Die vielen Leben einer neuartigen Weinflasche

Eine wachsende Gruppe von Schweizer Winzerinnen und Winzern setzt auf rezyklierbare Glasflaschen.

Zwei Modelle mit integriertem Bottle-Back-Logo sind im Umlauf. ZVG

Gut stapelbare Bordeaux- und Burgunderflaschen sind die Klassiker. Braune Flöten für Rheinwein und grüne für die Weine von der Mosel versprechen Eleganz. Frankenweine werden in Bocksbeutel gefüllt und dickwandige Champagnerflaschen halten dem Druck stand. Dazu kommt eine Vielfalt an Spezialflaschen – von der 320 Gramm leichten Wegwerfflasche bis zur Prestigeflasche, die leer mehr als ein Kilogramm wiegt. Das hat vor allem mit Marketing zu tun und ist ein riesiger Verschleiss an Ressourcen. Denn das Recycling von Einwegflaschen erfordert einen 24-stündigen Prozess bei 1500 Grad Celsius, während die Reinigung zur Wiederverwendung einer Flasche 20 Minuten bei 60 Grad Celsius dauert.

Weshalb werden ausgetrunkene Weinflaschen zertrümmert, obwohl sie noch in einem perfekten Zustand sind? Diese Frage stellten sich die Waadtländer Winzerinnen Catherine Cruchon-Griggs, Laura Paccot und Noémie Graff. Mit fünf weiteren Kolleginnen und Kollegen lancierten sie im Juni 2023 das Projekt «Bottle back». Zur Wiederverwertung von Weinflaschen definierten sie einige Standards neu. So soll die einheitliche Weinflasche nach 50 Waschgängen noch Wertigkeit vermitteln. Dann braucht es einen wasserlöslichen Klebstoff für die Etiketten. Nicht zuletzt gilt, die Logistik sicherzustellen. Eine Motivation ist, dass das Waschen der Flaschen einiges günstiger ist als deren Neuanschaffung. Für das über einen Zeitraum von zwei Jahren angesetzte Pilotprojekt subventionierte das Amt für Wirtschaftsförderung und Innovation des Kantons Waadt 80 000 Burgunderflaschen. Im April 2024 wurde das Projekt in einen Verein umgewandelt. Heute zählt dieser 52 Mitglieder aus neun Kantonen. An der Auswahl zur Gestaltung einer attraktiven Weinkarte mit sinnvollem Recycling fehlt es nicht. Als nächster Schritt gilt, weitere Produzenten zu überzeugen, Sammelstellen einzurichten und Gastronomen zu motivieren, leere Weinflaschen zu sammeln, damit sie erneut verwendet werden können.

(Gabriel Tinguely)


Mehr Informationen unter:

bottleback.ch