Die Gastkolumne von Meta Hiltebrand, TV-Köchin, Störköchin, Kochbuchautorin und Gastronomin.
Gute Qualität, frische Produkte und Geschmack – das ist eigentlich alles, was der Gast von uns erwartet. Und trotzdem werden viele Speisekarten immer länger, komplizierter und internationaler. Oft hört man: «Der Gast will das so.» Aber stimmt das wirklich? Noch nie habe ich jemanden sagen hören: «Heute habe ich richtig Lust auf Wagyu mit fermentierten Sellerieperlen und fünf verschiedenen Wiesenkräutern.» Aber «heute hätte ich gerne ein Fondue» höre ich öfters. Denn Essen ist Erinnerung. An die Mutter, die gekocht hat. An die Grossmutter, deren Rezept weitergegeben wurde. An die Dorfbeiz, in der man sich willkommen fühlt. Genau diese Geschichten machen Gastronomie persönlich. Dafür braucht es nicht immer Rinderfilet, Austern oder Kaviar. Ein gutes Produkt, eine ehrliche Zubereitung und jemand, der sein Handwerk liebt, können mehr erzählen als eine überladene Speisekarte. Ich glaube deshalb an kleinere Karten. Weniger Auswahl bedeutet oft mehr Frische, Qualität und eigene Handschrift. Warum nicht das Rezept der Mutter auf die Karte setzen und die Geschichte dazu erzählen? Plötzlich bestellt der Gast nicht einfach ein Gericht – er bekommt ein Stück Geschichte. Genau das ist für mich Gastfreundschaft: den Gast nicht nur satt machen, sondern ihm ein Erlebnis mitgeben. Gerade heute, wo wir kulinarisch die ganze Welt auf dem Teller haben, dürfen wir stolz auf unsere Schweizer Küche sein. Regional. Ehrlich. Mit Leidenschaft gekocht. Denn der Teller lügt nicht. Er zeigt, wer in der Küche steht. Und vielleicht müssen wir gar nicht immer komplizierter werden. Vielleicht müssen wir einfach wieder besser, ehrlicher und mit mehr Herz kochen.
