Die Gastkolumne von Philipp Niederberger, Direktor des Schweizer Tourismus-Verbands.
Stellen wir uns einen Schweizer Tourismus ohne Fachkräfte vor: Seilbahnen stehen still, Schiffe bleiben im Hafen, Restaurants schliessen früher, Hotelréceptionen bleiben unbesetzt. Genau dieses Szenario droht bei einer Annahme der sogenannten Chaos-Initiative am 14. Juni. Sie verlangt die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU, um eine willkürlich festgelegte Obergrenze der Bevölkerung einzuhalten. Für den Tourismus wäre das ein massiver Einschnitt. Der Sektor ist entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette stark auf Arbeits- und Fachkräfte aus dem EU-Raum angewiesen. Ohne diese zentrale Rekrutierungsbasis verschärft sich der Fachkräftemangel dramatisch. Betriebe müssten Angebote abbauen, Öffnungszeiten reduzieren und Abstriche bei Servicequalität und Gästeerlebnis hinnehmen. Gleichzeitig würde die Initiative erhebliche Rechtsund Planungsunsicherheit schaffen. Es bleibt auch unklar, wie die EU reagieren würde und ob unter diesen Vorzeichen die Bilateralen III überhaupt zustande kämen. Für einen Sektor, der auf langfristige Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen ist, sind diese Folgen ein ernsthaftes Risiko. Der Schweizer Tourismus lebt von seinen Mitarbeitenden, von Offenheit, Stabilität und funktionierenden Beziehungen zu Europa. Wird die Initiative angenommen, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel, Betriebe könnten geschlossen werden und Gästeerlebnisse leiden. Es trifft nicht abstrakte Zahlen, sondern Menschen, die jeden Tag daran arbeiten, dass der Schweizer Tourismus erfolgreich ist. Die Initiative gefährdet diese Grundlage und damit den Erfolg des gesamten Sektors.
