Den ehemaligen Kadi-Marketing-Teamleiter und Kommunikationskopf des «Goldenen Kochs» zieht es wieder in die Gastronomie. Welche neue Stelle er angetreten hat, was er vom Langenthaler Unternehmen mitnimmt und was er der Juniorenkochnati als ehemaliger Kochkünstler an der WM zutraut, erzählt er im Interview.
Der Start verlief ausserordentlich herzlich. Da ich das Projekt im Hintergrund bereits seit einiger Zeit begleiten durfte, kannte ich viele Mitarbeitende im gesamten Unternehmen bereits. Die Position wurde neu geschaffen, und ich freue mich enorm darauf, für die Niederhornbahn AG wegweisende Pfeiler zu setzen und mich hier langfristig in der Gastronomie zu verewigen. Extrem spannend finde ich auch die Vielseitigkeit in den Geschäftsleitungsmeetings. Ob Standseilbahnsteuerung, Trottinett-Verleih oder unser Fonduerucksack: Wir diskutieren alles auf Augenhöhe – mal mit mehr, mal mit etwas weniger Fachkenntnis, wie sich von selbst versteht (lacht).
Meine Aufgabe ist es, mit der Unterstützung von Sarah Schwarzenbach von Thomman Hospitality Management und dem gesamten Team der Niederhornbahn im Rücken, die Gastronomie von Grund auf in Eigenregie zu konzipieren, aufzubauen und zu führen. In der Seelounge haben wir gerade drei Monate Renovation und eine komplette Neuausstattung hinter uns. Auch im Berghaus, das jahrelang verpachtet war, übernehmen wir kein Inventar, sondern statten alles neu aus. Das ist zwar aufwändig und bringt viele Prozesse mit sich, die neu aufgearbeitet werden müssen. Gleichzeitig bietet es dem Team, das wir gerade rekrutieren, aber auch die Riesenchance, mit zeitgemässer Infrastruktur zu arbeiten. Wir erbauen hier die Gastronomie der Zukunft – von den Anstellungsbedingungen über die Arbeitszeiten bis hin zur Führungskultur. Die grosse Herausforderung bleibt dabei natürlich die alpine und seeseitige Logistik sowie die extrem wetterabhängigen Schwankungen der Kundenfrequenzen.
Die Sehnsucht nach der Gastronomie war nie verloren, sie war bloss eine Zeit lang nicht mehr so präsent. Es tat mir extrem gut, die Seiten zu wechseln. Mein Weitblick, mein Führungsverständnis und ich als Person konnten sich in dieser Zeit enorm weiterentwickeln. Ein Traditionsunternehmen mit diesem Qualitätsbewusstsein gab mir die perfekte Möglichkeit, meinen Erfahrungsrucksack zu füllen. Diese Erfahrungen auf Industrieseite waren schlicht nötig, um die jetzige, grosse Aufgabe am Niederhorn mit voller Kompetenz anzugehen.
Ich bin definitiv mit zwei weinenden Augen gegangen. Die Mitarbeitenden bei Kadi sind mit so viel Leidenschaft und Commitment bei der Sache – eine solche Firmenkultur können sich viele Unternehmen nur wünschen. Die Kadi-Kultur ist für mich eine echte Zukunftskultur in der Schweizer Unternehmenslandschaft. Ich nehme durchwegs positive und lehrreiche Erfahrungen im Bereich der strategischen Markenführung und der Prozessstrukturierung mit. Diese helfen mir jetzt dabei, unsere Gastro-Betriebe betriebswirtschaftlich und konzeptionell stark aufzustellen.
Es war eine intensiv prägende Phase, die von harten Trainings und stundenlangen Detailanpassungen lebte. Oft lagen die Nerven blank – nicht nur bei uns, sondern auch bei unseren Partnerinnen und Familien, die das alles mitgetragen haben. Wir liefen regelmässig auf dem Zahnfleisch. Umso dankbarer bin ich, heute zu sehen, wie sehr sich die Organisation weiterentwickelt hat. Mittlerweile gibt es professionelle mentale Unterstützung. Uns fehlte damals einfach die Erfahrung, wie wir unter diesem enormen Druck unsere Psyche positiv beeinflussen können. Wir waren schlicht zu unerfahren und liessen innerlich geschehen, was unter dem Stress eben geschah.
Ja, und diese Kontakte sind mir wichtig. Manuel Engel war später meine grösste Stütze beim Aufbau meines ersten eigenen Betriebs in Biel. Für sein damaliges Engagement bin ich ihm bis heute riesig dankbar. Ich freue mich auch, in ein paar Wochen an der Hochzeit von Daniel Straumann und seiner Myriam dabei zu sein. Wenn ich mich daran erinnere, wie Myriam damals zusammen mit ihren zukünftigen Schwiegereltern Renate und Philipp Straumann sowie an der Seite aller anderen Eltern und Partnerinnen und Partner uns anfeuerte, kommen viele Erinnerungen hoch. Davor hatten wir stunden- und tagelang in den Küchen von Straumanns im Gasthof zum weissen Rössli in Erschwil/BL, bei meinen Eltern oder der Familie Duss trainiert.
Der Kontakt zu ihm und seiner jetzigen Frau Angela hat sich sogar noch intensiviert. Ich bin stolzer Götti ihres Sohnes Liam. Durch meine jüngsten Projekte in der Oase72 in Sutz, das Niederhornprojekt und die KADI-Zeit kam die gemeinsame Zeit im letzten Halbjahr leider etwas zu kurz. Aber ich weiss jetzt schon, dass Liam sich riesig freuen wird, wenn er mich auf dem Niederhorn besucht und wir die wilden Steinbockkolonien beobachten, die sich hier bei Sonnenaufgang regelmässig blicken lassen.
Als die Jungs von damals scherzen wir gerne einmal, weil es früher immer hiess: «Es wäre schön, wenigstens eine Frau im Team zu haben» – und die Juniorenkochnati heute komplett aus Frauen besteht (lacht). Aber Spass beiseite: Am Ende zählt nur, dass die besten Persönlichkeiten im Team stehen, kulinarisch wie auch menschlich. Nur so ist Grosses möglich. Ich traue den Frauen definitiv einen Podestplatz zu und hoffe natürlich auf das oberste Treppchen. Im Spitzenfeld liegt alles extrem nah beieinander. Man darf sich einfach nicht von einem Underdog überraschen lassen – so wie es uns damals mit den Österreichern ging, die niemand auf dem Schirm hatte. Ich drücke den Mädels die Daumen!
(Jörg Ruppelt)