Die Gastkolumne mit Meret Schneider, Projektleiterin Kampagnenforum und Nationalrätin.
«Foie gras ist in erster Linie ein Kulturgut – und wer sie verbieten will, soll – sich zuerst anschauen, unter welchen Bedingungen heute Geflügel produziert wird.» Dies sind die Worte des Spitzenkochs Peter Knogl in der NZZ vom Dezember 2025. In dieser Frühlingssession stimmt der Nationalrat über ein Importverbot von Stopfleber ab, einem Produkt, das bei Befürwortern und Gegnern für grosse Emotionen sorgt. Als Stopfleber bezeichnet man die Leber von Enten und Gänsen, die aufgrund der Zwangsfütterung unnatürlich fett geworden und auf ein Mehrfaches der natürlichen Grösse angewachsen ist. Die Zwangsfütterung erfolgt mittels Stahlrohren, wodurch teilweise die Speiseröhre Schaden nimmt und die Tiere neben der Qual der Zwangsfütterung innere Verletzungen erleiden. Diese Praxis ist in der Schweiz seit gut 40 Jahren verboten – erlaubt ist jedoch der Import solcher Produkte. Befürworterinnen und Befürworter argumentieren wie Peter Knogl mit dem Kulturgut und der Tradition. Welche Absurdität! Tierqual mit Kultur und Tradition zu rechtfertigen, ist argumentativ so unsauber wie verwerflich: Hätten wir sämtliche tierfeindlichen Traditionen bewahrt, würden wir beispielsweise noch heute Hundekämpfe bis zum Tod des unterlegenen Hundes organisieren – einfach weil man es schon immer so gemacht hat und es zur Kultur gehört. Mit gutem Grund hat man sich von diesen Traditionen verabschiedet, und genau so sollten wir es auch mit der Foie gras tun: Keine Gaumenfreude der Welt rechtfertigt, Tiere zu quälen. Jeder Gastronom, der das Produkt von der Karte nimmt, ist ein Gewinn. Nicht nur für die Tiere, sondern auch für unsere Menschlichkeit.
