Der Winter 2025/26 macht deutlich, wie stark sich der Schweizer Tourismus entlang der Höhenmeter differenziert.

Dass Wintersportenthusiasten so unbeschwert dem Skifahren frönen können, ist heutzutage wegen klimatischer Veränderungen keine Selbstverständlichkeit mehr. (Engadin Tourismus)
Der Winter 2025/26 zeigt bis dato ein vielschichtiges Bild: Hochalpine Destinationen verzeichnen eine stabile bis starke Saison. Tiefe bis mittlere Höhenlagen geraten stärker unter Druck. Die Klimavariabilität wird spürbarer, und die Winter verlaufen weniger berechenbar. Silvia Nüesch, Kommunikationsverantwortliche von Engadin Tourismus: «Wir sind mit der Wintersaison bis jetzt sehr zufrieden. Der Gästerückgang nach Neujahr bis zu den Sportferien fiel geringer aus als in anderen Jahren.» Besonders stark zeigt sich die Region dort, wo der Klimadruck am spürbarsten wird: bei der Schneesicherheit. Dank Höhenlagen bis über 3300 Meter über Meer, zwei Speicherseen, Investitionen in leistungsstarke Schneeerzeuger und konsequentes Snowfarming – also die Konservierung von Schnee über den Sommer – im Bereich der Langlaufloipen startete die Saison gut. «Diese Voraussetzungen erlauben uns, zu Beginn des Winters ein grosses Angebot an Pisten und Loipen bereitzustellen», so Nüesch. Entscheidend sei zudem die langfristige Ausrichtung der Region: Man setze nicht allein auf den Skibetrieb, sondern auf ein breit abgestütztes Wintererlebnis.
Thomas Christen, Tourismusdirektor der Ferienregion Andermatt, spricht von einem «ausgezeichneten Start seit den Weihnachtsferien». Die Buchungen in den Hotels liegen rund sieben Prozent höher als im Vorjahr. Die Ferienwohnungen im Vermie-tungsprogramm von Andermatt Swiss Alps sind sogar knapp zehn Prozent im Plus. Das sonnige Wetter sorgte zudem für hohe Frequenzen im Skigebiet, und auch das Eisfeld im Dorf wird rege genutzt. Bei den Loipen zeigt sich die Wirkung technischer Beschneiung: In Realp/UR wird das Angebot in konstanter Qualität betrieben, nicht jedoch in Andermatt beim Golfplatz, wo nur Teile der Loipe geöffnet sind. Dennoch würden neue Schneeanlagen sowie die hohe Lage, so Christen, «Andermatt auf der Seite der Gewinner positionieren».
Ein etwas anderes Bild zeigt sich in Bivio/ GR: Das Skigebiet erstreckt sich vom Dorf auf knapp 1800 Meter über Meer bis auf gut 2500 Meter Höhe. «Die erste geschlossene Schneedecke liess lange auf sich warten», so Dorothe Kienast, Verwaltungsratspräsidentin der Bivio Sportanlagen AG. Um dennoch ein gutes Angebot zu sichern, wurden Schneeerzeuger mehrfach versetzt und mit hohem Aufwand betrieben – ein Einsatz, der zu langen Arbeitstagen führte und das Team stark forderte. Der Effort zeigte sich über die Festtage: Die Ersteintritte lagen laut Kienast im Bereich des Fünfjahresschnitts, da viele sonnenhungrige Tagesgäste aus tieferen Regionen anreisten. Gleichzeitig rechnet man damit, dass sich geschlossene Schneedecken künftig später bilden und die technische Beschneiung anspruchsvoller wird. «Wir müssen unser System wetterfester machen, sonst kommen wir an Grenzen», sagt Kienast. Deshalb investiert das Gebiet in seine Infrastruktur: Die Steuerung der Schneeanlagen wird erneuert, leistungsstärkere Pumpen sollen auch höhere Abschnitte zuverlässig mit Wasser versorgen, und der untere Bereich des Skilifts Tua wird besser beschneit. Bis 2027 sind dafür rund 1,3 Millionen Franken vorgesehen – finanziert über Darlehen, Wandelanleihen und eine Aktienkapitalerhöhung. Wichtig sei, so Kienast, dass die Bivio Sportanlagen AG breit in der Bevölkerung, bei Zweitheimischen und Stammgästen verankert bleibe: «Wir wollen unser Skigebiet weiterentwickeln, aber in unseren eigenen Händen behalten.»
Die unterschiedlichen Entwicklungen in den Regionen ändern jedoch nichts daran, dass die Bilanz der Wintersaison stabil bleibt. Das KOF-Institut erwartet rund 18,6 Millionen Übernachtungen – ein leichtes Plus gegenüber dem Rekordwinter 2024/25. Zwar flacht das Wachstum etwas ab, doch die Nachfrage bleibt robust, insbesondere dank Gästen aus Amerika. Europäische Gäste legen trotz starkem Franken leicht zu, während sich der chinesische Markt langsam erholt.
(Andrea Decker)