«Hotel Gastro 365 bietet echte Einstiegschancen»

Eine neue Basisqualifikation für erwachsene Migranten, Quereinsteigende oder Arbeits-suchende soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Sabrina Camenzind, warum braucht es eine weitere Basisqualifikation?

In der Schweiz existiert eine Vielzahl unterschiedlicher kantonaler Angebote, Qualifikationen und Finanzierungen. Darum schufen wir mit Hotel Gastro 365 ein einheitliches Angebot, unter dem sich Arbeitgebende in der Hotellerie und Gastronomie sowie Integrationsverantwortliche etwas vorstellen können. Mit Hotel Gastro 365 wollen wir erreichen, dass mehr anerkannte erwachsene Flüchtlinge, Quereinsteigende sowie Erwerbslose in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Fallen die bestehenden Angebote nun weg?

Nein, die Angebote der Hotel & Gastro formation, wie zum Beispiel Riesco oder Perfecto Futura, bleiben bestehen. Riesco war so etwas wie die Mutter der Integrationsvorlehren. Daraus ist beispielsweise Invol entstanden, das in verschiedenen Kantonen angeboten wird. Mit diesen Basisqualifikationen können die Teilnehmenden ebenfalls eine weiterführende Ausbildung absolvieren.


Sabrina Camenzind ist Direktorin bei Hotel & Gastro formation in Weggis/LU. Sie ist Mitinitiantin von Hotel Gastro 365


Wer hat Hotel Gastro 365 entwickelt?

Entwickelt hat den Lehrgang Hotel & Gastro formation unter Einbezug der Trägerverbände Hotelleriesuisse, Gastrosuisse und Hotel & Gastro Union. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Migration SEM. Mit einem Jahresarbeitsvertrag und gleichzeitiger Fachund Sprachausbildung soll die Chance der Betroffenen auf den dauerhaften Einstieg in die Berufswelt massgeblich verbessert werden. Der Schwerpunkt liegt bei der praktischen Ausbildung im Betrieb und dem Erlangen von genügend Sprachkompetenz.

Wie sieht der Inhalt des Lehrgangs genau aus?

In den ersten zwei Wochen entscheiden die Teilnehmenden, in welchem Bereich in der Hotellerie oder der Gastronomie sie tätig sein möchten. Das heisst, in der Küche, im Service oder in der Hauswirtschaft. Danach werden die Teilnehmenden einem Praxisbetrieb zugewiesen. Zudem wird eine Bildungsvereinbarung erstellt. Der Lehrgang sieht eine praktische Tätigkeit von 80 Prozent vor. Ein Tag pro Woche ist für das Vermitteln von theoretischem Wissen vorgesehen. Dazu gehören unter anderem fachliche Inhalte, Werte und Normen, Hygiene, Arbeitssicherheit sowie ein Sprachkurs. In der langfristig angelegten Kombination von Theorie und Praxis festigen die Teilnehmenden ihre Qualifikationen laufend und üben im echten Arbeitsumfeld. Ihre Chancen, in der Schweiz aktiv und nachhaltig zum wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen, werden gestärkt.

Der Qualifikationslehrgang dauert insgesamt zwölf Monate. (Keystone-SDA)

Wie wird diese Basisqualifikation finanziert?

In den ersten sechs Monaten werden die Bildungs- und Lohnkosten durch die kantonal zuständigen Behörden finanziert. In den folgenden sechs Monaten wird die Progresso-Ausbildung durch den L-GAV finanziert. Der Praxisbetrieb übernimmt in dieser Phase – sofern er dem L-GAV zwingend unterstellt ist – die Zahlung des Mindestlohns gemäss L-GAV. Damit entsteht eine gleichmässige Kostenaufteilung zwischen den Behörden und der Branche.

Wo findet der Lehrgang statt?

Im Moment läuft Hotel Gastro 365 als Pilotprojekt in den Kantonen Baselland und Luzern. Wenn sich der Lehrgang bewährt, soll er auch in weiteren Kantonen lanciert werden.

(Daniela Oegerli)


Mehr Informationen unter:

hotelgastro.ch/hotelgastro365


Wie geht es weiter?

Die ersten Kurse starten am 17. August in Basel und am 8. September in Luzern. Teilnehmende werden den Integrationsdienstleistern von kantonalen Institutionen zugewiesen. Interessierte Kantone, kantonale Fachstellen für Integration oder mögliche Praxisbetriebe können sich direkt an Sabrina Camenzind, Direktorin von Hotel & Gastro formation Schweiz, wenden.