Die Gastkolumne von Kurt Baumgartner, Hotelier und Eigentümer der Belvedere Hotel Familie.
Als Hotelier und Unternehmer beschäftige ich mich seit Jahren mit einer Frage: Wann ist ein Hotel erfolgreich? Die erste Antwort liegt auf der Hand: eine gute Auslastung, eine gesunde Rendite, Kosten unter Kontrolle, zufriedene Gäste und motivierte Mitarbeitende. Ohne diese Faktoren überlebt in der Hotellerie niemand lange. Doch reichen sie aus, um Erfolg zu definieren? Schliesslich ist ein Hotel weit mehr als ein Gebäude, in dem Menschen übernachten. Es schafft Arbeitsplätze, bringt Reisende in die Region und belebt die Gastronomie. Es verändert sein Umfeld. Besonders unser neues Hotelprojekt Flaz in Pontresina hat mir diese Frage wieder vor Augen geführt. Wir möchten ein Angebot im mittleren Preissegment schaffen und dazu ein Restaurant, das Gäste wie Einheimische an einen Tisch bringt. Dass ein solches Vorhaben auch auf Widerstand stösst, liegt in der Natur der Sache. Denn wer investiert, übernimmt eine Verantwortung, die weit über die eigenen Hotelwände hinausreicht. Umso wichtiger ist, die Sichtweise der Einheimischen ernst zu nehmen. Wohl wissend, dass es unmöglich ist, es allen recht zu machen. Investitionen brauchen Mut, Visionen und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen. Ohne sie kann sich die Hotellerie nicht weiterentwickeln. Dabei müssen wir auch an den Ort denken und die Menschen, die dort leben. Wir tun deshalb gut daran, Erfolg auch daran zu messen, welchen Beitrag ein Hotel für seine Umgebung leistet. Vielleicht ist ein Hotel erst dann wirklich erfolgreich, wenn die Gäste gerne wiederkommen – und die Menschen nebenan es vermissen würden, wenn es eines Tages nicht mehr da wäre.
