Frauen streiken wegen tieferer Löhne

Am 14. Juni rufen Dutzende von Organisationen zum Frauenstreik auf. Ein Grund: tiefere Frauenlöhne. Sind die Löhne in unserer Branche tiefer, und darf man rechtlich streiken?

Der Frauenstreik von 1991 in Genf. (Keystone)

407 Franken – so viel weniger verdienen Frauen als Männer in unserer Branche im Schnitt jeden Monat. Das zeigt die letzte Erhebung des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2016. Von diesen 407 Franken sind 80 Prozent nicht erklärbar – also monatlich 327 Franken. Das könnte Grund genug für Frauen aus unserer Branche sein, am 14. Juni zu streiken und der Arbeit fernzubleiben. Doch ganz so einfach ist das rechtlich nicht. Zwar weisen die Gewerkschaften darauf hin, dass es in der Bundesverfassung das Recht auf Streik gibt. Doch Stefan Unternährer, Leiter des Rechtsdienstes der Hotel & Gastro Union, warnt: «Laut den namhaftesten Schweizer Arbeitsrechtlern ist dies kein Streik.» In der Bundesverfassung steht: «Streik und Aussperrung sind zulässig, wenn sie Arbeitsbeziehungen betreffen und wenn keine Verpflichtungen entgegenstehen, den Arbeitsfrieden zu wahren oder Schlichtungsverhandlungen zu führen.» Der Frauenstreik betreffe eben nicht direkt Arbeitsbeziehungen. Unternährer rät deshalb: «Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob Sie an diesem Tag frei haben dürfen. Denn wenn Sie unentschuldigt fehlen, kann dies arbeitsrechtliche Folgen haben.»

Wer ruft zum Frauenstreik auf?

Die Idee zum Frauenstreik stammt von einigen Gewerkschafterinnen aus der Westschweiz. Das Datum ist nicht zufällig. Am 14. Juni 1991 gab es schon einmal einen Frauenstreik. Einen sehr erfolgreichen. Über eine halbe Million Frauen nahmen teil. Die Idee der Gewerkschafterinnen verbreitete sich sehr schnell. In der Zwischenzeit rufen nicht nur alle Gewerkschaften zum Streik auf. Mit dabei sind unter anderem der Katholische Frauenbund, der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband, der Evangelische Frauenbund und die Alliance F, eine mehrheitlich bürgerliche Frauenorganisation. Ob der Streik so erfolgreich wird wie 1991, wird sich zeigen.

(Mario Gsell)

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