Baden hat seine eigene Badekultur neu etabliert

In der Stadt an der Limmat sprudelt mineralreiches Wasser aus Quellen. Was lange vernachlässigt wurde, erlebt eine neue Ära.

In öffentlichen Brunnen kann man in Thermalwasser baden. (St/Nico Schärer)

In der Stadt Baden/AG ist warmes Wasser omnipräsent. Wer entlang der Limmat spaziert, trifft auf Brunnen, die mit Thermalwasser gespeist werden. Aus 18 verschiedenen Quellen sprudelt in Baden das Thermalwasser und zählt mit rund 47 °Celsius zu den wärmsten der Schweiz. Es ist ausserdem das mineralreichste und steigt aus bis zu 1200 Meter Tiefe an die Oberfläche – rund 700 Liter heisses Wasser pro Minute.

Die Stadt Baden ist seit kurzem Mitglied der European Historic Thermal Towns Association. Mit dem Beitritt zu dem europäischen Netzwerk historischer Thermalstädte stärkt Baden seine Positionierung als traditionsreiche Kultur- und Bäderstadt. Die Vereinigung umfasst bedeutende Thermalstädte in ganz Europa, die auf eine lange Bädertradition zurückblicken und diese aktiv in eine nachhaltige touristische Zukunft führen. Das Mandat für die Mitgliedschaft und die operative Umsetzung liegt bei der Tourismus Region Baden AG.

Die Badener Hotels profitieren laut eigenen Angaben von den Thermalquellen und sind seit langem auch unter der Woche gut gebucht. Dies auch dank Geschäfts-reisender sowie des Seminar-, Kongress- und Veranstaltungsgeschäfts. «Zu Spitzenzeiten fehlen uns sogar Hotelbetten», sagt Ruzica Dujmic, Resident Manager im Trafo Hotel und Mitglied der IG Hotellerie Baden. An den Wochenenden und während der Ferien-zeiten bestehen manchmal noch freie Kapazitäten. Seit der Eröffnung der Wellness-Therme Fortyseven und der Gründung der Tourismus Region Baden AG habe sich die Auslastung auch in diesen Zeiträumen positiv entwickelt. Die Wellness-Therme des Schweizer Architekten Mario Botta wurde vor fünf Jahren eröffnet.


«Die Bäderkultur ist für die Hotels von Bedeutung.»

Ruzica Dujmic. Hotel Trafo


Das Limmathof Baden Hotel & Spa und das Hotel Blume verfügen über eigene Thermen- und Wellnessangebote. Im Hotel Blume können die Gäste in privaten Wannenbädern das Badener Thermalwasser ganz für sich allein geniessen. Der «Limmathof» verfügt über eine Thermalwasserund Wellnesslandschaft. «Auch für Hotels ohne eigenes Thermalbad ist das Bäderangebot ein wichtiger Bestandteil der Destination», erklärt Ruzica Dujmic. Die Gäste können ihren Hotelaufenthalt mit einem Thermenbesuch verbinden.

Ein Bad für die Bevölkerung

Der unabhängige, gemeinnützige Verein Bagni Popolari setzt sich dafür ein, dass die Bevölkerung und die Gäste in Baden wieder freien Zugang zum Thermalwasser erhalten. Lange Zeit war dies nicht möglich, nachdem die historischen Freibäder vor mehr als 150 Jahren geschlossen wurden. Mittlerweile gibt es zwei öffentlich zugängliche Brunnen, in denen in Thermalwasser gebadet werden kann. Zudem gibt es einen Trinkbrunnen, aus dem mineralreiches Thermalwasser kommt, das man trinken kann.

Bad zum Raben

Der Verein Bagni Popolari und die Genossenschaft Bad zum Raben sind daran, das historische Thermalbad «Bad zum Raben» zu einem kombinierten Bade- und Kulturbetrieb umzugestalten. Der «Raben» wurde bereits 1299 als Badegasthaus erwähnt. Im historischen Bad sind vier Becken mit naturbelassenem Thermalwasser geplant, eines davon ein freigelegtes Originalbecken aus der Belle Époque. Zudem sind ein Bistro und eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen, Räume für Kunst und Erholung sowie eine Mediathek geplant. Der aktuelle Projektstand sieht eine Eröffnung im Jahr 2029 vor.

(Daniela Oegerli)


Mehr Informationen unter:

bagnopopolare.ch 

deinbaden.ch


Bäderstadt Baden

Für die Stadt Baden sind ihre Thermalquellen auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Lange lag der Fokus auf medizinischer Rehabilitation. Erst mit der Eröffnung der Wellness-Therme Fortyseven im Jahr 2021 entstand eine neue Ära der Badener Badekultur.