Weg vom Profit, hin zum Mehrwert für alle

Der Städtetourismus steht vor Herausforderungen wie Overtourism, Klimawandel und einer veränderten geopolitischen Lage. Der Event Zürich Experience gab Antworten.

Eine Stadt, die attraktiv und lebenswert für ihre eigene Bevölkerung ist, zieht automatisch auch auswärtige Gäste an. (David Hubacher/Zürich Tourismus)

Wie viel Tourismus verträgt eine Stadt? Wie lassen sich wirtschaftlicher Erfolg, Lebensqualität und Akzeptanz in der Bevölkerung miteinander vereinbaren? Und welche Auswirkungen haben geopolitische Entwicklungen, technologische Innovationen und veränderte Gästeerwartungen auf Destinationen? Zum dritten Mal wurde im The Circle Convention Center am Flughafen Zürich über die Zukunft des Städtetourismus gesprochen und Antworten auf Fragen wie diese gesucht. «Zürich Tourismus geht es gut», sagte Guglielmo L. Brentel, Präsident von Zürich Tourismus, bei der Begrüssung der Teilnehmenden. «Aber damit es so bleibt, müssen wir uns verändern – und zwar deutlich.» Der Tourismus stehe an einem historischen Wendepunkt: «Erfolg wird heute nicht mehr an der Anzahl Gäste, sondern am Mehrwert für Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt gemessen.»

Fokus auf die Bevölkerung

Wie die Wende gelingen kann, zeigte etwa Geerte Udo. Sie prägte während 17 Jahren das Tourismusmarketing in Amsterdam (NL) und gestaltete dort die Wende vom profit- zum wertegetriebenen Tourismus entscheidend mit. «Residents first» – «Bewohner zuerst», nennt sich dieser Ansatz.


«Erfolg wird heute nicht mehr an der Zahl der Gäste gemessen.»

Guglielmo L. Brentel, Präsident Zürich Tourismus


Ab 2019 konzentrierte man sich ganz auf das Motto «Qualität statt Quantität». «Die Frage lautete nicht mehr, wie wir um jeden Preis mehr Besuchende anziehen können», erklärte Udo. «Sondern was unsere Stadt und ihre Bevölkerung braucht und wie der Tourismus dazu beitragen kann.» Denn eine Stadt, die für ihre Bewohner lebenswert ist, sei automatisch auch attraktiv für Besuchende. Zudem ziehe man mit dieser Philosophie insbesondere die Art von Gästen an, die man auch tatsächlich in der Stadt haben möchte: Jene, die sich respektvoll verhalten, lokale Geschäfte unterstützen und in positiven Kontakt mit der Bevölkerung treten. Damit das gelingt, ist gemäss Geerte Udo die Zusammenarbeit mit Stakeholdern wie Gemeinden, Unternehmen und kulturellen Organisationen unerlässlich.

Die Extrameile für den Gast

Bei allem Wandel bleibt eines doch gleich: Wer Gäste anziehen will, muss etwas bieten. Zahlreiche Referenten zeigten, wie das gelingt. So erläuterte beispielsweise Autor und Hoteltester Andrin Willi, wie sich Betriebe von der Konkurrenz abheben: «Das Produkt an sich muss natürlich top sein. Aber den entscheidenden Unterschied macht das persönliche Erlebnis: Zum Beispiel ein Réceptionist, der mich mitten in der Nacht mit einem Kaffee weckt, damit ich die Nordlichter sehen kann.» In der Schweiz fehle für solche Überraschungsmomente leider oft das Personal.

Fabian Villiger, Vizepräsident im Vorstand von Zürichsee Tourismus, zeigte auf, wie man sich auch als kleinere Destination global positionieren kann. Dem Erlebnisraum Rapperswil gelingt das durch eine enge Zusammenarbeit mit der «grossen Schwester» Zürich Tourismus. Diese erhält im Gegenzug die Kurtaxe der Hotels rund um den Zürichsee.

Auch die diesjährige «Zürich Experience» zeigte: Ideen und Lösungsansätze, wie sich der Städtetourismus auch unter Druck weiterhin positiv entwickeln kann, gibt es mehr als genug. Es gilt, diese jetzt anzugehen – denn wer künftige Herausforderungen verschläft, wird früher oder später abgehängt werden.

(Angela Hüppi)


Mehr Informationen unter:

zuerich-experience.com


Zürich Experience

Der Städtetourismuskongress bringt Führungskräfte, Expertinnen sowie Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammen. Die nächste Austragung findet am 26. August 2027 statt.