Über ein Jahr ist es her, seit das Dorf Blatten im Lötschental unter Schutt und Eis verschüttet wurde. Schritt für Schritt geht es nun vorwärts.
Es grenzt an ein Wunder, dass die Fafleralp und damit das dortige Hotel wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. «Die Notstrasse wurde auf den letzten Drücker fertig erstellt», freut sich Barbara Achrainer, Geschäftsführerin des Hotels Fafleralp. «Innert einer Woche haben wir den Betrieb hochgefahren und waren rechtzeitig startklar.»

Die Grundmauern des Hotels Fafleralp gehen auf 1906 zurück. (Keystone-SDA)
Das Hotel blieb beim Unglück von Blatten/VS zwar verschont, doch es war nicht mehr erreichbar. Durch den Bau der Notstrasse oberhalb des Schuttkegels ist es nun wieder zugänglich, wenn auch nur über die Lauchernalp und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mathias Fleischmann, CEO der Lauchernalp Bergbahnen AG und der Lötschental Marketing AG, sagt dazu: «Die provisorische Strasse ist nur einspurig befahrbar, an vielen Stellen können sich Fahrzeuge nicht kreuzen.» Aus diesem Grund ist sie nur mit Sonderbewilligung befahrbar oder mit den Minibussen des ÖV.
Auch wenn nun fast alle Wanderwege im Tal wieder offen sind, ist noch lange nicht alles wie vorher. Mathias Fleischmann hält fest: «Unser Ziel ist, dass wir in fünf bis sieben Jahren wieder auf dem Niveau von 2024 sind.» Damals, vor dem Bergsturz, verzeichnete das Lötschental mit rund 220 000 Logiernächten einen Rekord. Seither zählte das Tal jährlich lediglich 150 000 Logiernächte. Das entspricht einem Minus von rund 30 Prozent. «Es fehlt uns an Übernachtungsmöglichkeiten», hält Fleischmann fest. Den Verlust der drei Hotels in Blatten und des vorübergehend stillgelegten Hotels Fafleralp konnte das in Kürze hochgezogene Hotel Momentum auf der Lauchernalp mit 19 Zimmern ein wenig abfedern.
Mathias Fleischmann schätzt sich glücklich, dass nun das Hotel Fafleralp wieder offen ist. Gleiches denkt Geschäftsführerin Barbara Achrainer. Sie übernahm das Haus am 1. April 2025 und musste knapp zwei Monate später wieder schliessen. Den bisherigen Saisonverlauf bezeichnet die Tirolerin als durchwachsen: «Im Vergleich zu 2024 haben wir ein Drittel weniger Gäste. Wir sind froh um jeden Gast, der kommt.»
Auf der Fafleralp setzt Barbara Achrainer auf Aufenthaltstourismus. Dazu hat sie ein Konzept entwickelt, das auf vier Säulen basiert: Bewegung, Regeneration, Ernährung und Gemeinschaft. Oder wie es Achrainer formuliert: «Kommen, um zu bleiben, und nicht kommen, um durchzulaufen.» Dass sich die Fafleralp zum Bleiben eignet, zeigt die Umgebung auf knapp 1800 Meter über Meer, die auch für einfache Wanderungen geeignet ist. «Ich habe 90-jährige Gäste, die zu uns zum Wandern kommen.» Derzeit ist das Team um Achrainer daran, das Wellnessangebot auszubauen. Ein Whirlpool steht bereits bereit. Eine Sauna kann demnächst eröffnet werden. Eine Yoga-Plattform mitten im Wald kommt bald dazu.
Barbara Achrainer, Geschäftsführerin im Hotel Fafleralp
Ein weiterer Pfeiler ist die Genussgastronomie. Dafür konnte Barbara Achrainer Laurent Huber verpflichten, der durch den Bergsturz sein Hotel Nest- und Bietschhorn in Blatten verlor.
Sehr zufrieden mit dem Neustart ist Karl Meyer vom ebenfalls wieder offenen «Tellialp». Seit 13 Jahren führt er das Restaurant zwischen Lauchern- und Fafleralp. «Der Neustart verlief besser als erwartet. Wir hatten super Wetter und mussten zusätzlich zu meiner Frau und mir eine Person einstellen.»
(Ruth Marending)