n’a peur de rien.»

Jérôme Aké Béda, Sommelier und Gastgeber im «Chalet du Mont Pèlerin»

«Chasselas fürchtet nichts», sagt Jérôme Aké Béda. Der in der Elfenbeinküste geborene Sommelier und Gastgeber im Restaurant Chalet du Mont Pèlerin trägt den Übernamen «Prince Noir du Chasselas». Tatsächlich hat der urschweizerische Weisswein keine Berührungsängste. Ein paar Beispiele: Zu Apéro-Häppchen wie Blätterteiggebäck oder Malakoffs empfiehlt sich der saftig-fruchtige Chasselas von Marc Ramu von der Domaine des Pins in Dardagny/ GE. Als klassischer Aperitifwein ist der Neuenburger Non Filtré von Elodie Kunzer, Domaine Saint-Sébaste in Saint-Blaise/NE, eine Spur zu streng. Zu in Butter gebratenen Eglifilets auf Gemüserisotto hingegen ist er ein Gedicht. Roher Fisch in Form von Sushi, in Kombination mit der ursprünglichen Natürlichkeit des «Aloy», eines Chasselas-Naturweins von Christian Vessaz von Cru de l’Hôpital am Freiburger Vully, ist er reine Poesie.

Wenn Unmögliches harmoniert

Ein Steak vom Grill verlangt nach mineralischer Strenge. Diese bietet der Calamin Grand Cru von Blaise Duboux aus Epesses/VD. Die AOC Calamin zählt 16 Hektar und grenzt an die 54 Hektar grosse AOC Dézaley. Deren Chasselas-Weine zählen zu den kräftigsten und langlebigsten. Ein Beispiel ist der Dézaley Grand Cru Médinette der Domaine Louis Bovard in Cully/VD. Mit zunehmender Reife entwickelt er eine cremige Textur und Noten von exotischen Früchten. Er harmoniert ebenfalls mit gereiften Käsen wie Etivaz AOP oder Le Gruyère AOP.

Die ideale Erntemenge für Chasselas liegt bei 800 bis 900 Gramm pro Quadratmeter. Optimal reife Beeren erhalten eine haselnussbraune Färbung.

Die beste Wahl zu cremigem Raclette ist natürlich ein Fendant aus dem Wallis. Der Clos de Mangold Vieilles Vignes der Domaine Cornulus in Savièse/VS ist eine Terroirvariante, die anspruchsvolle Weinliebhaber anspricht.

Chasselas zu Apfelkuchen, Himbeerdesserts oder Mandelgebäck weckt Glücksgefühle. Neben saftiger Frucht sind diese Aromen alle auch im Yvorne Grand Cru von Château Maison Blanche in Yvorne/VD zu finden.

Am 25. Juni findet im Schloss des Nachbardorfes Aigle/VD die Preisverleihung des «Mondial du Chasselas» statt. Spätestens am 12. Dezember sollten sich alle mit Chasselas aussöhnen. Dann wird nämlich der Welttag dieser Rebsorte gefeiert.

(Gabriel Tinguely)


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memoire.wine