Zimmerschlüssel durch App ersetzen?

In den Europa-Park-Hotels öffnen Gäste ihre Zimmertüren bereits digital. Im Hotel Walther in Pontresina/GR hält man hingegen am klassischen Schlüssel fest. Was spricht für den digitalen Zugang zum Hotelzimmer und was für die Tradition? Zwei Hoteliers vertreten dazu einen klaren Standpunkt und eröffnen die Diskussion.

Ann-Katrin Schwer

Senior Managerin Hotels-App, Europa-Park-Hotels, Europa-Park-Erlebnis-Resort (DE)

PRO: Zu einem gelungenen Aufenthalt zählen nicht nur Komfort und Service, sondern auch einfache und flexible Abläufe. Der digitale Zimmerschlüssel bietet unseren Gästen genau hier einen echten Mehrwert. Warum sollte der Zimmerschlüssel also nicht dort sein, wo heute fast jeder Gast alles Wichtige griffbereit hat: auf dem Smartphone?

«Mit der Hotels-App hat der Gast alles, was er für seinen Aufenthalt benötigt.»

Ann-Katrin Schwer

Der Vorteil zeigt sich bereits bei der Anreise. Hat der Gast alle notwendigen Schritte vorab digital erledigt, muss er für den Zimmerschlüssel nicht mehr zur Réception. Statt Umweg und möglicher Wartezeit kann es direkt zum Zimmer gehen. Gleichzeitig wird keine zusätzliche Schlüsselkarte benötigt, die mitgeführt, zurückgegeben oder bei fehlerhafter Codierung erneut ausgestellt werden muss. Das reduziert den Bedarf an physischen Schlüsselkarten. Der digitale Zimmerschlüssel fügt sich in die gesamte digitale Guest Journey ein: Online Check-in und Check-out, Tickets, Informationen rund um den Aufenthalt sowie der Zimmerschlüssel sind in der Hotels-App gebündelt. Der Gast hat damit alles, was er für seinen Aufenthalt benötigt, zentral auf seinem Smartphone griffbereit. Davon profitieren auch unsere Mitarbeitenden. Wenn Gäste ihren Schlüssel selbständig über die Hotels-App abrufen, werden klassische Prozesse an der Hotel-Réception reduziert. Gerade zu sehr stark frequentierten Anreisezeiten schafft das mehr Freiraum für den persönlichen Kontakt und mehr Zeit für Gäste, die Beratung und Unterstützung wünschen. Für uns bedeutet Digitalisierung nicht, den persönlichen Service zu ersetzen. Unsere Gäste entscheiden selbst, welchen Weg sie wählen.

Digitale Lösungen sollen den Aufenthalt einfacher und flexibler machen. Der digitale Zimmerschlüssel ist dafür ein gutes Beispiel: Er spart Wege und Zeit und schafft zugleich mehr Raum für den persönlichen Service im Hotel.


Thomas C. Walther

Inhaber und Direktor, Relais & Châteaux Hotel Walther, Pontresina/GR

CONTRA: Wer im Ferienhotel ankommt, möchte sich willkommen fühlen und den Alltag hinter sich lassen. Schon die Übergabe des Zimmerschlüssels kann dazu beitragen: Ein Lächeln und ein Schlüssel direkt aus der Hand der Gastgeberin machen aus dem Check-in eine echte Begegnung.

«Die klassische Schlüsselübergabe schafft Raum für Kontakt.»

Thomas C. Walther

In einer zunehmend digitalen Welt wirkt der klassische Schlüssel vielleicht nostalgisch. Doch seine Einfachheit ist ein Vorteil. Gäste müssen keine App herunterladen und keinen Zugangscode suchen. Der Schlüssel funktioniert ohne Akku, Wlan oder Mobilfunkempfang. Das ist besonders in abgelegenen Ferienregionen beruhigend – und für alle angenehm, die im Urlaub bewusst weniger digitale Technik nutzen möchten. Vor allem schafft die persönliche Schlüsselübergabe Raum für Kontakt. Gastgeber können Tipps für einen schönen Spaziergang, ein gutes Restaurant oder den nächsten Wochenmarkt geben. Gäste können Fragen stellen und erhalten individuelle Empfehlungen statt einer automatischen Nachricht. So beginnt der Aufenthalt mit dem Gefühl, dass jemand vor Ort ist und sich kümmert. Gerade in Ferienhotels gehört diese Aufmerksamkeit oft zum besonderen Urlaubserlebnis. Ein mechanischer Schlüssel ist zudem unkompliziert mitzunehmen und erfasst nicht, wann jemand das Zimmer betritt. Das schätzen Gäste, denen Privatsphäre wichtig ist. Ein schön gestalteter Schlüsselanhänger kann ausserdem den Charakter des Hauses widerspiegeln und zur Urlaubserinnerung werden. Technik sollte den Aufenthalt erleichtern, nicht den persönlichen Empfang ersetzen.

Gute Gastfreundschaft zeigt sich nicht daran, wie modern ein Zugangssystem ist, sondern daran, dass Gäste sich gesehen, gut informiert und willkommen fühlen. Manchmal beginnt dieses Gefühl mit einem freundlichen Wort und einem persönlich überreichten Schlüssel.


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