Das teuerste Kochbuch

Kochbücher sind mehr als bloss eine Sammlung von Rezepten. Sie sind auch Zeitzeugen, Sammlerstücke, Kulturgüter und manchmal auch Luxusobjekte.

Ein offizielles «teuerstes Kochbuch der Welt» gibt es nicht. Derzeit dürfte aber Satoyama Cuisine» mit einem Verkaufspreis (orellfuessli.ch) von 1628 Franken wohl den Spitzenplatz belegen. Autor dieses Werks ist der japanische Spitzenkoch Yoshihiro Narisawa. Sein nach ihm benanntes Restaurant in Tokio ist mit zwei Michelin-Sternen sowie einem grünen Michelin-Stern für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Yoshihiro Narisawa hat eine innovative und nachhaltige, von der ländlichen Satoyama-Kultur inspirierte Gastronomie erschaffen. Das Buch ist 2023 in englischer Sprache im Taschen Verlag erschienen. Es ist nicht nur teuer, weil es die exklusiven Rezepte des japanischen Kochstars enthält, sondern auch wegen seiner exklusiven Aufmachung. Vergoldete Kanten, sechsfarbiger Druck mit Lack, Einband aus zwei verschiedenen, aus Japan importierten Stoffen, 416 Seiten und ein Gewicht von 1500 Gramm: Das «Satoyama Cuisine» darf wahrlich als Schwergewicht unter den Kochbüchern bezeichnet werden.

Bei den Brotbackbüchern gilt momentan «Modernist Bread» von Nathan Myhrvold und Francisco Migoya als das teuerste. Es kostet – je nach Quelle – zwischen 436 und 670 Franken. Das Buch gehört eigentlich zu einer Buchreihe. Sie besteht aus fünf Bänden, die in einer Box geliefert werden. Insgesamt vereinen die Bücher über 1500 traditionelle und avantgardistische Rezepte.

Das Älteste und das Gestohlene

Kochbücher verraten nicht nur Rezepte und Zubereitungsarten. Sie dokumentieren auch den Lebensstil und die Umstände der Menschen, die nach ihnen kochen. So findet sich im «Ein schön Kochbuch», dem ältesten deutschsprachigen Kochbuch der Schweiz, Rezepte für die Zubereitung eines Biberschwanzes als Fastenspeise. Im Buch aus dem Jahr 1559 – mit Nachträgen von 1604 – stösst man auf eine unglaubliche Vielfalt an Gewürzen und Zutaten, die heute grösstenteils nicht mehr bekannt sind. Das Buch zeigt aber auch, wie wichtig und wertvoll Zucker, Ingwer, Muskat oder Nelken damals waren. Verfasst wurde das Buch handschriftlich und zwar für die bischöfliche Küche von Chur. Es enthält 515 Rezepte.

Nicht ganz so alt, aber dafür mit einem tragischen Frauenschicksal verknüpft, ist das Kochbuch «So kocht man in Wien!». Geschrieben hat dieses Standardwerk in den 1930er-Jahren die jüdische Köchin Alice Urbach. Ihr Buch war ein Bestseller, doch sie hatte nichts davon. Denn die Nazis stahlen ihr Buch. Das taten sie, indem sie einfach Rudolf Rösch, einen arischen Koch, als Verfasser proklamierten und Alice Urbachs Autorenschaft totschwiegen. In «Das Buch Alice – Wie die Nazis das Kochbuch meiner Grossmutter raubten» arbeitet die Historikerin Karina Urbach die Geschichte auf. Spannend, eindrücklich und berührend.

(Riccarda Frei)


Mehr Informationen unter:

narisawa-yoshihiro-en.com
karinaurbach.org.uk

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